MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

09. Dezember 2006 / Michael Kasper, Ludwig Z'graggen

 

Nach Föhnsturm grosse Neuschneemengen in den Bergen

 

Nach einem trockenmilden und somit schneearmen Vorwinter hat der Winter in den Schweizer Alpen am Samstag, 9.12.2006 definitiv und mit voller Kraft Einzug gehalten! Das grosse Bangen um den Einzug des Winters in den Bergregionen hat somit grösstenteils ein Ende gefunden.

 

Kräftiges Tief über Nordwesteuropa

Auf der Europawetterkarte ist ein umfangreiches Tief über Nordwesteuropa zu erkennen. Darin eingelagert zog im Laufe des Freitags, 8.12. ein Randtief von der Biskaya über Frankreich zur Nordsee, welches in Teilen Frankreichs für Sturmschäden sorgte. Bei uns erzeugte dieses Tief eine kräftige Föhnströmung. Ein zweites Randtief zog in der Folge von Südfrankreich nach Norditalien und war zum grossen Teil für die starken Niederschläge im Alpenraum verantwortlich.

 

Bodendruckverteilung am Freitag, 8.12.2006 13 Uhr

Bodendruckverteilung am Freitag, 8.12.2006 13 Uhr

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Föhnsturm

Bereits in der Nacht auf Freitag setzte in den Alpentälern der trockene und warme Fallwind, kurz Föhn genannt, ein. Er war für Böenspitzen von 100-120 km/h in den Alpentälern, sowie bis zu 180 km/h in Berglagen verantwortlich, was etwa einem jährlichen Ereignis entspricht. Aufgrund seiner starken Ausprägung konnte er bis ins Flachland hinuntergreifen. So war er beispielsweise am Zürichsee und Bodensee zu spüren. Der vom Appenzellerland herabstürzende Föhn sorgte auf dem Flugplatz Altenrhein für eine Böe von 121 km/h. Das kommt jedoch in dieser Stärke nicht alle Jahre vor. Mit dem Eintreffen der Kaltfront ging er am Mittag von Westen her zu Ende.

Temperaturmaximum.jpg, 279 KB

 

Maximale Böen in km/h am 8.12.2006

Maximale Böen in km/h am 8.12.2006

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Grosse Neuschneemengen in den Alpen

Mit der ausgeprägten Südströmung wurden sehr feuchte und anfänglich milde Luftmassen zu den Südalpen geführt. Diese wurden dort gestaut und sorgten für beträchtliche Niederschlagsmengen, welche im Dezember nur selten vorkommen. Aufgrund der starken Höhenwinde und der hochreichenden Feuchte konnte ein Teil über den Alpenhauptkamm nach Norden verfrachtet werden. Da auf der Alpennordseite nach Föhnende kühle Luft eingeflossen ist, fand so zusätzlich ein Aufgleiten statt. Mit der zusätzlich aufgetretenen Niederschlagsabkühlung sank die Schneefallgrenze speziell in den Alpentälern rasch ab.
Am meisten Schnee mit etwa 1 Meter in 24 Stunden fiel vom Simplon über das Nordtessin bis zu den nördlich angrenzenden Gebieten vom Urserental bis zum Lukmanier und San Bernardino. In Teilen vom Wallis, Berner Oberland, der Zentralschweiz bis zum Glarnerland kamen bis am Samstagmorgen ebenfalls Neuschneemengen von 30-50 cm zusammen. Selbst in Bern konnte am Samstagmorgen 1 cm gemessen werden. Im nördlichen Graubünden sowie Engadin sind die Mengen noch geringer, da die Schneefälle dort später begonnen haben.

Niederschlagssumme 8.12.2006.jpg, 295 KB

 

Neu/Totalschneehöhe am Samstag, 9.12. 7 Uhr

Neu/Totalschneehöhe am Samstag, 9.12. 7 Uhr

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Ausserordentlich grosse Niederschlagsmengen für den Monat Dezember auf der Alpensüdseite

Die stürmischen Südwinde haben sehr milde Luft vom Mittelmeer gegen die Alpen geführt. Aus diesem Grunde lag die Schneefallgrenze im Allgemeinen recht hoch. In der ersten Phase wurde erst oberhalb von 1600 m Schnee registriert. Im Verlaufe der Nacht auf Samstag sank die Schneefallgrenze auf 1000 m. Die erwähnte südliche Luftströmung hat über der Poebene einen sogenannten "Low-Level-Jet" verursacht. Dies bewirkte eine starke Durchmischung der unteren Luftschichten. Dadurch kam es in den südlichen Alpentälern kaum zu einer Niederschlagsabkühlung.

Die gemessenen Niederschlagsmengen sind für den üblicherweise trockenen Dezember aussergewöhnlich. Diese Mengen wurden bisher in Locarno erst einmal und in Lugano erst dreimal überschritten:

 

24-stündige Extrem-Niederschlagssummen im Tessin (Dezember)

Lugano (1900-2006) 
09.12.195482.6 mm
10.12.195480.0 mm
12.12.195786.3 mm
08.12.200670.2 mm
  
Locarno-Monti (1935-2006) 
09.12.1954105.4 mm
08.12.2006 98.1 mm
Auch in den Bergen fielen extreme Mengen. In Robiei im hinteren Maggiatal wurden über 180 mm registriert. Der bisherige Rekord dieser Station von 93.7 mm stammt vom 21. Dezember 1991. Damals griffen die Niederschläge infolge einer stürmischen Nordwestströmung über den Alpenkamm bis ins obere Tessin aus.

Der vollständige italienischsprachige Bericht: É arrivata la neve e tanta acqua!

 

Niederschlagsabkühlung

Durch das Schmelzen von Schneeflocken wird der Umgebungsluft Wärme entzogen. Durch diesen Abkühlungseffekt kann sich die Schneefallgrenze sukzessive nach unten verlagern. Bedingung dafür ist, dass keine Durchmischung stattfindet. Diese Voraussetzung ist am Besten in den Alpentälern vorhanden. Bei zusätzlich hoher Intensität der Niederschläge kann so die Schneefallgrenze in kurzer Zeit rasch absinken. Auf nachfolgender Grafik ist schön die Abkühlung in Visp nach Einsetzen der Niederschläge zu erkennen. So sank die Schneefallgrenze dort rasch bis ins Rhonetal ab. Aehnlich war es im Berner Oberland, Urner Reusstal, Glarus und später auch im Rheintal.

 

Verlauf von Temperatur und Niederschlag für Visp und Ulrichen

Verlauf von Visp (640 m) und Ulrichen (1345 m). Gut zu erkennen ist die Niederschlagsabkühlung in Visp nach Niederschlagsbeginn, besonders ausgeprägt bei hoher Intensität in den Abendstunden.

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Webcam Bilder vom Samstagmorgen, 9. Dezember 2006

 

Webcam von Aeschiried zum Thunersee

Blick zum verschneiten Thunersee

Quelle: SwissWebCamsgross.jpg, 61 KB
Bild von Simplon Dorf

Simplon Dorf auf 1470 m

Quelle: Simplongross.jpg, 53 KB
Panoramabild ins Wallis

Panoramablick von oberhalb Martigny ins Wallis mit der gut definierten Schneegrenze

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Winterimpressionen von der Sattelegg

Eine 30 bis 40 cm dicke Schneedecke verwandelte die Gegend um die Sattelegg am Samstagnachmittag in eine schöne Winterlandschaft. (Photos D. Gerstgrasser)

 

Neuschneehöhen SLF + MeteoSchweiz

Neuschneehöhenkarten vom SLF+MeteoSchweiz

Neuschneehöhen vom Samstag, 9.12.06, MeteoSchweiz- und SLF-Stationen. Umfassende Schnee- und Lawineninformationen (SLF)Karte_gross.gif, 92 KB

Neuschneesumme 3 Tage (gesamtes Ereignis)

3-Tagesneuschneesummen (Gesamtereignis)Karte_gross.gif, 86 KB

2-Tagesniederschlagsummen (Gesamtes Ereignis)

2-Tagesniederschlagsummen (Gesamtes Ereignis)Karte_gross.jpg, 284 KB
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