MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

09. Dezember 2008 / Andreas Hostettler

 

Erneuter Wintereinbruch mit Schnee bis ins Flachland

 

Update vom Donnerstag, 11. Dezember 2008, 15 Uhr

 

Vom Mittwoch, 10. bis Freitag, 12. Dezember 2008 erwartet MeteoSchweiz einen markanten Wintereinbruch in weiten Teilen der Schweiz.


Ausgehend von einem Tief über Norwegen stösst hochreichende Kaltluft gegen die Iberische Halbinsel und das westliche Mittelmeer vor. Damit verbunden bildet sich am Dienstagnachmittag eine Luftmassengrenze (Front) mit Achse Golf du Lyon-Elsass. (Bild 1). Im Laufe des Abends setzen die Niederschläge vom Jura her ein und breiten sich in der Nacht auf Mittwoch auf die meisten Gebiete unseres Landes aus.

 

Bild 1: Wetteranalyse vom Dienstag, 09.12.08, 13 Uhr

Bild 1: Wetteranalyse vom Dienstag, 09.12.08, 13 Uhr (500 hPa Geopotential, Wetterbeobachtungen und Euro-Radar)

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Auf der Vorderseite des langgezogenen Höhentiefs fliesst bis Freitag, 12. Dezember 2008 feuchte Mittelmeerluft über die Alpen. Sie gleitet sowohl nördlich wie auch südlich der Alpen auf die bodennahe Kaltluft auf und sorgt im besagten Zeitraum für oft anhaltende Schneefälle bis in die Niederungen.

Ein Muster übrigens, welches in den letzten Monaten wiederholt für Starkniederschläge im Alpenraum und für Schneefälle bis in die tiefsten Lagen des Tessins sorgte. Auffallend bei der erwarteten Lage ist die sehr langsame Verlagerung der Hauptwetterzentren in unserem Umfeld. (Bilder 2 bis 4)

 

Bild 2: Numerische Vorhersage Mittwoch, 10.12.08, 13 Uhr (500 hPa Geopotential, 850 hPa Geopotential, 700 hPa relative Feuchte)

Bild 2: Numerische Vorhersage Mittwoch, 10.12.08, 13 Uhr

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Bild 3: Numerische Vorhersage Donnerstag, 11.12.08, 13 Uhr (500 hPa Geopotential, 850 hPa Geopotential, 700 hPa relative Feuchte)

Bild 3: Numerische Vorhersage Donnerstag, 11.12.08, 13 Uhr

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Numerische Vorhersage Freitag, 12.12.08, 13 Uhr (500 hPa Geopotential, 850 hPa Geopotential, 700 hPa relative Feuchte)

Bild 4: Numerische Vorhersage Freitag, 12.12.08, 13 Uhr

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Erst am Freitag scheint sich ein Teil der Höhenkaltluft über Sardinien abzuspalten, sodass die anhaltende südliche Höhenströmung abbricht und die Schneefälle allgemein nachlassen.

Bis Mittwochabend erwartet MeteoSchweiz verbreitet 10 bis 20 cm Schnee. In einer ersten Phase (bis ungefähr Dienstagmitternacht) ist in tiefsten Lagen auch Regen möglich. Auch am Donnerstag und am Freitag werden weitere Schneefälle erwartet. In dieser Periode ist mit weiteren 10 bis 20 cm zu rechnen. Allerdings bestehen über die Niederschlagsmengen noch erhebliche Unsicherheiten. Nach einigen Unterlagen könnten die Schneefälle sogar deutlich ergiebiger ausfallen!

 

Aktuelle Informationen dazu finden sie in unseren Wetterwarnungen.

Auch in den Bergen fallen während der ganzen Periode markante Schneemengen. Die erwarteten Neuschneemengen liegen dabei meist zwischen 30 und 50 cm, auf der Alpensüdseite sowie in den alpenkammnahen Gebieten der Zentralschweiz und Graubündens zwischen 50 und 100 cm.

 

Winterszene aus der Stadt Zürich vom 5. März 2006 (Photo: D. Gerstgrasser)

Bild 5: Weisser Advent im Flachland? Die Chancen dafür sind in den nächsten Tagen gut.

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Situation vom Mittwoch, 10. Dezember 2008, 13 Uhr

Insbesondere im westlichen Mittelland konnte sich in der vergangenen Nacht mit den teilweise anhaltenden Schneefällen auch in tiefsten Lagen eine Schneedecke  ausbilden. Von der Zentral- bis zur Ostschweiz fielen die Niederschläge in tiefen Lagen bis nach Mitternacht meist in Form von Regen. Die Schneefallgrenze sank im Laufe der zweiten Nachthälfte aber auch in diesen Gebieten wieder meist bis in die Niederungen ab.

 

Bis am Donnerstagmorgen werden in leicht erhöhten Lagen des Mittellandes sowie der Nordwestschweiz weitere 5-10 cm, in Berglagen 10-20 cm und entlang des zentralen- und östlichen Alpenhauptkamms 20-40 cm Schnee erwartet. Insbesondere in der Zentral- und Ostschweiz  dürften die Neuschneesummen unterhalb von 500 bis 600 Meter, bedingt durch die immer noch positiven Temperaturen, darunter liegen.

 

Auf der Alpensüdseite wird in den Niederungen bis am Donnerstagmorgen mit zusätzlichen 15 bis 25 cm, in den Bergen um 50 cm Schnee gerechnet. In den tiefsten Lagen des Mittel- und Südtessin geht der Schnee zum Teil in Regen über.

 

Auch am Donnerstag und am Freitag halten die Schneefälle beidseits der Alpen an.

 

Situation vom Donnerstag, 11. Dezember 2008, 14 Uhr

Seit Beginn der Niederschläge am Dienstagabend sind über der Deutschschweiz Niederschlagsmengen von 10 bis 25 mm gefallen. Die daraus resultierenden Schneemengen waren jedoch regional sehr unterschiedlich.

Wie eingangs des Berichtes beschrieben, wird die momentane Wetterlage über der Schweiz durch eine sogenannte Gegenstromlage geprägt. Feuchte Mittelmeerluft in den oberen Luftschichten ist dabei auf kalte Polarluft in den unteren Luftschichten aufgeglitten. (Bild 6). Durch diesen Hebungsvorgang entwickeln sich nördlich der Alpen schubweise immer wieder Niederschlagsgebiete, namentlich über den Gebieten mit der dicksten Kaltluftschicht im westlichen Mittelland, sowie über der Nord- und Nordwestschweiz.

 

Messwertsgrafik des Windprofilers Payerne

Bild 6: Verlauf Windprofiler Payerne 10.12.08, 22 bis 11.12.08, 09 UTC. Violet: Nordostwind bis rund 3000 M.ü.M --> Kaltluft. In den oberen Luftschichten aufgleitende Südwinde.

Das Kaltluftpolster in den unteren Luftschichten war jedoch nicht überall gleich mächtig. Insbesondere entlang des zentralen und östlichen Alpennordhangs konnte sich die Kaltluft in den vergangenen 36 Stunden nur sehr zögerlich durchsetzen. So war in diesen Gebieten die Niederschlagsneigung deutlich tiefer als in weiten Teilen des Mittellandes oder der Nordwestschweiz.

 

Ein weiterer Effekt der dünneren Kaltluftschicht gegen den Alpenrand zu, manifestierte sich in der höheren Schneefallgrenze: währenddem im nur 316 Meter über Meer liegenden Basel-Binningen seit der Nacht auf Mittwoch durchwegs Schnee gefallen ist, wurde entlang der zentralen und östlichen Alpenrandseen aber auch am oberen Zürichsee bis Donnerstagmittag meist nur Regen beobachtet.

 

Nach einer kurzen Beruhigung intensivieren sich die Schneefälle heute in allen Regionen wieder, im Laufe des Freitags verlagert sich der Schwerpunkt der Niederschläge allmählich zur Ostschweiz. Bis Freitagabend sind insbesondere im Mittelland, der Nordwestschweiz sowie in der Ostschweiz noch einmal 10 bis 20 cm Neuschnee zu erwarten

 

Situation vom Freitag, 12. Dezember 2008, 16 Uhr

Da sich das Tief über dem Mittelmeer in der Nacht auf Freitag nach Osten verlagert hat, liess die Zufuhr von feuchter Luft aus Süden gegen die Alpen deutlich nach. Deshalb fiel in der Nacht auf Freitag und am Freitagvormittag nördlich der Alpen insgesamt nur noch wenig Niederschlag (1 bis 8 cm Neuschnee). Da gleichzeitig bis in eine Höhe von über 3000 Metern nördliche Winde aufkammen, wurde auch die Alpensüdseite deutlich entlastet. Dort war es am Freitagvormittag vorübergehend sehr freundlich. Am Freitagnachmittag sorgten die in der Höhe immer noch vorhandenen Südostwinde nochmals für die Zufuhr von etwas feuchterer Luft, welche nördlich der Alpen erneut auf die bodenahe Kaltluft aufglitt. Dies löste in der Ostschweiz nochmals schwache Schneefälle aus. Auch auf der Alpensüdseite fiel noch einmal etwas Niederschlag, die Schneefallgrenze lag dabei auf 1000 Metern. In der Nacht auf Samstag schächt sich das Tief ab und zieht allmählich zur Adria. Vor einem neuen Tief über dem Atlantik kommen in den Bergen im Laufe des Samstags starke Süd- bis Südwestwinde auf, welche eine Föhnlage einleiten. Die winterliche Witterungsphase mit Schneefall bis ins Flachland ist damit nördlich der Alpen zumindest vorübergehend beendet.

 

Schneehöhen vom Mittwoch, 10. Dezember 2008

Ergiebige Schneefälle im Tessin

Winterimpression vom Mittwoch Morgen im Tessin

Schneehöhen vom Donnerstag, 11. Dezember 2008

Schnee in der Region Bern

Winterimpression aus Kirchberg, BE. Photo: D. Blaser

Auch in Zürich winterlich

Winterimpression Zoo Zürich, 11.12.08

Schneehöhen vom Freitag, 12. Dezember 2008, 19 Uhr

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