MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

02. Februar 2009 / Marco Gaia (deutsche Bearbeitung F. Schacher, U. Sutter, aho)

 

Erneut Schneefälle bis in tiefe Lagen im Tessin

 

Seit Montag, 2. Februar 2009 ist die Alpensüdseite erneut bis in tiefe Lagen eingeschneit. In diesem Winter ist es bereits das fünfte Mal, dass es im Tessin bis in tiefste Lagen zur Ausbildung einer mehreren Zentimeter dicken Schneedecke kam.

 

Am Dienstag Morgen, 3. Februar 2009 wurde diesen Winter bereits der 16. Tag mit Neuschnee in Locarno Monti registriert. Der Wetterbeobachter des Observatoriums hatte um 7 Uhr eine 24-stündige Neuschneehöhe von 12 und eine Totalschneehöhe von 13 cm gemessen. 

 

Der bisherige Winter war im Tessin aussergewöhnlich schneereich. Normalerweise werden während des Winters in Locarno Monti nur 9 Tage mit Schnee auf dem Messfeld verzeichnet.  Die Aufzeichnungen der Schneehöhe gehen an diesem Standort bis ins Jahr 1935 zurück. Es zeigt sich, dass bis anhin erst in 3 Wintern die bis jetzt registrierten Tage mit Neuschnee übertroffen wurden. Es sind dies der Winter 1946/47 mit 17 Tagen, jener von 1959/60 ebenfalls mit 17 Tagen und der Rekordwinter von 1985/86 mit 19 Tagen.

 

Anzahl Tage mit Neuschnee in Locarno Monti 1936-2009

Zahl der Wintertage an denen am Morgen (7 Uhr) an der Beobachtungsstation Locarno Monti Neuschnee gemessen wurde (Winter 2008/2009 bis zum 2. Feb. nachgeführt).

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Die Anzahl der Tage mit Neuschnee ist allerdings nur ein Kriterium um zu beurteilen, ob ein Winter schneereich war. Ein anderes Kriterium ist beispielsweise die Summe der gemessenen Neuschneemengen. Aus dieser Sicht ist der aktuelle Winter mit bis jetzt 97 cm zwar über dem Mittel von 62 cm, aber noch weit von den Rekordmengen weg. So waren die Schneefälle diesen Winter wohl häufig, aber über alles gesehen nicht sehr ergiebig. In der Statistik nimmt dieser Wert den 13. Platz ein. Die Spitze hält der Winter 1977/78 mit einem Neuschneetotal von 242 cm.

 

Akkumulierte Neuschneemengen 1936-2009

Summe der in Locarno-Monti gemessenen Neuschneemengen (Morgenmessung. - Für den aktuellen Winter bis zum 2. Feb. nachgeführt)

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Der Wetterablauf

Die ersten Schneeflocken sind bereits am Sonntag früh im Sottoceneri gefallen. In der Folge weiteten sich die Niederschläge in Form von Schnee auf den ganzen Kanton Tessin aus. Die Intensität der Schneefälle war allerdings gering, sodass es in den tieferen Lagen nicht zu einer kompakten Schneedecke reichte.


Erst in der Nacht auf Montag wurden die Schneefälle intensiver. Zuerst wurde das obere Tessin eingeschneit, später wurde es auch in den tieferen Lagen winterlich.


Am Montagmorgen intensivierten sich die Niederschläge, sodass in weiten Teilen des Tessins, im Misox und und im Calancatal in wenigen Stunden um die 10 cm Neuschnee fielen. Auf dem Messfeld in Locarno-Monti wurde um 12 Uhr eine Schneedecke von 14 cm gemessen. Die seit der Morgenmessung dazugekommene Neuschneemenge war damit genau 10 cm.

Die Schneefälle wurden von einer Kaltluftmasse verursacht, welche in den Vortagen aus Osteuropa über die Adria und die Poebene in unsere Breiten geführt wurde. So fiel beispielsweise auf der 1672 Meter hoch gelegenen Station Cimetta die Temperatur von +2 auf -6 Grad, also um volle 8 Grad in 48 Stunden. In der Folge hatte die Kaltluft die ganze Poebene und auch das Tessin erfasst und so schlussendlich die Voraussetzungen für die Schneelage geschaffen.

 Gleichzeitig wurde im Vorfeld eines Tiefdruckwirbels über der Iberischen Halbinsel mit südlichen Höhenwinden feuchte Mittelmeerluft zum Alpensüdhang geführt. Es entstand eine klassische Südstaulage. Mit der durch die Hebungseffekte verstärkten Niederschlagsaktivität kam es einmal mehr zum Effekt der Niederschlagsabkühlung.  Da die Luftmasse bei dieser Wetterlage im Tessin kaum durchmischt wird, fallen dabei die Niederschläge bis in tiefste Lagen in Form von Schnee, und somit deutlich tiefer, als von der Luftmasse her zu erwarten wäre.
Erst mit der weiteren Zufuhr noch milderer Luftmassen aus dem Mittelmeerraum wurde die Kaltluft in den unteren Luftschichten nach und nach "wegerodiert" und somit stieg die Schneefallgrenze im Laufe des Nachmittags zuerst im Sottoceneri und aufgrund der speziellen Topographie deutlich verzögert, auch im Sopraceneri deutlich an.

 

Wetterübersicht vom Montag, 2.2.09, 13 Uhr

Wetterüberrsicht Montag, 2. Februar 2009, 13 Uhr (Met9-Satellitenbild, Isobaren, Wetter-meldungen, Tempertur/Taupunkt, Bodenwinde)

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Schneehöhen 3. Februar 2009

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