Aus der Klimatologie der Schweiz verschwunden
Figur 1: Verlauf der durchschnittlichen Tagesmaximum-Temperatur im Monat Juni in der Periode der automatischen Messungen 1981-2007, analysiert für die Messreihe Davos.
Klassische Schafskälte nur in der Vergangenheit nachweisbar
Figur 2: Verlauf der durchschnittlichen Tagesmaximum-Temperatur im Monat Juni in der Periode 1901-1950, analysiert für die Messreihe Davos.
Auch wenn die Schafskälte als Witterungsregelfall unter dem heutigen Klimaregime nicht mehr erkennbar ist, schliesst dies nicht aus, dass das Phänomen in seiner ganz typischen Ausprägung nach wie vor hin und wieder auftreten kann. Typisch bedeutet dabei, dass dem markanten Temperatureinbruch zur Monatsmitte eine mehrtägige Periode mit frühsommerlichen Bedingungen vorausgeht, und anschliessend die Temperaturen schnell wieder auf das frühsommerliche Niveau ansteigen.
Ein ausführlicher Bericht zur Schafskälte ist zu finden unter:
Die Schafskälte im Juni - eine verschwundene Singularität
Der Bericht als pdf:
Zur Herkunft des Namens
Die Herkunft des Begriffs "Schafskälte" wird je nach Quelle unterschiedlich erklärt. In der deutschen Literatur wird der Begriff vielfach darauf zurückgeführt, dass die nasskalte Witterungsphase im Juni den frisch geschorenen Schafen übel mitspielen kann (Scherhag, Lauer, 1982; Schirmer, 1987). In den Schweizer Alpen erfolgt die Schafsschur jedoch bereits im April. Bis im Juni ist dann wieder genügend wärmender Schafspelz nachgewachsen. Vom 15. bis 20. Juni findet jedoch der Alpauftrieb der Schafe statt. Oft kommt es dann eben vor, dass der Beginn der Alpsömmerung der Schafe mit nasskalten Bedingungen zusammenfällt, was zum Begriff "Schafskälte" geführt hat (mündliche Mitteilung durch Herrn Alexander Dönz, Chur, Juni 2009).
Scherhag R., W. Lauer, 1982: Klimatologie. Das Geographische Seminar. Westermann Verlag, Braunschweig.
Schirmer H., 1987: Meyers kleines Lexikon Meteorologie. Meyers Lexikonverlag. Mannheim, Wien, Zürich.
