MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

23. April 2007 / Marco Stoll, Daniel Gerstgrasser, Stephan Bader, Thomas Schlegel

 

Sehr warme und trockene Apriltage (Update 23.4.)

 

Das anhaltend schöne Wetter im  April 2007 führte bisher zu deutlich übernormalen Temperaturen und trockenen Verhältnissen (aktuell herrscht in weiten Teilen der Schweiz Waldbrandgefahr Gefahren). Bild 1 zeigt zusammenfassend die mittlere Lufttemperatur bis zum 22. April und deren Abweichung von der klimatologischen Norm: letztere liegt schweizweit in der Grössenordnung von rund 4 bis 7 Grad. Nach wechselhafter Witterung mit Schauern und ersten Gewittern zu Beginn des Monats stellte sich ab dem 5. April eine Phase hochdruckbestimmten Wetters ein. Über die Osterfeiertage lag der Kern des wetterbestimmenden Hochs bei den Britischen Inseln (siehe Box in der rechten Spalte). Die Schweiz befand sich an seinem Rand in einer schwachen Nordostströmung und profitierte vor allem am Karfreitag von schönem Wetter.

 

Mittlere Lufttemperatur bis 22. April und Abweichungen von der Norm.

Bild 1: Mittlere Lufttemperatur bis 22. April und Abweichungen von der klimatologischen Norm.

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Am Karsamstag, 7. April schwächte sich das Hoch vorübergehend etwas ab und etwas kältere und feuchtere Luft floss zur Alpennordseite ein. Im Tagesverlauf bildeten sich einige Schauerzellen im westlichen Jura, im Berner Oberland und in der Bodenseeregion. Die Restbewölkung dieser schwachen Störung bedeckte am Ostersonntag als hartnäckige Hochnebeldecke Teile der Alpennordseite (Bild 2), die sich erst im Laufe des frühen Nachmittags auflöste.

 

Aufnahme vom polarumlaufenden Satelliten NOAA17 vom Ostersonntag, 8. April 2007 um 10 UTC

Bild 2: Aufnahme vom polarumlaufenden Satelliten NOAA17 vom Ostersonntag, 8. April 2007 um 10 UTC. Tiefe Bewölkung wird in kräftigem weiss dargestellt.

Quelle: Gruppe für Fernerkundung, Universität Berngross.jpg, 3.0 MB

Ab Ostermontag weitete das Hoch seinen wetterbestimmenden Einfluss bis zum Kontinent aus und sorgte in der ganzen Schweiz für vorwiegend sonniges Wetter. Als Folge der weiteren Verlagerung des Hochs zum Ostseeraum und der Tiefdruckaktivität (siehe Box in der rechten Spalte) im westlichen Mittelmeerraum setzte am Donnerstag, 12. April leichter Stau am Alpensüdhang ein, während in den nördlichen Alpentälern Föhn aufkam. So wurden bspw. in Vaduz und Altdorf jeweils nachts vom 12. bis 14. April Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad gemessen, während die Luftfeuchte die typisch niedrigen Werte zwischen 20 und 40% aufwies (Bilder 3 und 4). Auch im Flachland der Alpennordseite stieg die Temperatur von Tag zu Tag an und erreichte am Freitag, 13. April vielerorts die 25-Grad-Marke.

 

Fortdauer der stabilen Wetterlage

Auch in der Woche vom 16. bis 22. April dauerte das stabile Hochdruckwetter an. Einzig auf Mittwoch, den 18. April fielen im Bereich einer sehr schwachen Kaltfront in der Nordostschweiz vereinzelt ein paar Regentropfen. Dahinter verstärkte sich der Hochdruckeinfluss erneut, allerdings floss mit Bise zunächst recht kühle und trockene Luft zur Alpennordseite. Diese sorgte bis Sonntag in den sehr klaren Nächten jeweils für leichten Bodenfrost , vor allem in Muldenlagen des Mittellands.

 

Temperaturverlauf in Zürich, Vaduz und Altdorf vom 10. bis 15. April

Bild 3: Temperaturverlauf in Zürich, Vaduz und Altdorf vom 10. bis 22. April 2007

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Verlauf der relativen Feuchte in Zürich, Vaduz und

Bild 4: Verlauf der relativen Feuchte in Zürich, Vaduz und Altdorf vom 10. bis 22. April 2007

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Die Schneebedeckung in den Alpen ging während dieser warmen Periode deutlich zurück. So schmolz in Ulrichen im Obergoms der Schnee bis Mitte Monat gänzlich weg, auf der Grimsel verringerte sich die Schneehöhe von knapp 2 m am 5. April auf 93 cm am 22.  April (siehe Tabelle unten).

 

Abnahme der Schneehöhen in den Alpen

SchneehöheUlrichenGrimsel-HospizWeissfluhjoch
5. April34192165
10. April15167157
15. April0138139
22. April0 93113
Im Oberengadin tauten indes die Seen und in Höhenlagen unterhalb 2000m verblieben am sonnenbeschienenen Südhang der Corviglia einzig die mit technischen Hilfsmittel bewirtschafteten Skipisten schneebedeckt. Bild 5 zeigt die noch vereisten Eisflächen des Silsersees (linke Bildhälfte, neben der Fahnenstange) und des Lej da Champfèr (rechte Bildhälfte) bei Silvaplana am 5. April, während die Seen in der Aufnahme vom 15. April eisfrei erscheinen (Bild 6).

 

Kameraaufnahme von Murtel (Corvatsch), Blickrichtung Nord, vom 5. April 2007

Bild 5: Kameraaufnahme von Murtel (Corvatsch), Blickrichtung Nord über das Oberengadin zum Julierpass, vom 5. April 2007

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Kameraaufnahme von der Corviglia vom 15. April 2007

Bild 6: Kameraaufnahme von der Corviglia vom 15. April 2007

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Erste klimatologische Bilanz

Einzelne sehr warme Apriltage sind grundsätzlich nichts Aussergewöhnliches. Der diesjährige April brachte jedoch bisher eine ganze Reihe Tage mit hohen und sehr hohen Temperaturen. Solche Verhältnisse, welche eher an den Sommer als an die sonst klassische wechselhafte Aprilwitterung erinnern, sind hingegen vor allem in der ersten Aprilhälfte selten.

Ganz extreme April-Wärmeperioden mit anhaltender Wirkung im Flachland der Alpennordseite zeigen zum Beispiel die Jahre 1865, 1949, und 1952. Eine sehr warme erste Aprilhälfte brachten auch die Jahre 1961 und 1981, wobei aber in diesen Jahren die Temperaturen in der zweiten Monatshälfte stark zurückgingen.

 

Tagesmitteltemperatur in Basel verglichen mit 1952, 1949 und 1865

Bild 7: Tagesmitteltemperatur in Basel für den Monat April in den Jahren 1865, 1949 und 1952 (blaue Farben) im Vergleich mit den aktuellen Werten (rot). Die Auswertung beruht auf homogenen Werten.

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Vor allem in der ersten Aprilhälfte verharrten auch die Tagesmaximum-Temperaturen über längere Zeit auf aussergewöhnlich hohem Niveau. Im Flachland der Alpennordseite wurden verbreitet die ersten Sommertage (Tagesmaximum 25 Grad oder höher) registriert. Für die erste Aprilhälfte stellten sich an einigen der heutigen Messstandorten die höchsten je hier erfassten Maximum-Temperaturen ein, so zum Beispiel in Sion (26.9 Grad), Glarus (25.4 Grad), Genf (25.3 Grad), Davos (18.8 Grad). Allerdings ist zu beachten, dass die Messstandorte im Laufe oft eine Lageveränderung erfahren haben. So wanderte der Messstandort Genf von der Innenstadt zum Flughafen. Deshalb sind in solchen Fällen die heutigen Maxima-Werte mit den früheren nur bedingt vergleichbar. So stiegen die Maximum-Temperaturen in der Genfer Innenstadt am 15. April 1904 auf den Wert von 27.5 Grad, und am 17. April 1934 auf 27.3 Grad. Dies gilt auch für den Vergleich der Maximum-Temperaturen von Basel in der folgenden Abbildung.

 

Tagesmaximum-Temperatur in Basel verglichen mit 1952 und 1949

Bild 8: Tages-Maximumtemperatur in Basel für den Monat April in den Jahren 1865, 1949 und 1952 (blaue Farben) im Vergleich mit den aktuellen Werten (rot).

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Trockenheit

Neben der Wärme ist auch die Trockenheit im laufenden April ausserordentlich. Bis zum 23. April wurden an recht vielen Stationen der Schweiz die bisher geringsten Niederschlagsmengen seit Messbeginn registriert. Dementsprechend wurden auch bereits an einigen Stationen unseres Landes - insbesondere am Alpennordrand - die seit Messbeginn längsten je beobachteten Trockenperioden im Frühling erfasst. Weitere ausführlichere Informationen über den aussergewöhnlichen April sind an dieser Stelle für den Donnerstagnachmittag oder Abend, den 26. April geplant.

 

Waldbrandgefahr

Waldbrandgefahr

Wetterlage am Karfreitag, 6. April 2007

Wetterlage am Freitag 13. April 2007

Phänologisches Bulletin

Ausführliche Bilanz des April 2007

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