Aktualisiert am Montag 21. Juni 2010.
Ein abgeschlossenes Höhentief verlagerte sich in der vergangenen Woche von der Bretagne nach Spanien und in der Folge weiter über den Alpenraum nach Bayern. Am Dienstag verursachte es in Südfrankreich bereits ausserordentliche Regenfälle mit grossen Schäden und leider auch Todesopfern. Am Donnerstagabend überquerte das Tief und die darin eingelagerte Höhenkaltluft dann die Alpen in Richtung Bayern. Im Vorfeld des Tiefdruckgebiets wurde mit südöstlichen Winden zunächst sehr feuchte Mittelmeerluft zu uns geführt. In der Deutschschweiz setzten Niederschläge ein. Im Laufe des Freitags liessen die Niederschläge mit der Ostwärts-Verlagerung des Tiefs allmählich nach. In der Ostschweiz wurden insgesamt verbreitet 40 bis 60 mm Regen registriert (siehe Abb. 1).
Punktuell waren die Niederschläge von Gewittern begleitet, so dass sich noch höhere Niederschlagsmengen ergaben. So kamen zum Beispiel am Flughafen Zürich-Kloten 85 mm in 24 Stunden zusammen, davon fielen allein innerhalb einer Stunde 25mm.
Eine 24-stündige Regenmenge von 85 mm für Zürich-Kloten ist im Monat Juni sehr aussergewöhnlich. Im Mittel beträgt die Monatsniederschlagssumme 115 mm, somit fielen innerhalb eines Tages drei Viertel des Monatsniederschlags.
Am Wochenende allmähliche Beruhigung
Am Wochenende folgten dann weitere Niederschläge, wenn auch nicht mehr so ergiebige wie am Donnerstagabend und in der Nacht auf Freitag. Ein Tief mit Zentrum über Südskandinavien steuerte am Samstag eine Kaltfront gegen die Alpennordseite. Diese klemmte die alte und sehr feuchte Luft des Vortags an den Alpen ein. Der Schwerpunkt des Niederschlags erstreckte sich am nördlichen Rand der Voralpen entlang vom Napfgebiet bis in die Region St. Gallen. Dort regnete es auch fast anhaltend, sodass 25 bis 35 mm zusammenkamen.
Am Sonntag spaltete sich am Südrand des umfangreichen Troges über dem Golf von Genua ein Höhentief ab. Mit dem Aufgleiten von Höhenwarmluft gegen die südöstlichen Landesteile und der Kaltluftzufuhr aus Nordosten in den tieferen Schichten gab es insbesondere im Jura, am zentralen und östlichen Alpennordhang, in Mittel- und Südbünden sowie im Südtessin nochmals einige Niederschläge. Die Höchstmengen von 15 bis 25 mm waren aber im Vergleich zu den Vortagen geringer. Mit der Ostverlagerung des Tiefs am Montag ging das Niederschlagsereignis allmählich zu Ende.
Damit fielen zwischen Donnerstag- und Montagmorgen in der Zentral- und Ostschweiz verbreitet 60 bis 90 mm Regen, gebietsweise auch mehr. Insbesondere in den Regionen Klettgau, Zürcher Unterland, Toggenburg und St. Gallen waren es sogar 110 bis 120 mm. In diesen Gebieten entspricht dies 80 bis 110 Prozent der für den Juni üblichen Monatsniederschlagssumme (Ausnahme Toggenburg: hier beträgt die zu erwartende Monatssumme im langjährigen Schnitt rund 200 mm). Diese Mengen sind zwar bedeutend, aber nicht rekordverdächtig. Ein Blick in die Statistik zeigt nämlich, dass solche Ereignisse im Durchschnitt alle 10 Jahre auftreten können.
Neuschnee in den Bergen
Hinter der Kaltfront vom Samstag sank am Abend und in der Nacht auf Sonntag mit der einsickernden Kaltluft die Schneefallgrenze auf etwa 1500 Meter (siehe auch Bildstrecke mit webcam-Bildern vom Sonntag, 20. Juni, am rechten Rand des Beitrags). Entsprechend waren einige Alpenpässe am Sonntagmorgen vorübergehend schneebedeckt. Am meisten Neuschnee im Messnetz von MeteoSchweiz wurde auf dem Berninapass auf 2300 M.ü.M. mit 14 cm gemessen, weiter westlich war es deutlich weniger mit 2 cm auf dem Grimselpass beispielsweise. Ein solcher Wintereinbruch ist im Übrigen für die Jahreszeit nichts Besonderes. Die 120-jährige Messreihe von Arosa (siehe Abbildung 4) zum Beispiel zeigt regelmässig Wintereinbrüche mit Schneefall im Juni. Mit den am Sonntagmorgen dort gemessenen 6 cm Neuschnee ist statistisch gesehen etwa alle 1 bis 2 Jahre zu rechnen. Detaillierte Informationen rund ums Thema "Schafskälte" sind in zwei älteren Beiträgen zusammengestellt:
Abb. 4: Neuschneehöhe in Arosa im Monat Juni von 1890 bis 2010 (Grafik: D. Gerstgrasser, MeteoSchweiz)
gross.png, 18 KBWeitere Auswirkungen












