MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

31. Mai 1999 / MeteoSchweiz

 

Extreme Niederschläge und Hochwasser

 

Extreme Niederschläge und Hochwasser im Mai 1999
Auszug aus dem Witterungsbericht Mai 1999 der MeteoSchweiz

Vom 4.­22. Mai war das Wetter besonders auf der Alpennordseite regnerisch. Dabei kam es vom 11. bis 14. und erneut am 21. Mai zu extremen Starkregen, die grosse Hochwasserschäden zur Folge hatten. In der Deutschschweiz ergaben sich extreme Monatssummen. In den zentralen und östlichen Voralpen waren es die grössten Regensummen aller Maimonate dieses Jahrhunderts.

 

regensummen mai 1999
Phase 1: Extremes Hochwasser in der Deutschschweiz nach dem Starkregen vom 11./12. Mai

Am 11. Mai kam eine in West-Ost-Richtung langgestreckte Luftmassengrenze über die Alpennordseite zu liegen. Die feuchte Warmluft wurde zwischen der Kaltluft im Norden und den Alpen hochgepresst. Bei konstanter Windrichtung blieb die Zone maximaler Regenintensitäten am 12. Mai über viele Stunden ortsfest. In Buchs-Suhr fielen in 18 Stunden 103 l/m2 Regen, mehr als normalerweise im ganzen Monat Mai (92 l/m2).

 

wetteruebersicht 11.mai 1999
Die extremen Regenfälle führten besonders in der Nordostschweiz und in den Kantonen Zürich und Aargau zu lokalen Überschwemmungen durch kleine Bäche und Flüsse. Die Limmat setzte Uferwege unter Wasser. In der Nacht zum 13. Mai schwoll der Rhein unterhalb Koblenz auf Rekordhöhe an. In der Altstadt Rheinfeldens stand das Wasser bis 1.5 m tief. Auch Teile von Kleinbasel wurden überschwemmt. In der Deutschschweiz wurden viele Bahnlinien unterbrochen und Strassen kurzfristig unpassierbar. Eine Mure brachte in Aathal (ZH) einen Zug zum Entgleisen. Lokale Schäden entstanden, weil viele Bacheinlässe für solche Wassermengen zu klein dimensioniert sind.

Da vor der Automatisierung der Messungen die Regenmengen morgens um 07.30 Uhr bestimmt wurden, ist das Starkregenereignis nur über die Summe der zwei Tage 11. und 12. Mai mit früheren Ereignissen vergleichbar. Der Vergleich zeigt erstens, dass in der Nordostschweiz die extremsten Starkregenereignisse des Jahrhunderts mehrheitlich im Monat Mai auftraten. Zweitens sind die nun gemessenen 48-h-Summen punktuell die bisher höchsten für den Mai in diesem Jahrhundert. Insgesamt noch gewaltiger waren die Regenfälle vom 19./20. Mai 1906 (in Horgen 357 l/m2). Günstig war damals, dass bis 1200 m hinunter Schnee fiel. Diesmal regnete es bis 2700 m hinauf. Das extremste bekannte Ereignis seit Messbeginn in der Nordostschweiz ereignete sich jedoch vom 10.-12. Juni 1876 (R. Billwiller, ``Die Niederschläge im Juni 1876 in der Schweiz'').


Phase 2: Rekordpegelstände an Seen nach weiteren namhaften Niederschlägen

Die Luftmassengrenze lag am 13. und 14. Mai dann am Alpennordhang und verursachte vor allem hier weitere namhafte Regenfälle. Diese liessen nun auch die Seepegel über kritische Hochwassermarken ansteigen. Der Pegel des Thunersees erreichte Rekordstand. Auf 4 km Länge drang das Wasser bis 400 m landeinwärts vor und setzte die Häuser unter Wasser. Stark betroffen war auch das Aaretal. Das Gelände des Flughafens Belpmoos stand unter Wasser. Auch in Bern erreichte die Aare Rekordstand und überflutete rund 500 Häuser im Mattequartier.

Beinahe die Hälfte der Alpennordseite erhielt vom 11.-14. Mai mehr als 100 l/m2 Regen. Stark betroffen waren das Simmen- und das Kandertal. Bei den vergleichbaren Frühlingsregen vom 6.-9. Mai 1985 und 20.-23. Juni 1973 schneite es hingegen oberhalb etwa 1500 m.

Hauptursache für die Hochwasser waren die extremen Niederschläge. Ungünstig wirkte sich aus, dass die Böden nach dem regenreichen April und durch schmelzenden Schnee durchnässt waren. Die direkte Schneeschmelze spielte gemäss Landeshydrologie eine untergeordnete Rolle. Aus Gebieten mit geringeren Regenfällen (oberes Rheintal, Rhonetal, Haslital) wurden vorerst auch keine kritischen Situationen bekannt.


Phase 3: Neue Starkregen am Alpennordhang, in Vorarlberg und in Bayern vom 20.-22. Mai

Ein neues Tief mit sehr feuchter Luft beeinflusste vom 20.-22. Mai den zentralen und östlichen Alpenraum. Nördliche Höhenwinde drückten diese Luftmassen gegen die Alpen. Dies hatte erneut extreme Stauregen zur Folge.

 

wetteruebersicht 22.mai 1999
In der Schweiz fiel vom Glarnerland bis ins Alpsteingebiet lokal über 100 l/m2 Regen. Dadurch entstand erneut gefährliches Hochwasser am Linthkanal und im Toggenburg. Extreme Regenfälle in Vorarlberg liessen auch den Oberrhein hoch anschwellen. Am 24. Mai erreichte deshalb der Bodensee den höchsten Stand seit 1890 und setzte Teile der umliegenden Gemeinden tief unter Wasser. Andernorts bedrohten Erdrutsche Ortschaften (Sörenberg, Weesen) oder zerstörten Bahnlinien (Prättigau, Brünig). In Bristen/UR wurde ein Chalet in die Tiefe gerissen. Ein Tourist fand dabei den Tod. Auch in Südbayern kam es nach Dammbrüchen zu grossen Überschwemmungen und vier Todesopfern.


Sinkende Pegel erst nach vielen Wochen

Kurz vor Mitte Juni begannen die Pegel der Seen unerwartet stark zu sinken. Am 12./13.6.1999 lag der Pegel des Thunersees erstmals wieder seit Mitte Mai unter der Schadensgrenze. Gleichzeitig sanken auch die Pegel des Bodensees und des Zürichsees.

 

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