21. Januar 2008 / Andreas Hostettler
Nach einer Serie von normal bis zu kühl temperierter Monate im zweiten Halbjahr 2007, war der Januar 2008 bisher verbreitet deutlich zu mild. Ein vorläufiger Höhepunkt der milden Witterung wurde am dritten Januarwochenende (19./20.1.08) registriert.
Nachdem es am Mittwoch, 16. Januar 2008 auf der Alpennordseite erneut zu einer ausgeprägten Föhnlage und auf der Alpensüdseite zu Schneefällen bis in tiefe Lagen kam, drehte die grossräumige Strömung über Europa auf West. Eine aussergewöhnlich starke atlantische Hochdruckzelle dehnte sich zunehmend gegen Mitteleuropa aus. Sie steuerte sehr milde Luftmassen aus dem Gebiet der Kanarischen Inseln (Bild 1) gegen Norden, welche um das Hoch herum mit den kräftigen Westwinden gegen den Kontinent verfrachtet wurden. (Bilder 2 und 3).
(Bild 1) Trajektorienberechnung aus dem Europäischen Wettermodell. Startpunkt der Rückwärtstrajektorienberechnung: Zürich, Sonntag, 20.01.08, 02 UTC. Dargestellt ist der zeitliche und örtliche Verlauf der Luftpakete in verschiedenen Niveaus. Endpunkt der Berechnung: Kanarische Inseln, Mittwoch, 16.01.08, 02 UTC
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(Bild 2) Analyse vom Samstag, 19. Januar 2008, 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit
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(Bild 3) Meteosat 9 Luftmassenbild vom Samstag, 19. Januar 2008, 07 Uhr (Blaurote Färbung kalte Luftmassen / Grünlichgelbe Färbung warme Luftmassen)
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Eingebettet in der Westströmung erreichte in den Abendstunden des Freitags, 18.1.08 eine Warmfront den Alpenraum. Sie brachte zwar nur wenig Niederschlag, dafür aber ausgedehnte Bewölkung. Zusätzlich wehte ein mässiger Westwind. Diese Kombination von Wind und Wolken verhinderte in weiten Teilen des Mittellandes die Abstrahlung, respektive Abkühlung der bodennahen Luftschichten. Dementsprechend war es am Samstagmorgen in der Nord- und Ostschweiz ausgesprochen mild. In Basel-Binningen wurde eine Tiefsttemperatur von 10.9°C gemessen, was im Januar für diese Station nur rund alle zehn Jahre erwartet werden kann.
Trotz der verbreitet vielen Wolken im Mittelland und in Teilen der Alpen sorgte der weiterhin zügige Westwind für eine gute Durchmischung der Luftmassen. So stiegen die Höchsttemperaturen im Mittelland auf Werte zwischen 11 und 14 Grad. Am wärmsten war es mit 14.1°C in Altenrhein am Bodensee. (Bild 4)
Auf Sonntag, 20. Januar 2008 erreichte das Hoch seine maximale Stärke im Alpenraum. Durch die kräftige Subsidenz und ein weiteres Absinken der Inversion (welche bis zum Sonntagmorgen weiter für hartnäckige Wolkenfelder über der Nord- und Ostschweiz sorgte) wurden nun die höchsten Temperaturen in mittleren Höhenlagen gemessen. Am wärmsten war es mit je 12.7°C in Adelboden, 1320 m.ü.M sowie im Tessin an der Wetterstation am Monte Generoso auf 1608 m.ü.M. Im Flachland lagen die Höchstwerte im Vergleich zum Samstag rund 2 Grad tiefer, dies aufgrund der fehlenden Durchmischung durch den inzwischen abgeflauten Westwind. (Bild 5).
Nach diesem frühlingshaft anmutenden Wochenende stellt sich natürlich die Frage nach Temperaturrekordwerten. Wenn man in den Wetterannalen zurückblättert, stösst man jedoch relativ oft auf ähnlich hohe oder sogar noch deutlich höhere Temperaturabweichungen im Januar. Gerade im Januar 2007 wurden vielerorts aussergewöhnlich hohe Temperaturen gemessen: am 19. Januar 2007 wurden im Mittelland verbreitet 13 bis 15°C gemessen. Mit Westföhn in den Alpentälern sogar bis 18°C. Extrem waren die Höchsttemperaturen jedoch im Tessin: Mit Nordwind stiegen dort die Temperaturen auf sommerlich anmutende 24°C!
Starker Weststurm und sehr hohe Temperaturen.
Bildergalerie:
Trotz dem starken Hochdruckeinfluss war der Himmel über der Schweiz nicht einfach nur blau, sondern es zogen in unterschiedlichen Niveaus immer wieder Wolken durch. Auf dem Webcamnetz der MeteoSchweiz konnten so interessante Stimmungsbilder festgehalten werden: (webcamstandort mit Maus über das Bild fahren)