MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

30. Juni 2005 / K. Schmid

 

Gewitterfront beendet die Juni-Hitzeperiode

 

Zu Monatsbeginn pendelten die Temperaturen um 18 bis 27 Grad. Vom 8. bis zum 11. Juni gab es bei Tageshöchstwerten von nur 16 Grad mit klaren Nächten sogar vielerorts noch Bodenfrost. Dies veranlasste die MeteoSchweiz auch dazu, die Frostwarntätigkeit nochmals aufzunehmen. Ab 11. Juni stiegen die Tageshöchsttemperaturen dann allmählich wieder über die 20 Grad-Marke.
In der Folge kam unser Land langsam an den Nordwestrand eines blockierenden Hochs zu liegen. Der Hochkern war quasi-stationär über dem Mittelmeer. Die Schweiz war somit einerseits unter Hochdruckeinfluss und wurde andererseits von einer anhaltenden, wenn auch schwachen Südwestströmung, mit heisser Luft aus Südfrankreich versorgt. Diese Konstellation führte zu einer eigentlichen Hitzewelle.

Ab dem 17. Juni lagen die Höchstwerte verbreitet über 25 Grad. Am 19. Juni gab es auf der Alpennordseite erste Werte von über 30 Grad und vom 21. Juni an wurden verbreitet Hitzetage (d.h. Werte von 30 Grad oder mehr) registriert. Diese hohen Werte blieben bis zum 29. Juni erhalten und brachten die Schweiz zum Schwitzen. Selbst in höheren Lagen wie z.B. in Schuls auf etwa 1300 Metern Höhe wurde die Hitzemarke mehrmals geknackt (siehe auch Bild 1).

Nur am 25. Juni gab es einen kleinen Knick in der Temperaturkurve, die Höchsttemperaturen erreichten "nur" etwa 26 Grad. Der Grund war eine Kaltfront, die am Vorabend punktuell kräftige Gewitter ausgelöst hatte. Das Schwergewicht lag in den Voralpen, im Flachland fielen kaum Niederschläge.

 

Temperaturverlauf (Maxima) einiger MeteoSchweiz-Messstationen vom 1. bis zum 29. Juni 2005

Bild 1: Temperaturverlauf (Maxima) einiger MeteoSchweiz-Messstationen vom 1. bis zum 29. Juni 2005

Sozusagen mit "Pauken und Trompeten" wurde die Hitzewelle am 29. Juni beendet. Kräftige Höhenwinde führten eine Kaltfront über die Schweiz. Wie erwartet brachte die Front neben Gewittern und Hagel auch Sturmböen. In Egolzwil wurden Spitzen von fast 113 km/h erreicht. Aber auch sonst wurden im zentralen und östlichen Mittelland verbreitet Werte um 70 bis knapp 100 Stundenkilometer gemessen (siehe Bild 2).
Die lokal kräftigen Regenschauer führten denn auch da und dort zu Ueberschwemmungen und die Feuerwehren mussten vielerorts ausrücken. Gesamthaft gesehen fielen aber die Niederschlagsmengen eher gering aus, da die Front sehr rasch weiterzog.

 

Windspitzen vom 29. Juni 2005 in km/h, Messung der automatischen Messstationen der MeteoSchweiz

Bild 2: Windspitzen vom 29. Juni 2005 in km/h, Messung der automatischen Messstationen der MeteoSchweiz

Die markante Böenlinie konnte sogar auf Kamerabildern (siehe nachstehende Bildserie) beobachtet werden. Die untenstehenden Aufnahmen zeigt den Blick von Frienisberg im Kt. Bern, Richtung Nordwest (Jura).

Im linken Teil des Bildes ist dank der Bewölkung die Entwicklung des Böenkragens schön zu erkennen, rechts sieht man noch Wolkenlücken mit etwas Sonnenschein.

 

Aufnahme vom 29.6.2005, 17.20 Uhr (Lokalzeit)

Bild 3.1: Aufnahme vom 29.6.2005, 17.20 Uhr (Lokalzeit)

Aufnahme vom 29.6.2005, 17.30 Uhr (Lokalzeit)

Bild 3.2: Aufnahme vom 29.6.2005, 17.30 Uhr (Lokalzeit)

Aufnahme vom 29.6.2005, 17.40 Uhr (Lokalzeit)

Bild 3.3: Aufnahme vom 29.6.2005, 17.40 Uhr (Lokalzeit)

Generell war die Verteilung der heftigen Gewitter eher zufällig. Bereits am Vormittag gab es im Tessin eine erste grössere Gewitterzelle. Am Nachmitttag um 16.00 Uhr (Lokalzeit) konnten einzelne Zellen in der Region Basel, im Aargau, in der Zentralschweiz und im Tessin ausgemacht werden (siehe Bild 4). In einer zweiten Staffel formierte sich eine eigentliche Gewitterlinie von den Vogesen bis ins Berner Oberland (siehe Bild 5), welche rasch nach Osten zog. Durch die Unsicherheit betreffend Ort und Heftigkeit des Unwetters, beschlossen die verantwortlichen Dienst-Meteorologen der MeteoSchweiz, eine Gewitterwarnung für die ganze Schweiz auszugeben, was sich im Nachhinein als durchaus gerechtfertigt und sinnvoll erwies.

 

Radaraufnahme von 16.00 Uhr (Lokalzeit), die höchste Stufe der Reflektivität wird mit violetter Farbe dargestellt. Die Wahrscheinlichkeit für Hagel ist in diesem Bereich sehr hoch.

Bild 4: Radaraufnahme von 16.00 Uhr (Lokalzeit), die höchste Stufe der Reflektivität wird mit violetter Farbe dargestellt. Die Wahrscheinlichkeit für Hagel ist in diesem Bereich sehr hoch.

Radaraufnahme von 17.45 Uhr (Lokalzeit)

Bild 5: Radaraufnahme von 17.45 Uhr (Lokalzeit)

Am letzten Junitag war die Bewölkung besonders am Vormittag noch markant und im Mittelland bildeten sich letzte Schauer. Am Nachmittag lichtete sich die Wolkendecke dank Zwischenhocheinfluss etwas. Trotzdem blieben die Temperaturen meist unter der Sommermarke von 25 Grad.

 

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