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Föhn, Gewitter und Südwestwind

24 aprile 2019, 13 Commenti
Temi: Tempo

Der heutige Tag war ereignisreich und spannend zu verfolgen. Neben Föhn führte ein Kurzwellentrog in einigen Regionen zu auffrischendem Südwestwind und sogar Gewittern!

Blick von Affoltern am Albis in Richtung Süden. Foto: Denise Praloran
Blick von Affoltern am Albis in Richtung Süden. Foto: Denise Praloran

Grosswetterlage

Die Schweiz befand sich heute auf der Vorderseite eines umfangreichen Langwellentroges, welcher sich vom nahen Atlantik bis hin nach Nordafrika erstreckte. Ein Hochdruckgebiet hatte sich über Nord/Nordost Europa installiert. Aufgrund dieser Druckverteilung befand sich die Schweiz in einer südlichen Anströmung.

Diese Anströmungsrichtung führte auf der Alpensüdseite, wie bereits gestern, zu einer Stausituation und alpennordseitig zu einer Föhnlage.

Schubladisierung

Müsste man diesen Föhn in eine Schublade stecken, würde er sich grösstenteils in der Schublade „klassischer hochreichender Föhn“ wohl fühlen.

Auf der Alpensüdseite befand sich in den unteren Luftschichten kältere Luft. Dadurch konnte sich ein Nord-Süd Druckgradient aufbauen. Zusätzlich wurde der Druckgradient auch synoptisch verstärkt. Durch die Annäherung des Tiefs fiel im Norden der Druck stärker als im Süden.

Der Verlauf der Druckdifferenz zwischen Kloten und Lugano wies um 14 UTC eine Differenz von fast 15 hPA auf. Mit dieser Druckdifferenz war es nicht erstaunlich, dass wir im Alpenraum einen starken bis stürmischen Föhn antreffen konnten, welcher am Nachmittag bis weit ins Flachland ausgriff.

Die Kaltfront im Anmarsch

Ein Feature, das hier bisher unterschlagen wurde, ist die zum Tief gehörende Kaltfront. Diese befand sich am Vormittag noch über Frankreich. Mit der südlichen Strömung verlagerte sich die Kaltfront Richtung Norden und streifte die westlichen und nordwestlichen Landesteile.

Als der Kurzwellentrog am Nachmittag dann über die Schweiz schwenkte, verursachte dies einen Druckanstieg auf der Alpennordseite bzw. in den westlichen Landesteilen. Dadurch frischte der Südwestwind in der Westschweiz und Juranähe auf. Zudem konnten am Nachmittag die ersten Gewitter zunächst  in der Region Ajoie, danach auch im Flachland  beobachtet werden.

Die Ursache

Dass diese Gewitter dort entstanden sind, ist kein Zufall. Mit dem stürmischen Südföhn, welcher auch teilweise bis ins Flachland ausgriff, herrschten am Vormittag noch südöstliche Winde. Im westlichen Mittelland wehte sogar eine leichte Bise. Mit Annäherung des Kurzwellentroges drehte der Wind dann auf Südwest. Dieser Südwestwind griff immer mehr nach Osten aus und führte in den oben genannten Gebieten zu einer Windkonvergenz. Dadurch konnten diese Gewitter entstehen.

Schlusswort zum Stau und Föhn

Wie bereits oben erwähnt, befand sich die Alpensüdseite im Staugebiet und es fiel mässiger bis starker Niederschlag, teilweise auch konvektiv durchsetzt. Der Niederschlag griff zum Teil auch in die unmittelbar nördlich gelegenen Gebiete des Alpenhauptkammes über.

Ein gewisses Übergreifen des Niederschlages ist bei Föhn normal. Greift der Niederschlag jedoch ungewöhnlich weit nordwärts in die Föhntäler, wird eher von einem Dimmerföhn gesprochen. So einen Fall hatten wir heute beispielsweise in Altdorf. Trotz Föhn fiel dort zeitweise Niederschlag.

Eine mögliche Ursache ist wohl der Teiltrog, der die Schweiz heute überquerte und zu einer Kaltluftadvektion in der Höhe führte.

Commenti (13)

  1. Stefan, 25.04.2019, 11:17

    Normal ist auch, dass dieser Niederschlag aus Süden inkl. der Bewölkung im Kandertal am wenigsten weit kommt. So war es dann in Frutigen bereits kaum einmal richtig bewölkt noch als es in alle Richtungen bedeckt war. Zwar hat hier keiner irgendwelche spektakulären Temperaturen (wenn man mal die Höhe aussen vor lässt.....) es bleibt bei solchen Lagen einfach am längsten warm. Um 19 Uhr kam der Wind auch bis Kandersteg aus Norden zu wehen mit Abkühlung. So spät brauchts keine Kaltfront. Klassisch auch die grosse Fläche mit Niederschlag im Berner Mittelland. Nach Osten hin ist bei Föhnlagen den grössten Teil des Jahres ausserhalb der Alpen am wärmsten und bleibt auch am ehesten trocken. Schaut mal heute Donnerstag. Bald 20 Grad vor 11 Uhr in Frutigen mit etwas mässigem Wind. Anderswo scheint Föhn eher nur einfach sehr windig zu sein. Achtet mal auf die Temperaturverteilung im Kanton Bern. Meiringen hat auch nur Sturm bei Temperatur wie Chateau D'Oex wo kein Föhn weht ;)

  2. Andi Hofer, 25.04.2019, 10:13

    Wie auch dem Kommentator M. Bertschinger aus der Region Zürichsee ist uns gestern der abrupte Starkwindrichtungswechsel aufgefallen. Hier auf dem Vierwaldstättersee (Kreuztrichter, Luzerner See) wehte bis vor 18 Uhr ein Mix aus "Urner-", "Engelberger-" und "Brünigföhn" aus Richtung Ost bis Süd. Nach einer weniger als 60 Sekunden gefühlten Windstille hatten wir starken bis stürmischen Wind aus Richtung Stadt Luzern, Nordwest. Jetzt nach dem Lesen der Kommentare und Antworten scheint klar, dass es sich um die Kaltfront gehandelt haben muss. Diese war bei uns "trocken" und daher nicht als solche zu erkennen.

  3. Binder Katharina, 25.04.2019, 08:26

    Hallo liebe Wetterleute, schreibt bitte dem Wettermacher er soll Regen schicken ! In den Norden (AG).
    Die paar mm reichen nicht und falls es im Mai auch nicht regnet und dann alle Ignoranten im Juni ihre Pools füllen haben wir bald ein Problem oder wird das dann hoffentlich verboten so wie das Feuerwerk? Beides völlig Überflüssig! Danke. Super Blog ich lese ihn sehr gerne.

  4. Urs Imhof, 25.04.2019, 07:32

    Im übrigen ist das im Bezirk Zurzach im Aargau nur noch eine Wiederholung im Ablauf der Fronten von letztes Jahr und darum nichts neues.
    Wir werden auch dieses Jahr Staub schlucken.
    Jeder im Bezirk Zurzach im Aargau weiss wenn die Frühlingsgewitter ausbleiben so ist der Sommer Gewitterarm aber dafür windig und trocken.
    Regen gibt es nur noch dann wenn die Gewittergefahr gebannt ist.

  5. Katja Tobler, 25.04.2019, 06:56

    Bei uns in Kirchdorf BE ging gestern am frühen Abend ein Gewitter inklusive Hagel nieder. War das nur bei uns so, oder gab es auch andernorts Hagelschauer?

    1. MeteoSvizzera, 25.04.2019, 09:09

      Es gab auch im äussersten Zipfel des Kantons Jura in der Region von Bure und Boncourt eine kleine Gewitterlinie mit lokalem Hagel. Gleichzeitig zog auch in der Region Oftringen, Obergösgen, Kienberg eine Gewitterlinie mit Hagel durch.

  6. Bernd, 25.04.2019, 03:04

    In Zürich gab es zwischen 16 Uhr und 19 Uhr einen völlig unerwarteten und nicht prognostizierten Temperatursturz von 13 Grad, der in der Folge auch in den Kommentaren der Wetterdienste unterschlagen bzw. nicht erläutert wurde! Haben Sie eine Erklärung?

    1. MeteoSvizzera, 25.04.2019, 04:43

      Im Abschnitt „Kaltfront im Anmarsch“ wurde der von Ihnen erwähnte Temperatursturz bzw. dessen Ursache beschrieben. Jene Kaltfront streifte erst nach Redaktionsschluss das östliche Mittelland und fand daher keine Erwähnung mehr.

  7. Charles Sagne, 25.04.2019, 02:30

    2 interessante Hyperlapse Videos dazu (https://www.mycloud.ch/l/L0056B47606F72C98B95C7AA468299F095C8C827DACECBE84B4E8319BBCAC101).
    Im ersten um 15h50 Starkwind mit Squalline ca. Sempachersee (Ansatz zu CB-Bildung), im 2. 19h17 schön sichtbare Windscheerung, Hoch aus Richtung S, tiefer aus W (Aufnamen ob Müswangen, Lindenberg LU)

  8. Urs Imhof, 24.04.2019, 22:48

    Bad Zurzach nur Sturmböen und Temperatursturz.
    Regen fehlt nach wie vor.

  9. Pascal, 24.04.2019, 22:42

    Guten Tag, bei uns im Mittelland Region Burgdorf, Herzogenbuchsee, langenthal windet es sehr heftig und es gab lokale Gewitter. Wieso wurde kein Wetteralarm ausgegeben? Besten Dank

    1. MeteoSvizzera, 25.04.2019, 00:35

      Für die von Ihnen angesprochene Region war eine Windwarnung der Stufe 2 (Windspitzen zwischen 60 und 90 km/h) aktiv.
      Die heute verzeichneten Gewitter erreichten nicht unsere Warnschwelle. Weitere Details zu den Gewitterwarnungen der MeteoSchweiz finden Sie unter https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/gefahren/erlaeuterungen-der-gefahrenstufen/gefahrenstufen-gewitter.html

  10. Marco Bertschinger, 24.04.2019, 22:32

    Zwei Dinge sind mir heute aufgefallen:
    1. Windrichtungsänderung sehr abrupt von Föhn zu Westwind (wer nicht ab und zu rausschaute, hat gar nicht bemerkt, dass der Baum von zwei Seiten "angegriffen" wurde)
    2. Abrupter Temperatursturz jedoch erst einige Zeit nach der Windrichtungsänderung (schätzungsweise ca. 1.5h danach)
    ...und das alles bei gleichbleibendem Wetter: rel. sonnig/kein Niederschlag
    Standort: Rapperswil/Wädenswil