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Rosige Aussichten für Föhnliebhaber

22 aprile 2019, 1 Commento
Temi: Tempo

Nein, die Rede ist nicht von einem handelsüblichen Haartrockner, sondern vom ältesten Urner/Glarner/.... Obwohl, Letzterer trocknet nasse Haare auch ziemlich effizient ab - ob Ihnen die Frisur danach gefällt ist eine andere Frage.

Blick von Ascona zum Gridone an der Grenze zu Italien, im Vordergrund Tulpen (und nicht Rosen, wie man vom Titel ableiten könnte). Die Cirren sind mit Saharastaub angereichert. Foto: Patrick Stierli
Blick von Ascona zum Gridone an der Grenze zu Italien, im Vordergrund Tulpen (und nicht Rosen, wie man vom Titel ableiten könnte). Die Cirren sind mit Saharastaub angereichert. Foto: Patrick Stierli

Wetterlage

Visione ingrandita: Satellitenbild überlagert mit dem Bodendruckfeld von heute 12 UTC (14 Uhr Lokalzeit).
Satellitenbild überlagert mit dem Bodendruckfeld von heute 12 UTC (14 Uhr Lokalzeit).

Der Alpenraum gelangte heute auf die Vorderseite eines Tiefdruckgebiets mit Zentrum über dem westlichen Mittelmeer. Das Hoch, welches die letzten Tage bei uns wetterwirksam war zog sich etwas nach Osteuropa zurück. Zwischen diesen beiden Druckgebilden hat sich eine kräftige Südströmung eingestellt, in den Alpen etablierte sich eine Föhnlage. Diese wird auch in den kommenden Tagen anhalten, wie Sie am Ende dieses Blogs lesen können.

Staubige Angelegenheit

Visione ingrandita: Das Berner „Dreigestirn“ Eiger, Mönch und Jungfrau im Saharastaub, von Heimberg aus gesehen. Der Segelflieger erfreut sich vermutlich an dem Föhn. Foto: Christoph Schmutz
Das Berner „Dreigestirn“ Eiger, Mönch und Jungfrau im Saharastaub, von Heimberg aus gesehen. Der Segelflieger erfreut sich vermutlich an dem Föhn. Foto: Christoph Schmutz

Wieso war der Himmel heute trotz Föhn getrübt? Das anfangs erwähnte Tief über dem Mittelmeer hat aus Süden zeitweise hohe und mittelhohe Wolkenfelder zu uns abgeschwemmt. Darin eingelagert war, wie gestern hier beschrieben, Saharastaub. Dies sah dann beispielsweise so aus:

Blick von Spilmettlen oberhalb Sattel (SZ) nach Süden in die Schwyzer und Urner Alpen. Video: Daniel Gerstgrasser

Visione ingrandita: Sonnenscheindauer in Stunden an ausgewählten Messstationen bis Redaktionsschluss um 18 Uhr.
Sonnenscheindauer in Stunden an ausgewählten Messstationen bis Redaktionsschluss um 18 Uhr.

Trotzdem wurden, wie in obiger Grafik ersichtlich, einige Sonnenstunden registriert. Der Süden und der Osten waren etwas stärker als der Westen von der Bewölkung betroffen. Die Temperaturen erreichten auf der Alpennordseite verbreitet 22 Grad, im Süden rund 19 Grad.

Föhn heute

Visione ingrandita: Bis heute 18 Uhr registrierte Böenspitzen in km/h.
Bis heute 18 Uhr registrierte Böenspitzen in km/h.

In den typischen Föhntälern, wie beispielsweise dem Urner Reusstal, dem Rhonetal, dem Haslital oder dem Churer Rheintal blies die ganze Nacht hindurch Föhn. Im Tagesverlauf verstärkte er sich etwas. Auch in den Bergen nahm die Südströmung zu. Der Föhn führte dazu, dass sämtliche Alpenrandseen der Deutschschweiz auf Starkwind oder Sturm geschaltet wurden. Bei einer Starkwindwarnung blinkt die Sturmwarnleuchte 40mal in einer Minute und es muss mit Böen zwischen 25 und 33 Knoten (rund 46 bis 61 km/h) gerechnet werden. Bei einer Sturmwarnung werden Böen über 33 Knoten erwartet. Die Sturmwarnleuchten am Ufer blinken dann 90mal pro Minute. Die Signalisierung wird jeweils 30 Minuten bis 3 Stunden im Voraus eingeschaltet.

Windsurfer am Urnersee, 22 April 2019. Die Föhnwarnung für den See (Ausnahme bei Föhn am Urnersee: es wird nicht zwischen Sturm- und Starkwind unterschieden) war bereits am Vormittag aktiv. Video: Sawina Lauret

Föhn in den kommenden Tagen

Visione ingrandita: Föhn heute in Brunnen am Vierwaldstättersee. Foto: Urs Camenzind
Föhn heute in Brunnen am Vierwaldstättersee. Foto: Urs Camenzind

Gute Nachrichten für alle Freunde des Föhns, wie zum Beispiel Windsurfer und Segelflieger: Wir erwarten bis und mit Donnerstag starken, teils stürmischen Föhn. Die untenstehende Grafik zeigt den prognostizierten Nord-Süd-Druckgradienten anhand der Stationen Kloten und Lugano auf. In der unteren Hälfte des Diagramms ist die Differenz des auf Meereshöhe reduzierten Drucks in Kloten und desjenigen in Lugano negativ. Dies bedeutet, dass Südüberdruck herrscht. Da es in der Physik der Atmosphäre liegt, ein Gleichgewicht anzustreben, kommt damit über den Alpen Südwind auf.

Visione ingrandita: Druckgradient Kloten-Lugano für Montag bis und mit Freitag. Die Linien zeigen verschiedene prognostizierte Modelllösungen, in Rosa ist der Verlauf der heute gemessenen Werte eingezeichnet. Weitere Erklärungen im Text.
Druckgradient Kloten-Lugano für Montag bis und mit Freitag. Die Linien zeigen verschiedene prognostizierte Modelllösungen, in Rosa ist der Verlauf der heute gemessenen Werte eingezeichnet. Weitere Erklärungen im Text.

Anhand des obigen Diagramms sehen wir, dass bis und mit Donnerstag jeweils ein Südüberdruck von rund 5 bis 10 hPa herrschen wird. In der Nacht auf Freitag kommt dann voraussichtlich eine Kaltfront, welche den Föhn beendet. Die drei kommenden Nächte nimmt der Gradient jedoch auch jeweils leicht ab. Dies ist synoptisch bedingt: in der Nacht auf morgen Dienstag wird ein schwaches Tief auf der Alpensüdseite für Druckfall sorgen und den Föhn stören. In der Nacht auf Mittwoch und derjenigen auf Donnerstag läuft jeweils eine schwache Front über den Alpenraum und drängt den Föhn etwas zurück. Tagsüber dürfte der Föhn aber stärker als heute sein, da er aus den höheren Schichten noch besser unterstützt wird. Da nicht mit hartnäckigen Kaltluftseen gerechnet wird, kann der Föhn teilweise bis ins Flachland vorstossen.

Visione ingrandita: Die Sicht auf Fulen, Rossstock und Windgällen war heute durch Saharastaub getrübt. Foto: Daniel Gerstgrasser
Die Sicht auf Fulen, Rossstock und Windgällen war heute durch Saharastaub getrübt. Foto: Daniel Gerstgrasser

Auf der Alpensüdseite staut sich feuchte Luft an und wird dort teils für intensive Niederschläge sorgen. Dies der aktuelle Stand der Prognoseunterlagen. Laufend aktualisierte Prognosen und Warnungen finden Sie wie gewohnt auf unserer Website/App.

Commenti (1)

  1. Julia Hirzel, 23.04.2019, 10:35

    Ich liebe Eure humorvollen und auch für eine Nicht-Meteorologin gut verständlichen Kommentare