MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

25. September 2011 / Daniel Gerstgrasser

 

Aufbau einer ausgesprochen stabilen herbstlichen Hochdrucklage

 

Nach dem markanten Kaltlufteinbruch vor Wochenfrist hat sich die Wetterlage rasch wieder stabilisiert. Nun baut sich über dem europäischen Kontinent eine umfangreiche Hochdruckzelle auf, welche bis auf weiteres unser Wetter bestimmt. Doch warum ist dieses Hoch so "langlebig"?

 

Nach dem Kaltlufteinbruch rasche Schneeschmelze in den Bergen

Der Neuschnee, welcher vom 18. auf den 19. September vor allem in den östlichen Alpen gefallen ist, ist in den vergangenen Tagen rasch wieder geschmolzen. Dies einerseits wegen der noch recht hohen Bodentemperaturen; anderseits sind aber auch die Lufttemperaturen rasch wieder auf übernormale Werte gestiegen. So erreichte die Nullgradgrenze bereits zwei Tage nach den Schneefällen wieder eine Höhe von 4400 Metern. Lediglich in den Gipfellagen sowie schattseitig sind noch Neuschneereste vorhanden (siehe Bild 1, 2 sowie die verlinkte Animation über 5 Tage).

 

Blick von Murtel/GR, 2700m ins Oberengadin
Blick von Murtel/GR, 2700m ins Oberengadin

Bild 1, 2: Blick von Murtel, 2700m (Zwischenstation der Corvatschbahn) ins Oberengadin. Oben: am Tag nach dem Kaltlufteinbruch (20. September) präsentiert sich das Oberengadin tief verschneit. Unten: wenige Tage später (24. September) sind die besonnten Lagen bereits weitgehend ausgeapert.

Murtel_animiert.gif, 861 KB

Aufbau eines "Omega-Hochs"

Am Wochenende (24./25. September) hat der Hochdruckeinfluss vorübergehend nachgelassen, aufgrund der instabilen Schichtung konnten sich über dem Jura und den Alpen sogar einzelne Schauer bilden.

In der Nacht auf Montag (26. September) beginnt der Luftdruck aber zu steigen, womit die Schichtung der Atmosphäre stabilisiert wird. Der Hochaufbau erreicht dann gegen Ende der Woche sein Maximum.

 

Strömungsverhältnisse (Jetstream) über dem Atlantik und Europa am Freitag, 30. September 2011, mittags

Bild 3: Prognose der Strömungsverhältnisse (Jetstream) über dem Atlantik und Europa am Freitag, 30. September 2011, mittags.

gross.png, 733 KB

Bis am Freitag (30. September) bildet sich eine grosse Hochdruckzelle (Subtropenhoch), welche praktisch den gesamten europäischen Kontinent bedeckt und einen Durchmesser von etwa 3000 km aufweist. Aufgrund seiner Grösse blockiert das Hoch die grossräumige Westströmung und bleibt über lägere Zeit ortsfest. Somit werden die Tiefdruckgebiete an ihrer normalen Verlagerung gehindert, und nach Norden oder Süden abgelenkt. Betrachtet man die Strömungsverhältnisse in grosser Höhe, weisen diese die Form eines griechischen Omegas auf. Entsprechend wird diese Wetterlage als "Omega-Lage" bezeichnet (siehe Bild 3). Blockierende Hochs haben eine Lebensdauer von 8 bis 14 Tagen, im Extremfall auch mehr.

Momentan gehen wir davon aus, dass die aktuelle Hochdrucklage mindestens bis zum Wochenende (1./2. Oktober) wetterbestimmend bleibt, möglicherweise aber auch noch länger.

 

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