Die vorläufige Bilanz des Niederschlags-Ereignisses vom 6. bis 10. Oktober 2011 zeigt mehrere bemerkenswerte Aspekte, die hier noch einmal kurz aufgearbeitet werden. Auf eine detaillierte Beschreibung der Wetterentwicklung wird verzichtet, diese wurde im vorangegangenen Artikel bereits beschrieben:
http://www.meteoschweiz.admin.ch/web/de/wetter/wetterereignisse/markanter_wetterwechsel0.html
Am Donnerstag dem 6. Oktober wurden die Gebiete entlang des Alpennordhangs von MeteoSchweiz vor einem markanten Ereignis mit 70 bis 120 mm Niederschlag innert drei Tagen gewarnt. Betrachtet man abschliessend die 4-Tagessumme von Donnerstag 6. Oktober bis Montag 10. Oktober (Abbildung 1) findet man an den automatischen und Beobachtungsstation am Alpennordhang örtlich sogar noch deutlich höhere Summen. Unter Berücksichtigung der Klimatologie handelt es sich hierbei um ein Ereignis, das nur etwa alle 5 bis 10 Jahre vorkommt.
Extremwertstatistik_Engelberg_4Tagessummen.pdf, 60 KB
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Abb. 1: 4-Tages Niederschlagssummen des automatischen und Beobachter-Messnetz der MeteoSchweiz vom 6. Oktober bis 10. Oktober 2011 gross.gif, 50 KB |
Abb. 2: Gemessene Neu- und Gesamtschneehöhen am Sonntagmorgen 9. Oktober 2011, 06 UTC. Beobachtungsmessnetze des WSL Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF sowie der MeteoSchwe gross.gif, 50 KB |
Abb. 4: 24-stündige Niederschlagssumme vom Sonntag 12 UTC bis Montag 12 UTC, automatisches Messnetz der MeteoSchweiz. gross.gif, 51 KB |
Mit der zwischenzeitlich eingeflossenen Kaltluft sank die Schneefallgrenze am Samstag vorübergehend unter 1000 Meter: der Augenbeobachter in Elm auf 965 m mass am Sonntagmorgen 9. Oktober 19 cm Neuschnee (siehe Abbildungen 2 und 3, sowie die Bilder hier). In Arosa fielen innert 24 Stunden 48 cm Neuschnee, ein Wert, der im Oktober bislang nur zweimal übertroffen wurde und für die erste Monatshälfte umso bemerkenswerter ist. In höheren Lagen nahm die Schneehöhe am Samstag und in der Nacht auf Sonntag verbreitet auf 50 cm bis 1 m zu, damit war die Grundlage für das nachfolgende starke Tauwetter gelegt.
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Abb. 5: Niederschlagsverlauf (Stundensummen) in Engelberg, Grimsel-Hospiz, Glarus und Adelboden von Sonntagabend 9. bis Montagmittag 10. Oktober 2011 gross.jpg, 32 KB |
Abb. 6: Temperaturverlauf in Adelboden, Grimsel-Hospiz, Männlichen und auf dem Jungfraujoch von Sonntagmorgen 9. bis Montagmittag 10. Oktober 2011 gross.jpg, 35 KB |
Nach einer Phase der Wetterberuhigung am Sonntag setzten im Lauf des Sonntagabends erneut Niederschläge ein, begleitet von einer markanten Erwärmung. Insbesondere in den höheren Lagen des Alpennordhangs und in den Alpen dauerte der anhaltender und intensive Regen bis am Montagmittag an (Abbildung 4 und 5). Die Schneefallgrenze stieg bereits am Montagvormittag wieder auf über 3000 Meter (Abbildungen 5 und 6), so dass ein beträchtlicher Teil des zuvor gefallenen Schnees rasch schmolz und zusammen mit den neuerlichen Niederschlägen zu markanten Schmelzvorgängen beitrug. Viele Flüsse und Bäche führten Hochwasser, die Abteilung Hydrologie des BAFU sprach für gewisse Gebiete eine Warnung der Gefahrenstufe 3 aus.
Abb. 7: Herkunft der Luftmasse, die am Montagmorgen 10. Oktober 2011 um 06 UTC auf dem Jungfraujoch eintraf. Berechnung auf Basis des Amerikanischen Vorhersagemodells GFS, Quelle: wetter3.de
gross.gif, 63 KBFeuchte Warmluft aus subtropischen Breiten führt zu markantem Tauwetter
Die an den Flüssen gemessenen Abflüsse (insbesondere Aare und Kander sowie diverse Wasserläufe der Zentralschweiz) lassen auf ein recht seltenes Ereignis schliessen. Bei näherer Betrachtung der eingeflossenen Warmluft fällt neben der rasch angestiegenen Temperatur vor allem der für die Jahreszeit hohe Feuchtegehalt auf. Verfolgt man die Herkunft der Luftmasse einige Tage zurück so wird klar, woher das viele Wasser kommt. Das Quellgebiet der Luft liegt südlich der Azoren bei 30° westlicher Länge und 30° nördlicher Breite im Einflussbereich eines subtropischen Tiefdruckwirbels. Die Luft wurde anschliessend um ein ziemlich beständiges Hoch westlichen von Portugal in einem weiten Bogen über den Nordatlantik und Grossbritannien zum Alpenraum geführt. In den letzten 36 Stunden vor Eintreffen in der Schweiz wurden diese feuchtwarmen Luftmassen in praktischen allen Schichten angehoben und so weiter angefeuchtet. Die Zugbahnen der Luftpakete, welche am Montagmorgen 10. Oktober 2011, 06 UTC auf dem Jungfraujoch angekommen sind illustrieren diesen Vorgang (Abbildung 7). Der einem atmosphärischen Fluss gleichenden Feuchtetransport tritt aus der Satellitenperspektive am besten in Erscheinung (Abbildungen 8 und 9).
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Abb. 8: Feuchtegehalt der Atmosphäre am Mittwoch 5. Oktober 2011, 00 UTC, hergeleitet aus Satellitendaten Quelle: Cooperative Institute for Meteorological Satellite Studies CIMSSanimation.gif, 13.1 MB |
An der US Amerikanischen Westküste (Kalifornien, Oregon, Washington) treten diese schmalen Bänder mit hoher Feuchtezufuhr (atmospheric rivers) häufig auf und bringen verheerende Niederschläge, wenn sie (ähnlich wie in diesem Fall in der Schweiz) zusätzlich auf Gebirge treffen und zum Ausregnen gezwungen werden. Dass ein solches Ereignis ausgerechnet noch auf vorangegangene anhaltende Niederschläge und eine zuvor gebildete frische und mächtige Schneedecke folgt ist in der Schweiz sehr selten. Entsprechend aussergewöhnlich waren die Schmelzwasserabflüsse in den Flüssen und Bächen.
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Die Sihl bei Langnau kurz vor dem Scheitelpunkt der Hochwasserwelle (Foto: D. Gerstgrasser, MeteoSchweiz) gross.jpg, 462 KB |














