MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

21. Februar 2004 / C. Hayoz, U. Suter, D. Murer

 

Föhnsturm, Schnee und Saharastaub

 

Föhnsturm, Schnee und Saharastaub
Christa Hayoz, Urs Sutter, Dani Murer, 21. Febr. 2004

Auf Samstag 21. Februar hatte sich über den Alpen eine Föhnlage eingestellt. Da die kräftige Strömung in den untersten Schichten einen südöstlichen Einschlag hatte, gab es vor allem in den westlichen Alpentälern einen starken Föhn, so beispielsweise im Berner Oberland und im Wallis. Der Föhn war sogar in Pully bei Lausanne zu spüren, was eher selten vorkommt. Aber auch im Urner Reusstal und im Rheintal blies der Föhn kräftig mit Böenspitzen gegen 100 km/h. Die heftigsten Winde auf dem Messnetz der MeteoSchweiz wurden auf dem 2280 Meter hohen Gütsch mit rund 168 km/h sowie auf dem 3580 Meter hohen Jungfraujoch mit 157 km/h gemessen (Bild 1). Die Druckdifferenz zwischen Lugano und Altdorf erreichte am Samstagvormittag ein Maximum von 18.1 hPa. Dies ist zwar rund 3 hPa mehr als beim Föhnereignis Ende Oktober 2003, trotz geringerem Druckunterschied waren die Windspitzen damals deutlich höher. Allein der Druckunterschied ist nicht massgebend für maximale Föhnwinde, wie dieses Beispiel zeigt, die starke Höhenströmung z. B. war dieses Mal nicht sehr ausgeprägt. Dennoch, vielerorts in den Bergen blieben insbesondere exponierte Transportanlagen für Wintersportler geschlossen oder waren stark eingeschränkt. Mit der milden Föhnluft stiegen die Temperaturen in den Föhntälern bis gegen 18 Grad und auch in leicht erhöhten Lagen auf 10 bis 14 Grad, während sie beispielsweise in der Bodenseeregion oder am Juranordfuss bei 4 bis 6 Grad verharrten, weil dort die Kaltluft nicht ausgeräumt wurde.

 

Windspitzen vom 20. Februar 19.30 UTC bis 21. Februar 2004 19.30 UTC

Bild 1: Windspitzen (20./21. Febr. 2004)

Mit dem Stau auf der Alpensüdseite dauerten die Schneefälle auch am Samstag an. Mit dem ersten Tief über Oberitalien am 19. Februar wurde bis zum 21. immer wieder feuchte Mittelmeerluft zur Alpensüdseite geführt. Am meisten Schnee fiel der oberen Leventina bis zum Simplongebiet, dort gab es in den 3 Tagen teilweise bis gegen 150 cm Neuschnee. Aber auch im Südtessin kamen beachtliche Niederschlagsmengen zustande: in Stabio beispielweise wurden in diesen 3 Tagen über 85 mm Niederschlag gemessen (Bild 2), allerdings kam nicht alles als Schnee vom Himmel, dennoch betrug die Neuschneemenge am 21. etwa 25-40 cm.

 

Niederschlagssumen vom 20. Februar 2004 20.00 UTC bis 21. Februar 2004 20.00 UTC (Stundensummen)

Bild 2: Niederschlagsummen (19. - 21. Febr. 2004)

Mit den südwestlichen Winden in den mittleren und höheren Schichten wurden am Samstag Staubteilchen aus Nordafrika nach Mitteleuropa verfrachtet, die vor allem am Vormittag in der Schweiz als gelblich-orange Trübung der Luft gut sichtbar waren. Diese Staubteilchen stammten unter anderem vermutlich aus Marokko, wo starke Stürme Sand aufgewirbelt und in grosse Höhen transportiert hatten (Bild 3). Auch auf der Alpensüdseite konnte dieser Staub beobachtet werden; dort wurde er allerdings mit dem Neuschnee abgelagert und verfärbte dort die obersten Zentimeter der Schneedecke.

 

Satellitenbild vom 21. Februar mit dem Ausschnitt Westeuropa und Nordafrika
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