Am 21. August gegen 19.45 h wurde vor Neuenburg eine Wasserhose (französisch: une trombe) beobachtet (siehe Fotos oben). Was sind die Bedingungen für die Bildung von Wasserhosen und was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen Wasserhosen und Tornados? Antworten dazu unten…
Günstige Bedingungen für Bildung von Wasserhosen
Wasserhosen bilden sich in unserem Land hauptsächlich zwischen Juni und Oktober. Eine der nötigen Bedingungen für die Bildung dieses Phänomens ist nämlich eine erhöhte Wassertemperatur der Seen. Diese erreicht ihr Maximum vom Sommer bis zum Herbst. Ist diese Voraussetzung einmal erfüllt, braucht es zur Bildung einer Wasserhose zwei wichtige Faktoren:
erstens eine starke Labilität der Atmosphäre in den unteren Schichten, das heisst nahe der Wasseroberfläche. Unter Labilität versteht man eine rasche Abnahme der Temperatur mit der Höhe, diese begünstigt aufsteigende Luftbewegungen. Eine solche Labilität tritt normalerweise hinter Kaltfronten auf, im sogenannten aktiven Rückseitenwetter. Das nachfolgende Bild zeigt das Vertikalprofil der Atmosphäre am 21. August um 14.00 h in Payerne (die rechte Kurve zeigt die Temperatur, die linke den Taupunkt). Die rote Fläche (rechts der Temperaturkurve) veranschaulicht die vorhandene Energie für die aufsteigende Bewegung. Man erkennt gut, dass diese Energie in den unteren Schichten der Atmosphäre bedeutend ist.
zweitens ist eine wirbelförmige Bewegung (horizontal oder vertikal) nötig: nahe der Wasseroberfläche, und zwar im lokalen Masssstab. Diese wirbelförmige Bewegung trifft mit der aufsteigenden Luftbewegung zusammen und kann im Zusammenspiel der beiden Bewegungen zur Bildung einer Wasserhose führen. Tatsächlich zeigt das nachfolgende Bild eine sehr deutliche Konvergenz im Moment der Bildung zwischen der Süd- bis Südwestströmung im Mittelland und dem Joran (Nordwestwind), der in die Region Neuenburg vorstösst. Die Labilität war zu diesem Zeitpunkt (gegen 19.45 h) offensichtlich ebenfalls gut, indem sie nämlich auch zur Bildung eines Gewitters geführt hat.
Konvergente Bodenwinde in der Region Neuenburg am 21. August 2007 um 19.50 Uhr (die blauen Pfeile zeigen auf die Richtung und die Böen (km/h) für Payerne und Neuenburg.
Was sind die Unterschiede zwischen Wasserhosen und Tornados?
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Wasserhosen und Tornados ist (neben der umgesetzten Energie) ihre räumliche Ausdehnung. Während Wasserhosen sehr lokale Phänomene (im Massstab eines Kilometers) und eng abhängig sind von speziellen Bedingungen an einem bestimmten Ort, sind Tornados an grossräumigere gewittrige Phänomene gebunden (im Massstab von 10 bis 50 km).
Anderseits entstehen Wasserhosen in einer „relativ“ ruhigen Umgebung, die nötig ist um lokale Bewegungen zu ermöglichen und zu erhalten, und es genügt eine Labilität in den unteren Luftschichten. Die Tornados entwickeln sich dagegen in einer sehr dynamischen Umgebung, die eine Labilität vom Boden bis über 10 km Höhe ins Spiel bringt (das heisst deutlich markantere aufsteigende Luftbewegungen als bei der Wasserhose) und die das Vorhandensein einer Jet-Strömung benötigt, welche Aufsteigen im grossen Massstab begünstigt. Folglich sind Tornados unabhängiger von ihrer aktuellen Umgebung und entwickeln sich beispielsweise ebenso gut über festem Boden wie über Seen. Zudem sind sie „langlebiger“. Die maximale Lebensdauer einer Wasserhose beträgt 5 bis 15 Minuten, während ein Tornado in einer günstigen Situation bis zu einer Stunde andauern kann (zum Beispiel in den USA).
Schliesslich sind Tornados mehrfach stärker als Wasserhosen. Während in einer Wasserhose maximale Windspitzen von etwa 100 km/h auftreten, können sie in Tornados bis etwa 400 km/h erreichen. Dementsprechend sind die von einer Wasserhose verusachten Schäden meist unbedeutend (Kentern eines kleinen Schiffes, Schäden an kleinem Mobiliar), während Schäden eines Tornados bedeutend sein können (umgeworfene Fahrzeuge, zerstörte Häuser, Schäden an der Infrastruktur usw.).
Links zu ähnlichen Fällen
Tornado über dem Genfersee am 18. Juli 2005
Wasserhose über dem Genfersee am 3. August 2006
Wasserhosen über dem Bodensee am 4. August 2006



