MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

12. Juli 2007 / Bernd Konantz

 

Kalter und nasser Julibeginn

 

Regnerisch, wechselhaft, Schnee bis teils 1800 Meter herab … nicht das Wettergeschehen, das der Normalbürger mit dem Sommermonat Juli verbindet. Der folgende Bericht gibt einen Überblick über den bisherigen Wetterverlauf und wagt zum Schluss noch einen Ausblick auf die folgenden Tage.

 

Die Wetterlage:

In den bisherigen Julitagen konnte sich der Ausläufer des Azorenhochs nicht dauerhaft über Mitteleuropa etablieren. Vielmehr lenkten Tiefdruckgebiete, die in ihrer Mehrzahl von den Britischen Inseln nach Osteuropa zogen, wiederholt Frontensysteme zur Schweiz. Zwischen den Tiefausläufern konnte sich das „Zwischenhoch“ sprichwörtlich nur kurzzeitig im Alpenraum durchsetzen und für beständigeres Wetter sorgen.

 

Markanter Kaltlufteinbruch am 4. Juli:

An jenem 4. Juli lag die Schweiz inmitten eines kräftigen Troges über Mitteleuropa. Hinter einer ostwärts abziehenden Kaltfront wurde mit mässigen Westwinden hochreichende Polarluft herangeführt.

In den ersten Nachtstunden lag der Jetstream genau über der Schweiz:

 

Jetstream am 4. Juli

Bild 1: Ungewöhnlich für Juli, der Jet liegt über der Schweiz

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Im Laufe des Tages wanderte der Jetstream über die Alpen hinweg nach Norditalien und die Schweiz gelangte in den Einflussbereich hochreichender und zu Schauern neigender Kaltluft. Auf der Alpennordseite stellte sich wechselhaftes und zu Schauern neigendes Wetter ein, vereinzelt entwickelten sich auch kurze Gewitter. Auf der Alpensüdseite sorgte dagegen aufkommender Nordwind für ziemlich sonniges Wetter.
Die angesprochene Kaltfront führte vom Unterwallis, über die Romandie und das Berner Oberland bis ins Napfgebiet verbreitet zu Regenmengen von 50 bis 60 mm in 24 Stunden. Tagsüber brachten Schauer nochmals Niederschlagssummen bis 10 mm. Zwischendurch konnte die Sonne im Mittelland aber auch 3 bis 6 Stunden scheinen. Nordföhnbegünstigt wurden im Süden 26 Grad erreicht, im Norden erreichte die Temperatur nur um 17 Grad. Die Schneefallgrenze sank bis gegen 1800 Meter ab. Dazu wehte ein stark böiger Westwind mit Spitzenböen bis 80 km/h im Bodenseeraum. Auf den Gipfeln des Säntis und des Chasserals wurden Böenspitzen um 105 km/h registriert.

 

Lage des Troges am 4. Juli

Bild 2: zeigt die Lage des Höhentroges am 4. Juli um 14 Uhr Ortszeit. Die bläulich schattierten Flächen stellen die vom ECMWF simulierte Temperatur im 500 hPa-Niveau dar. Die Zahlenwerte geben die von Radiosonden im entsprechenden Niveau gemessenen realen Temperaturen wieder. Die schwarz ausgezogenen Linien markieren das vom ECMWF-Modell berechnete Geopotential in 500 hPa.

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Zellförmige Wolkenstrukturen

Bild 3: Über Frankreich, Deutschland und der Schweiz bilden sich in der hochreichenden Kaltluft zellförmige Wolkenstrukturen. Infolge der weit über den Alpenhauptkamm nach Süden vorstossenden hochreichenden Kaltluft entwickeln sich auch in der Lombardei einzelne Schauer und Gewitter.

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Nach wechselhaftem Wetter dehnte sich pünktlich zum ZüriFäscht ein schwaches Zwischenhoch zur Schweiz aus und das Wetter beruhigte sich am 6. Juli zunehmend. Nach recht sonnigem und mit 25 Grad wieder angenehm warmem 7. Juli verlor das Zwischenhoch zum 8. Juli bereits wieder an Einfluss. In flacher Druckverteilung bildeten sich auf der Alpennordseite wiederholt Schauer oder einzelne Gewitter.

Eine neue Kaltfront sorgte ab dem 9. Juli auf der Alpennordseite wieder für deutlich sinkende Temperaturen und es fiel zeitweise Schnee bis 1600 Meter hinab.

 

Der Juli 2007, eine vorläufige Bilanz:

 

Temperaturtagesmittel & Abweichung von der Norm

Bild 4: Temperaturtagesmittel und Abweichung von der Norm

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Bild 4 zeigt das bis 11. Juli gemessene Tagesmittel der Lufttemperatur und dessen Abweichung vom langjährigen Mittel. Auf der gesamten Alpennordseite liegen die Temperaturen 2 bis 3 Grad unter der Norm.
Dank Nordföhnunterstützung fallen die Temperaturabweichungen auf der Alpensüdseite geringer aus, in Stabio war es die ersten Julitage sogar wärmer als im langjährigen Mittel.
Im gesamten Messnetz der MeteoSchweiz wurde bislang im Monat Juli nur an zwei Stationen die 30 Grad Marke überschritten und somit ein Hitzetag registriert: Dank Föhnunterstützung stieg am 1. Juli die Temperatur in Sion auf 30.1 und in Chur sogar auf 31.5 Grad an.

 

Bisherige Sonnenscheindauer

Bild 5: Aufsummierte Sonnenscheindauer

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Die Aufsummierung der bislang registrierten Sonnenstunden ergibt eine deutliche Nord-Süd Teilung. Auf der Alpennordseite schien die Sonne im Mittel ca. 30 Stunden. Im Südtessin konnte sich Dank Nordföhn die Sonne bereits bis 82 Stunden in diesen ersten Julitagen durchsetzen.

Im langjährigen Mittel scheint aber im Monat Juli die Sonne meist zwischen 200 und 250 Stunden. Diese Zahlen belegen, dass auf der Alpennordseite sonnenscheintechnisch noch gewaltiger Nachholbedarf besteht.

 

Bisherige Niederschlagssumme

Bild 6: räumliche Verteilung des bis einschliesslich 11. Juli gefallenen Niederschlags

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Eine bessere Einordnung der Niederschlagssummen ermöglicht ein Vergleich mit dem langjährigen Niederschlagsmittel im Monat Juli. Eine Auswahl:

 

Station Norm Juli 2007 Abweichung
  [mm] [mm] [%]
Zürich-Kloten 105.7 104.2 98.6
Wädenswil 148.1 151.5 102.3
Chur 95.8 106.1 110.8
Payerne 82.6 77.1 93.3
Interlaken 127.9 131.4 102.7
Adelboden 150.4 155.2 103.2
Pully 90.8 113.2 124.7
Aigle 98.8 135.1 136.7
Genf 57.5 101.1 175.8
Sion 47.9 87.9 183.5
Stabio 112.2 62.9 56.1

 

Nach 11 von 31 Tagen ist in Kloten bzw. Wädenswil das langjährige Monatsmittel bereits knapp erreicht bzw. schon leicht überschritten.
Vom Unterwallis, über die Romandie bis zum Berner Oberland ist das langjährige Mittel teils deutlich überschritten. In diesen Regionen brachte die Kaltfront vom 4. Juli (s.o.) ca. ein Drittel bis ein Viertel des in diesem Monat bereits gefallenen Niederschlags. Schweizweiter Spitzenreiter ist Sion, wo bereits jetzt 183% des im langjährigen Mittel zu erwartenden Niederschlags gefallen ist.

 

Wetterausblick: sonnig und heiss

Von Samstag bis Montag sorgt ein Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über Norditalien in der gesamten Schweiz für sonniges Wetter. Mit einer südwestlichen Höhenströmung wird subtropische Luft nach Mitteleuropa geführt und die Temperaturen steigen deutlich an.
Am Samstag wird bereits verbreitet die 30-Gradmarke überschritten. Die Warmluftzufuhr aus Südwest hält bis Montag an, somit dürften die Temperaturen noch etwas weiter ansteigen. Es wird aber zunehmend schwülwarme Luft zu uns gelenkt und die Gewitterneigung nimmt ab Sonntagabend wieder zu.

 

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