MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

04. März 2007 / Peter Albisser, Marco Stoll, Andreas Hostettler

 

Unruhiges Westwindwetter

 

Wetterablauf vom 24. Februar bis 3. März 2007

Am 24. Februar setzte eine Phase mit lebhaftem Westwindwetter ein. Ein umfangreiches Zentraltief verlagerte sich vom Nordatlantik zu den Britischen Inseln und zog in der Folge unter Auffüllung weiter zur Ostsee (Bodenwetterkarten von 24. Februar bis 3. März 2007 jeweils um 12 UTC sind in der Spalte rechts vom Text aufgelistet). Vom 26. auf den 27. stiess für kurze Zeit ein Hochdruckkeil bis zum Alpenraum vor und sorgte vorübergehend für etwas ruhigeres Wetter, während sich über den Britischen Inseln bereits das nächste Tiefdrucksystem entwickelte. Am Südrand dieses steuernden Tiefs wurden, eingelagert in einer zügigen Westströmung, in rascher Folge Fronten und kleinere Randtiefs zum Kontinent herangeführt.

 

Verlauf der Windspitzen vom 23.2. bis 3.3. in Bern, Basel und auf dem Hörnli

Bild 1: Verlauf der stündlichen Böenspitzen vom 23. Februar bis 3. März 2007 an den Stationen Bern, Basel sowie auf dem Hörnli. Die Windspitzen vom 24. und 25. Februar (jeweils um die Mittagszeit) markieren den Durchgang zweier Okklusionen. Während der folgenden zwei Tage floss mit nordwestlichen Winden etwas kühlere Luft ein, wie in Bild 2 am Temperaturverlauf an denselben Stationen gut erkennbar ist.

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Temperaturverlauf vom 23. Februar bis 2. März 2007 an den Stationen Bern, Basel sowie auf dem Hörnli.

Bild 2: Temperaturverlauf (Stundenmittel) vom 23. Februar bis 2. März 2007 an den Stationen Bern, Basel sowie auf dem Hörnli.

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Am 27. und 28. Februar nahm der Wind wieder spürbar an Stärke zu (Bild 1) und mit Drehung auf Südwest wurde milde, aber zunehmend auch feuchte Luft herangeführt. Am 28. Februar zog eine Kaltfront über die Schweiz hinweg, wobei auf dem Hörnli eine Böenspitze von 121 km/h registriert wurde. Bereits am darauffolgenden Tag bildete sich im westlichen Teil der langgezogenen Frontalzone über dem Ärmelkanal ein kleinräumiges Randtief. Zusammen mit seinem zugehörigen Frontensystem überquerte dieses die Schweiz am Donnerstag 1. März. Der erwartete Sturm fiel etwas schwächer aus, als erwartet, da die Kaltfront des Tiefs ohne merklichen Druckanstieg über die Alpennordseite hinwegzog. Bild 3 zeigt die Böenspitzen vom Donnerstag 1. März: im Flachland lagen sie zwischen 70 und 90 km/h, in leicht erhöhten Lagen wurden Werte bis 110 km/h erreicht, den höchsten Wert registrierte die Station Les Diablerets mit 128 km/h. Auf der Rückseite floss deutlich kältere Luft ein (Bild 2). Die Schneefallgrenze sank auf Grund der anhaltenden Niederschläge und damit verbundener Niederschlagsabkühlung am Alpennordhang und im Wallis zum Teil bis 600 Meter ab.

 

Böenspitzen vom Donnerstag, 1. März 2007

Bild 3: Böenspitzen vom Donnerstag 1. März 2007.

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Im Einflussbereich der Frontalzone traten nebst hohen Windgeschwindigkeiten auch intensive Niederschläge auf. Das Schwergewicht der Niederschläge lag auf Grund der westlichen Anströmungsrichtung und der zonalen Orientierung der Front in den Walliser, Waadtländer, Freiburger und Berner Alpen, wie aus Bild 4 ersichtlich ist. Die Niederschlagsmengen, abgeschätzt aus Messungen der drei Radarstationen La Dôle, Albis und Monte Lema, lagen in diesen Regionen in der Grössenordnung 20 bis 50 Liter pro Quadratmeter, was durch Messwerte der Bodenstationen bestätigt wird (Unsicherheiten der aus Radardaten geschätzten Mengen bestehen vor allem in den inneren Alpentälern auf Grund der Abschattung durch Gebirgsketten.) Die Schneefallgrenze sank auf Grund der anhaltenden Niederschläge und damit verbundener Niederschlagsabkühlung am Alpennordhang und im Wallis örtlich bis gegen 600 Meter ab.

 

Niederschlagssummen vom 1. März 2007, aus Radardaten abgeleitet.

Bild 4: Niederschlagssummen vom 1. März 2007, aus Radarmessungen abgeleitet (Skala: mm/24h)

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Dank Zwischenhocheinfluss besserte das Wetter am Freitag 2. März rasch, die Niederschläge klangen auch am Alpennordhang aus und der Wind liess vorübergehend nach. Bereits in der Nacht auf Samstag bildete sich südwestlich von England ein weiteres Randtief, das sich in der Folge unter Abschwächung vom Ärmelkanal über Deutschland rasch weiter nach Südpolen verlagerte. Das zugehörige Frontensystem überquerte die Schweiz in der ersten Tageshälfte vom Samstag 3. März. Am Nachmittag bildeten sich in der labil geschichteten Luft auf der Rückseite der Front Schauerzellen, die im Flachland erneut Böenspitzen um 90 km/h verursachten. Eine Animation der Schauerzellen, überlagert mit Bewölkung und Blitzdaten ist in der Spalte rechts des Textes verlinkt. Die Niederschlagsechos (grün bis violette Farbflächen) zeigen die rasche Fortbewegung der Schauerzellen. Im östlichen Mittelland sind im dargestellten Zeitraum auch Blitze registriert worden, was ein Indiz für kräftige Vertikalbewegungen und damit auch für ein gutes Heruntermischen des starken Höhenwindes bis zum Boden ist. Eine Übersicht über die Böenspitzen am Samstag 3. März , verursacht durch das letzte Sturmtief in der betrachteten Episode, ist in Bild 5 gezeigt. In der Nacht auf Sonntag baute sich über Mitteleuropa ein Hoch auf und beendete vorerst das wechselhafte Westwindwetter.

 

Böenspitzen vom Samstag 3. März 2007

Bild 5: Böenspitzen vom Samstag 3. März 2007.

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Satellitenbild von Sturmtief

Bild 9: Satellitenbild von Sturmtief "Gernot" vom Samstag 3. März 2007 um 08:15 UTC. Tiefe Bewölkung ist gelblich eingefärbt, mittelhohe und hohe Bewölkung ist erkennbar mit bläulich-weissen Farbtönen.

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Fotogalerie

Wie auf untenstehenden Bildern ersichtlich, konnten im beschriebenen Witterungsabschnitt interessante Wolkenformationen sowie Licht- und Wetterstimmungen beobachtet werden. Fotos von Mike Tscharner, Michael Kasper und Marco Stoll.

 

Bodenwetterkarte 24.2.2007 12UTC

Bodenwetterkarte 25.2.2007

Bodenwetterkarte 26.2.2007

Bodenwetterkarte 27.2.2007

Bodenwetterkarte 28.2.2007

Bodenwetterkarte 1.3.2007

Bodenwetterkarte 2.3.2007

Bodenwetterkarte 3.3.2007

Radarfilm der Schauerzellen vom Samstagmittag, 3. März 2007 (1.1MB)

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