Die Schweiz erlebte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, 27. August 2010 eine sehr warme Nacht (s. Abbildung 1). Am Donnerstag war es in der ganzen Schweiz unter leichtem Hochdruckeinfluss meist sonnig. Gleichzeitig floss von Spanien und Südfrankreich her sehr warme Luft gegen unser Land (s. Abbildung 2). Deshalb wurden am Nachmittag in den Niederungen verbreitet Höchstwerte zwischen 28 und 32 Grad gemessen. Aber auch in den Bergen war es sehr warm.
Abbildung 1: Höchsttemperatur während der Nacht auf den 27. August 2010 zwischen 21 und 8 Uhr.
gross.png, 76 KBAbbildung 2: Herkunft der am Donnerstag um 00 Uhr UTC über der Nordschweiz liegenden sehr warmen Luftmasse (Trajektorie) für verschiedene Höhenlagen. Startzeitpunkt der Berechnung 24. August 2010 um 00 Uhr UTC. Quelle: National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA).
gross.gif, 43 KBIn der Nacht auf Freitag, den 27. August 2010 dauerte - auf der Vorderseite einer sich von Westeuropa her nähernden Tiefdruckzone mit eingelagerter Kaltfront - die Zufuhr sehr warmer Luft anfangs noch an. Gleichzeitig nahmen die südwestlichen Höhenwinde deutlich zu. Auf der Vorderseite der erwähnten Kaltfront verstärkten sich die Luftdruckgradienten auch am Boden. So konnte sich der Südwestwind auch im Flachland durchsetzen, und zwar vor allem am Juranordfuss. Dadurch wurde die warme Luft in der Höhe nahezu trockenadiabatisch bis in die Niederungen hinuntergemischt (s. Abbildung 3). Bei trockenadiabatischer Erwärmung steigt die Temperatur ähnlich wie beim Föhn um etwa 1 Grad pro 100 Meter Höhendifferenz. Speziell in diesem Fall ist, dass die Höchsttemperatur in Basel mit 29,3 Grad noch etwas weiter stieg als in Altdorf und Vaduz mit Föhn: 28,4 bzw. 28,9 Grad. Erst mit dem Nachlassen der Winde und später mit der nachfolgenden Kaltfront gingen die Temperaturen wieder allmählich zurück (s. Abbildung 4).
Abbildung 3: Ballonsondierung von Payerne vom 27. August 2010 um 00 Uhr UTC. Die rote Linie stellt die Trockenadiabate dar, längs welcher die warme Höhenluft mit auffrischendem Wind bis in die Niederungen hinuntergemischt wurde.
gross.png, 124 KBAbbildung 4: Verlauf der Messwerte an der Station Basel-Binningen in der Nacht auf den 27. August 2010. Schön zu sehen ist wie mit auffrischendem Wind die Temperatur zwischen 22 und 23 Uhr UTC deutlich anstieg.
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