MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

19. Juni 2009 / Stephan Bader

 

Zum Thema Schafskälte

 

Gemäss Überlieferung ist die Schafskälte ein sehr häufig Mitte Juni auftretender Kaltlufteinbruch aus Nordwesten, der von unbeständigem, regnerischem Wetter begleitet wird und einen markanten Temperaturrückgang verursacht. Mit dem klaren Hinweis auf das Auftreten zu einer bestimmten Zeit des Monats ist auch gleich festgehalten, dass nicht jede nasskalte Phase im Juni als Schafskälte bezeichnet werden darf.

 

Aus der Klimatologie der Schweiz verschwunden

Im Alpenland Schweiz können Kaltlufteinbrüche im Juni vor allem in höheren Lagen mit einem empfindlichen Temperaturrückgang, oft sogar bis auf ein winterliches Niveau verbunden sind. Nun zeigt sich jedoch, dass in den letzten Jahrzehnten der durchschnittliche sommerliche Temperaturanstieg im Juni charakterisiert ist durch sehr regelmässig über den Monat verteilte Temperatureinbrüche von ähnlichem Ausmass (Fig. 1). Eine dominante Abweichung zur Monatsmitte ist nicht nachweisbar. Das bedeutet, dass die Schafskälte als mehr oder weniger regelmässig um Mitte Juni auftretende Phase mit ausgeprägt kühlen Temperaturen in den letzten Jahrzehnten nicht zu erkennen ist.

 

Temperaturverlauf Monat Juni, Davos, 1981-2007

Figur 1: Verlauf der durchschnittlichen Tagesmaximum-Temperatur im Monat Juni in der Periode der automatischen Messungen 1981-2007, analysiert für die Messreihe Davos.

Klassische Schafskälte nur in der Vergangenheit nachweisbar

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Schafskälte hingegen ein recht regelmässig auftretendes Phänomen. Der durchschnittliche Verlauf der Tagesmaximum-Temperatur in der Periode 1901-1950 weist für den 13., 14. und 15. Juni einen markanten Temperaturrückgang auf (Fig. 2).

 

Temperaturverlauf Juni 1901-1950, Davos

Figur 2: Verlauf der durchschnittlichen Tagesmaximum-Temperatur im Monat Juni in der Periode 1901-1950, analysiert für die Messreihe Davos.

Auch wenn die Schafskälte als Witterungsregelfall unter dem heutigen Klimaregime nicht mehr erkennbar ist, schliesst dies nicht aus, dass das Phänomen in seiner ganz typischen Ausprägung nach wie vor hin und wieder auftreten kann. Typisch bedeutet dabei, dass dem markanten Temperatureinbruch zur Monatsmitte eine mehrtägige Periode mit frühsommerlichen Bedingungen vorausgeht, und anschliessend die Temperaturen schnell wieder auf das frühsommerliche Niveau ansteigen.

Ein ausführlicher Bericht zur Schafskälte ist zu finden unter:
Die Schafskälte im Juni - eine verschwundene Singularität

 

Der Bericht als pdf:

Schafskaelte.pdf, 47 KB

 

Zur Herkunft des Namens

Die Herkunft des Begriffs "Schafskälte" wird je nach Quelle unterschiedlich erklärt. In der deutschen Literatur wird der Begriff vielfach darauf zurückgeführt, dass die nasskalte Witterungsphase im Juni den frisch geschorenen Schafen übel mitspielen kann (Scherhag, Lauer, 1982; Schirmer, 1987). In den Schweizer Alpen erfolgt die Schafsschur jedoch bereits im April. Bis im Juni ist dann wieder genügend wärmender Schafspelz nachgewachsen. Vom 15. bis 20. Juni findet jedoch der Alpauftrieb der Schafe statt. Oft kommt es dann eben vor, dass der Beginn der Alpsömmerung der Schafe mit nasskalten Bedingungen zusammenfällt, was zum Begriff "Schafskälte" geführt hat (mündliche Mitteilung durch Herrn Alexander Dönz, Chur, Juni 2009).

 

 

Scherhag R., W. Lauer, 1982: Klimatologie. Das Geographische Seminar. Westermann Verlag, Braunschweig.

Schirmer H., 1987: Meyers kleines Lexikon Meteorologie. Meyers Lexikonverlag. Mannheim, Wien, Zürich.

 

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