MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

26. März 2010 / Marco Stoll, Peter Zbinden

 

Markante Kaltfront beendet am 26. März eine frühlingshafte Witterungsphase

 

Das schon über eine Woche anhaltende schöne Frühlingswetter wurde am Freitag 26. März mit dem Durchzug einer sehr aktiven Kaltfront abrupt beendet. Der März 2010 behält damit einen seiner Charakterzüge, nämlich die raschen und deutlichen Wechsel von sehr warmen und kalten Luftmassen. Im ersten Teil des Berichts werfen wir noch einmal einen Blick auf die letzten 10 Tage, der Kaltfrontdurchgang vom Freitag 26. März wird weiter unten behandelt.

 

Abbildung 1: Mitteltemperaturen im März 2010 an den Stationen Jungfraujoch, Adelboden und Bern-Zollikofen (links) und Abweichung von der Norm (rechts).

Abbildung 1: Mitteltemperaturen im März 2010 an den Stationen Jungfraujoch, Adelboden und Bern-Zollikofen (links) und Abweichung von der Norm (rechts).

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Sonnig und warm seit dem 17. März

Nach einem letzten Kaltlufteinbruch am 15. und 16. März mit Schneefall am Alpennordhang baute sich auf den Mittwoch, 17. März 2010 ein Zwischenhoch auf. In der Folge herrschte während Tagen eine West-Südwestströmung, wobei mehrheitlich milde Subtropikluft in den Alpenraum floss. Der Verlauf der Tages-Mitteltemperatur an den Stationen im Kanton Bern (Abb. 1) zeigt den deutlichen Anstieg um den 17. März und das anschliessende Verharren der Temperaturen auf hohem Niveau. Der klimatologische Mittelwert für den ganzen Montag beträgt für das Jungfraujoch -13, für Adelboden 0 und für Bern knapp 4 Grad, wobei der Jahreszeit entsprechend ein deutlicher Anstieg von Anfang bis Ende März die Regel ist.

 

Abbildung 2: Höchsttemperatur am Donnerstag 25. März 2010

Abbildung 2: Höchsttemperatur am Donnerstag 25. März 2010

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Der Höhepunkt der Wärmephase ging vielerorts mit den immer wieder auftretenden Föhnphasen einher. Bereits am 19. und 20. März wurden in den Föhntälern und am Juranordfuss Höchsttemperaturen über 20 Grad gemessen. Am Donnerstag 25. März reichte der Föhn dann bis ins östliche Mittelland hinaus und trieb auch dort die Höchstwerte verbreitet auf 20 bis 23 Grad (Abb. 2). An der Station Zürich-Kloten wurde mit 23.1°C der höchste Wert seit 1950 gemessen, für die Normperiode 1961-1990 entspricht der Wert einem neuen März-Rekord. Für die Mehrheit der anderen Stationen im östlichen Mittelland waren es die höchsten Werte seit 1990. Damals wurden verbreitet 23 Grad erreicht. Eine Zusammenstellung der einiger März-Tagesmaxima ist in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet:

 

Station Tmax 25.03.2010 Tmax März 1990 Tmax März 1989
Kloten 23.1°C 23.0°C 22.9°C
Zürich 21.3°C 23.1°C 23.2°C
Reckenholz 22.5°C 23.4°C 23.5°C
Schaffhausen 22.0°C 23.5°C 24.1°C
Tänikon 21.2°C 22.2°C 22.7°C
Haidenhaus (TG) 20.0°C 20.0°C 20.6°C

 

Weit ins Flachland hinausgreifender Föhn ist ein Phänomen, das im Frühling häufig zu beobachten ist. Im vergangenen Jahr wurde an Ostern während zweier aufeinanderfolgender Tage anfangs April Föhn bis ins östliche Mittelland hinaus gemessen, siehe hierzu den Bericht vom 13. April 2009.
Am Donnerstag 25. März wurde Föhn, oder zumindest „föhnige Luft“, an den Flachland-Stationen Zürich-Meteoschweiz, Reckenholz, Kloten, Schaffhausen und Tänikon registriert. In den Alpentälern arbeitete sich starker Föhn bis weit in die Talausgänge vor, beispielsweise bis zum oberen Genfersee, am Vierwaldstättersee bis nach Luzern, am Zürichsee bis Wädenswil und am Bodensee bis ans Nordufer nach Friedrichshafen. Im Berner Oberland registrierte die Station Interlaken eine Föhnspitze von 50 km/h, als ein Föhnast aus dem Haslital sich bis zum Bödeli vorarbeitete. Der Verlauf der Messwerte in Abbildung 3 zeigt interessante Details: die Föhnphase zwischen 10 und 18 UTC ist deutlich anhand von Windrichtung (Nordost) und –stärke sowie der relativen Luftfeuchtigkeit oder des Taupunkts (30-35%, bzw. 2-4°C Taupunkt) markiert. Während der ersten 3 Föhnstunden scheint der Wind vor allem aus höheren Luftschichten turbulent hinuntergemischt worden zu sein, dabei wurde die Höchsttemperatur von 20.6°C wurde gemessen. In der zweiten Phase nahm der Wind deutlich an Stärke zu und die Temperatur war mit 16 bis 18 Grad etwas weniger hoch. Eine mögliche Erklärung für diese tieferen Werte bei gleichzeitig stärkerem Föhn kann sein, dass der Föhn bodennah vom Haslital über den Brienzersee strömte und dabei vom See deutlich abgekühlt wurde.

 

Abbildung 3: Windrichtung (Fiedern ganz oben) und -stärke (schwarze Linien: Böen dick, Mittelwind dünn), Temperatur (rote Linie) und Taupunkt (blaue Linie), relative Feuchte (hellgrüne Balken) und Sonnenscheindauer in Interlaken am Donnerstag 25. März 2010

Abbildung 3: Windrichtung (Fiedern ganz oben) und -stärke (schwarze Linien: Böen dick, Mittelwind dünn), Temperatur (rote Linie) und Taupunkt (blaue Linie), relative Feuchte (hellgrüne Balken) und Sonnenscheindauer in Interlaken am Donnerstag 25. März 2010

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Abrupter Luftmassenwechsel am Freitag 26. März

Mit einem regelrechten Paukenschlag endete der Föhn in den Morgenstunden des Freitags 26. März, als eine aktive Kaltfront innert 4 Stunden von West nach Ost die Alpennordseite überquerte. Radar- und Satellitenbilder der Wetterlage um die Mittagszeit sind in den Abbildungen 4 und 5 dargestellt, zum Zeitpunkt als die Kaltfront gerade über der Deutschschweiz lag. Die Blitzortungen zeigen, dass in der Front auch vereinzelte Gewitter eingelagert waren, wobei die Gewitteraktivität vor allem auf der Alpensüdseite ein Schwergewicht hatte.

 

Abbildung 4: Radarbild von 12 UTC

Abbildung 4: Radarbild von 12 UTC

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Abbildung 5: Satellitenbild und Blitzortungen 12 UTC

Abbildung 5: Satellitenbild und Blitzortungen 12 UTC

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Mit dem Luftmassenwechsel ging eine markante Abkühlung einher. Der Druckanstieg beim Eintreffen der Kaltluft verursachte im Flachland der Deutschschweiz Böenspitzen von 70 bis 90 km/h, in einigen Alpen- und Voralpentälern (Wallis, Haslital, Glarner- und Sarganserland) wurden stellenweise über 90 km/h gemessen. In den Bergen wurde die stärkste Böenspitze auf dem Gütsch noch während der Föhnphase um halb fünf Uhr in der Nacht gemessen. Eine Übersicht über die Messwerte ist in Abbildung 6 gezeigt.

 

Abbildung 6: Böenspitzen am Freitag 26. März 2010

Abbildung 6: Böenspitzen am Freitag 26. März 2010

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Der Temperatur-, Wind-, Feuchte- und Druckverlauf an der Station Luzern ist in Abbildung 7 dargestellt. Er illustriert beispielhaft den Durchgang der Kaltfront, wie er sich in vielen Gebieten der Alpennordseite abspielte: bis kurz vor Eintreffen der Front um 11 Uhr Lokalzeit schien meist die Sonne und die Temperatur stieg noch einmal bis auf 15 bis 20 Grad. Der anschliessende Luftmassenwechsel sorgte dann für einen Temperaturrückgang von rund 8 Grad. Der Temperaturgegensatz im Bereich der Front war beträchtlich: im föhnigen St. Galler Rheintal wurden um die Mittagszeit noch über 20 Grad gemessen. Auf der Rückseite der Front, in den zentralen und westlichen Landesteilen, waren es nur noch rund 7 Grad (Abb. 8).

 

Abbildung 7: Wetterverlauf an der Messstation Luzern am Freitag 26. März 2010 (analog Abb. 3 oben)

Abbildung 7: Wetterverlauf an der Messstation Luzern am Freitag 26. März 2010 (analog Abb. 3 oben)

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Abbildung 8: 2m-Temperatur am Freitag 26. März 2010, 10 UTC

Abbildung 8: 2m-Temperatur am Freitag 26. März 2010, 10 UTC

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Während im Norden der Sturm das markante Ereignis war, lag im Süden das Augenmerk auf dem Niederschlag: bis kurz vor Redaktionsschluss fielen in Robiei im oberen Maggiatal bereits über 70 mm Niederschlag innert 24 Stunden. Im Gotthardgebiet waren es gut 50 mm, in der Region Locarno rund 40 mm. Der Grossteil dieser Niederschläge fiel noch in der Warmluft, wo die Schneefallgrenze auf 1400 bis 1800 Metern lag. In höheren Lagen fielen beträchtliche Neuschneemengen. Von Donnerstagmorgen (25.3.2010) bis Freitagabend (26.3.2010) sind in den westlichen Tessiner Bergen 60 bis 90 cm Neuschnee gefallen. Im übrigen Tessin sowie am Alpenhauptkamm von Zermatt bis ins Bergell wurden 30 bis 50 cm und nördlich davon 10 bis 30 cm Neuschnee gemessen (Quelle: SLF, Lawinenbulletin, Freitag, 26.3.2010)

 

Bildergalerie Freitag 25. März 2010

 

Zürichsee und Alpen um 09 Uhr (Foto: M. Stoll)

Zürichsee und Alpen um 09 Uhr (Foto: M. Stoll)

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Zürichsee und Alpen um 11 Uhr (Foto: M. Stoll)

Zürichsee und Alpen um 11 Uhr (Foto: M. Stoll)

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Sturmwarnleuchte in Altenrhein (Foto: A. Hostettlerl)

Sturmwarnleuchte in Altenrhein (Foto: A. Hostettlerl)

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Bodensee kurz vor Kaltlufteinbruch (Foto: A. Hostettlerl)

Bodensee kurz vor Kaltlufteinbruch (Foto: A. Hostettlerl)

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