MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

30. September 2002 / MeteoSchweiz

 

Dauerniederschläge

 

Aktives Tiefdruck-Regenwetter vom 19. - 25. September 2002

Beschreibung der Wetterlage


Donnerstag, 19.9.2002
Wetterbulletin (GRUB) vom 19.9.2002 (PDF-Dokument)
Am Donnerstag lag unser Land am Südrand einer flachen Tiefdruckrinne, die sich langsam von Deutschland gegen die Nordgrenze der Schweiz verlagerte. In der feuchtwarmen Meeresluft entwickelt sich schon am frühen Morgen erste, lokale Gewitterregen. In der zweiten Tageshälfte und in der Nacht entwickelten sich weitere Regenschauer, zum Teil auch Gewitter. Am meisten Regen wurde vom Zürichsee-Glarnerland bis zur Ostschweiz mit gemessen. Von Donnerstag 08h bis Freitag 08h gab es in Wädenswil 33, in Ebnat-Kappel 31 und in St. Gallen 27 Liter Regen pro Quadratmeter, in den anderen Regionen der Schweiz 5-15 L/Qm. Praktisch trocken blieb es auf der Alpensüdseite.

Freitag, 20.9.2002
Wetterbulletin (GRUB) vom 20.9.2002 (PDF-Dokument)
Am Freitag herrschte bei uns eine sogenannte Sattelpunktlage: Ein flaches Hoch lag über den Britischen Inseln sowie über dem östlichen Mittelmeer, dazwischen findet man auf der Bodenkarte eine flache Tiefdruckzone, die sich von der Biskaya-Spanien über Mitteleuropa bis nach Schweden erstreckte. Auf 500 hPa herrschte eine mässige, gestreckte Westströmung, die anhaltende mässig feuchte Luft heranführte. Von Freitag 08h bis Samstag 08h fielen vom Berner Oberland bis zur Ostschweiz erneut 5-15, vom Zürichsee bis zum Säntisgebiet-St.Gallen lokal 25 L/Qm. Aus der Region von Teufen wurden in einigen Häusern Keller überflutet. In der Nordwest- und Westschweiz, im Wallis und auf der Alpensüdseite gab es wenig, lokal gar keinen Regen. Die Schneefallgrenze lag immer noch um 3000 m, dementsprechend stiegen die Pegel der Flüsse bereits zum Teil an.

Samstag, 21.9.2002
Wetterbulletin (GRUB) vom 21.9.2002 (PDF-Dokument)
Am Samstag zog die Tiefdruckrinne über die Alpen nach Süden, vorübergehend hörte der Regen in den meisten Gebieten auf. Doch gegen Abend verschärfte sich die Lage wieder. Aus Norden verlagerte sich eine erste Kaltfront zur Deutschschweiz, wo sie kaum mehr weiter vorankam. In der Höhe führten Westwinde recht feuchte Luft heran. Durch die starke Windscherung ( unten Nordwind, in der Höhe Westwind ) wurden erneut starke Regenfälle ausgelöst und zwar wieder in den gleichen Regionen wie an den Vortagen. Vom Berner Oberland über die Zentralschweiz bis zum Säntisgebiet fielen vom Samstag 08h bis Sontag 08h erneut 20-35 L/QM, am meisten in Engelberg mit 38 L/QM. Im Mittelland fiel dagegen wenig oder in der Nordwestschweiz gar kein Regen. Aber auch vom Wallis über das Gotthardgebiet bis nach Graubünden wurden mit 5-10 L/Qm nur etwa ein Drittel der Mengen vom Alpennordrand gemessen. Der Grund dafür lag darin, dass die Winde in der Höhe weiterhin aus Westen wehten und sich nur an der ersten Kette des Alpennordrandes Stauniederschläge entwickelten. Entsprechend steigen die Pegel der Flüsse in diesen Einzugsgebieten markant an. In der Nacht auf Sonntag begann dann die Schneefallgrenze zu sinken und erreichte am Sonntag früh den Gipfel des Säntis ( 2500 m ).

Sonntag, 22.9.2002
Wetterbulletin (GRUB) vom 22.9.2002 (PDF-Dokument)
Nach einer kurzen Beruhigung am Sonntag tagsüber folgte in der Nacht auf Montag eine zweite, aktivere Kaltfront. In der Höhe weitete sich nämlich ein Trog mit viel Höhenkaltluft gegen Mitteleuropa aus, auf 500 hPa ist das Zentrum des Höhentiefs mit -26° um 12 UTC über Dänemark zu finden. Damit wurden neue, starke Regenfälle ausgelöst mit der praktisch gleichen Niederschlagsverteilung wie an den Vortagen. 20-40 L/Qm wurden vom Berner Oberland über die Innerschweiz bis zum Säntisgebiet-St.Gallen gemessen, am meisten mit 43 L/Qm in Meiringen. In den anderen Gebieten gab es 5-10 L/Qm, vom Tessin bis ins Oberengadin praktisch gar keinen Regen. Die Schneefallgrenze sank weiter und erreichte am Montag früh in der Nordostschweiz etwa 1300 m.

Montag, 23.9.2002
Wetterbulletin (GRUB) vom 23.9.2002 (PDF-Dokument)
Das Höhentief erreichte auf seinem Weg nach Süden am Montagmittag Süddeutschland, im Bodenfeld entwickelte sich das übliche Sekundärtief über Norditalien. Im Alpenraum baute sich in den unteren Luftschichten über den Alpen ein Staugradient auf, damit wurde anhaltend feuchte und hochreichende Polarluft gegen die Alpen geführt. Ergiebige Regenfälle dauerten in der ganzen Deutschschweiz an. Von Montag 08h bis Dienstag 08 h gab es an den meisten Orten 20-40 L/Qm Regen, am meisten auf dem Napf mit 51 sowie in Ebnat-Kappel mit 41 L/Qm. Richtung Westen und Süden nahmen die Regenmengen rasch ab, vom Genfersee über das Wallis bis zur Alpensüdseite waren sie mit 0-1 L/Qm unbedeutend. Die Schneefallgrenze lag weiterhin zwischen etwa 1100 und 1400 m.

Dienstag, 24.9.2002
Wetterbulletin (GRUB) vom 24.9.2002 (PDF-Dokument)
Das Höhentief wanderte bis über die Alpen nach Süden, am Dienstagmittag lag das Zentrum über Obeitalien. Mit einer zyklonalen ( tiefdruckbestimmten ) Nordostströmung dauerten nicht nur die Stauniederschläge am Alpennordrand an, sondern feuchte und etwas wärmere Luft in der Höhe sorgte auch in der übrigen Deutschschweiz für ähnliche Regenmengen wie am Vortag. In weiten Teilen der Deutschschweiz gab es von Dienstag 06h bis Mittwoch 06h erneut 20-40 L/Qm, vom Kanton Bern über das Gotthardgebiet bis Nordbünden 5-10 L/Qm, weiter südlich und westlich wenig oder gar keinen Regen. Die Schneefallgrenze sank in den regenreichen Regionen auf 600-800 m. Einerseits erreichte uns in den untersten Luftschichten die kälteste Luft aus Nordosten, dann aber sorgte auch noch Niederschlagsabkühlung für weiteres Absinken.

Zusammfassung der Regenmengen

( Regenmengen in mm oder Liter pro Quadratmeter von morgens 08h bis morgens 08h am nächsten Tag, also unter 19. ist z.B. die Regenmenge vom 19. 08h bis 20. 08h aufgeführt ).

 

Querschnitt Mittelland von Genf bis Güttingen am Bodensee

   19.20.21.22.23.24.total
         19.-24.
Genf  2.31.30.10.51.10.15.4
Pully-Lausanne  1.50.00.01.81.40.45.1
Payerne  1.40.03.43.47.75.020.9
Bern  0.56.52.26.619.713.549.0
Wynau  14.10.24.59.927.216.572.4
Zürich-Kloten  12.011.80.013.426.924.488.5
Tänikon  15.410.38.314.029.028.3105.3
Güttingen am Bodensee  13.827.32.413.714.422.694.2
Man sieht, wie gegen Osten hin nicht nur die Stauniederschläge vom 22.-24. mehr Regen brachte als im Westen sondern auch schon die feuchtwarme Gewitterphase am 19.-21.

 

Querschnitt Nord-Süd von Schaffhausen bis Locarno-Magadino

  19.20.21.22.23.24.total
        19.-24.
Schaffhausen 3.80.20.84.720.827.758.0
Zürich-MeteoSchweiz 15.06.82.313.627.719.484.8
Wädenswil 32.826.524.025.031.612.6152.2
Einsiedeln 22.87.921.131.134.836.1153.8
Engelberg 12.311.338.021.732.918.7134.9
Andermatt 1.26.52.29.719.113.652.3
Robiei im Maggiatal 1.51.61.10.30.10.00.3
Locarno-Magadino 0.00.00.30.00.00.00.3
Man erkennt, dass die stärksten Regenfälle an den Voralpen des Alpennordrandes ausgelöst wurden. Inneralpin wie im Urserental oder aber auch im Wallis oder in Graubünden gab es wesentlich weniger.

Die totale Regenmenge ( 19.-24. ) von 152 mm in Wädenswil entspricht 160% des Mittels im ganzen Monat September.


Septemberschnee

 

Am 25. Sept. 2002 wurden von den Messstationen der MeteoSchweiz folgende Totalschneemenge gemessen:

Adelboden1347 m/m10 cm
Grimsel-Hospiz1950 m/m36 cm
Andermatt1442 m/m18 cm
Einsiedeln910 m/m2 cm
Elm965 m/m4 cm
Säntis2500 m/m32 cm
St. Gallen779 m/m4 cm
Arosa1821 m/m7 cm
Weissfluhjoch2690 m/m15 cm
In den niederschlagsreichsten Regionen kann man also oberhalb von 2000-2500 m von Neuschneemengen 40-70 cm ausgehen. Die Mengen nehmen dann allerdings südwärts in den eigentlichen Hochalpen rasch ab. Grössere Schneemengen oberhalb 2000m in der zweiten Septemberhälfte sind allerdings nichts besonderes. Am 18. Sept. 2001 lagen beispielsweise auf dem Säntis 110, auf dem Guetsch beim Oberalp 10 und auf dem Weissfluhjoch 54 cm.

In Lagen von 800-1000m sind einige cm Schnee auf der Alpennordseite allerdings ein seltenes Ereignis. In St.Gallen auf 770 m/m wurde seit Messbeginn 1938 um diese Zeit noch nie eine Schneedecke gemessen ( bisher frühestes Datum 2 cm am 15.10.1960 ). Aber auch in Einsiedeln ( 910 m/m ) gab es bis am 25. Sept. erst einmal 2 cm Schnee ( 22.09.1931 ).
Inneralpin wie z.B. in Graubünden ist dagegen Septemberschnee bis in die Täler hinunter weniger selten ( Grund: zusätzliche Abkühlung der Luft durch starke Niederschläge ). So gab es am 6. September 1984 sogar in Chur auf knapp 600 m 4 cm Schnee, in Disentis auf 1190 m 24 cm!

 

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