MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

26. April 2007 / Thomas Schlegel, Ludwig Zgraggen, Claudio Defila, Peter Zbinden

 

Extreme Wärme und Trockenheit im April 2007 (Update 2.5.2007)

 

Extreme Temperaturverhältnisse und aussergewöhnliche Trockenheit kennzeichneten den April 2007. Schweizweit wurden die bisherigen Monatsmitteltemperatur-Rekorde aus dem Jahre 1865 für die Alpennordseite bzw. 1949 für die Alpensüdseite gebrochen. Der Temperaturüberschuss betrug im Mittel ca. 5.5 Grad, in erhöhten Lagen sogar 6-7.5 Grad. An einigen Stationen traten zudem die höchsten im Monat April gemessen Tagesmaximatemperaturen auf. In weiten Teilen der Schweiz fielen weniger als 30%, im Tessin und Engadin weniger als 20% des üblichen Niederschlags und an vielen Orten war es während praktisch des ganzen Monats trocken. Die spärlichen Niederschläge fielen meist in Form von Schauern oder Gewitter, weshalb sich lokal recht grosse Unterschiede ergaben. Als Folge der ungewöhnlich warmen Witterung im April hat sich die Vegetation rasant entwickelt. Allgemein beträgt der Vorsprung gegenüber dem langjährigen Mittelwert zwei bis drei Wochen.

 

Ursache für die lang andauernde stabile Wetterlage

Aufgrund ausgeprägter Hochdrucklagen über Mitteleuropa zogen die die atlantische Fronten, welche üblicherweise Niederschlag und kühleren Luftmassen mit sich führen, tendenziell im Norden Europas vorüber und betrafen den Alpenraum nicht. Ebenso unterdrückte der Hochdruckeinfluss über dem Kontinent und über den Gebirgen weitgehend die Bildung von Schauern und Gewittern. Weiter ist bemerkenswert, dass im Monat April üblicherweise die Strömung sehr variabel ist und ein häufiger Wechsel von Zufuhr polarer Luftmassen mit Zufuhr von subtropisch warmer und feuchter Luft aus Sektor Süd bis Südwest stattfindet. Erstere verursacht das im Volksmund bekannte, typisch wechselhafte Aprilwetter, letztere zeichnet für die grösste Häufigkeit von (Süd-)Föhnfällen im Monat April verantwortlich. Diese Wettertypen traten im April 2007 bis jetzt nur an einzelnen Tagen (Föhn) oder bis jetzt noch gar nicht (Aprilwetter) in Erscheinung.

 

Verbreitet neue Monatsmitteltemperatur-Rekorde

Über die ganze Schweiz betrachtet wies der bisherige April 2007 deutlich die wärmsten Monatsmitteltemperaturen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahre 1864 auf. Der bisherige Rekord aus dem Jahre 1865 wurde mit einer positiven Abweichung von ca. 5.5 Grad um mehr als 1.5 Grad übertroffen.

 

Temperaturverlauf April seit 1864

Grafik: Die Temperaturreihe der Schweiz für den Monat April setzt sich aus 12 repräsentativen Messreihen zusammen.

homogene_messreihenbildgross.gif, 33 KB

Monatstemperaturen ausgewählter Stationen

 

Messstation

 

Monatsmittel
April 2007

 

Abweichung zur

Norm 1961-1990

 

Bisheriger Rekord

 Basel  14.4 °C  5.3 °C  12.9 °C (1865)
 Davos  7.1 °C  5.8 °C  4.6 °C (1961)
 Engelberg  10.5 °C  6.0 °C  8.1 °C (1947)
 Genf  14.3 °C  5.3 °C  12.6 °C (1865)
 Lugano  15.6 °C  4.9 °C  14.2 °C (1949)
 Säntis  1.5 °C  6.2 °C  0.7 °C (1865)
 Segl-Maria  5.0 °C  5.2 °C  3.1 °C (1949)
 Sion  15.2 °C  5.8 °C  13.9 °C (1865)
 Zürich  13.9 °C  6.1 °C  11.9 °C (1865)
       

 

 

 

Keine flächenhaften neuen Tageshöchsttemperaturen

Es wurden für den Monat April auch sehr hohe Tagesmaxima gemessen. Diese bedeuteten allerdings für die meisten Orte keine Rekordwerte. In Zürich stieg das Thermometer schon mehrmals über 28 °C, so in den Jahren 1926, 1934, 1947, 1949 und 1968. Der Rekordwert liegt bei 31.3 °C aus dem Jahr 1934. Allerdings muss gesagt werden, dass die Tagesmaxima in früheren Jahren auf 490 m. ü.M., also rund 60 Meter tiefer als heute gemessen wurden. Zum anderen wurden die Tagesmaxima in Zürich in einer so genannten Wild’schen Hütte registriert. Dieser Hüttentyp kann es sich bei sonnigem und windstillem Wetter stark aufheizen, so dass die Temperaturwerte gegenüber den heutigen Aufstellungsbedingungen ca. 2-3 °C zu hoch liegen. Am heutigen Standort und mit aktuellen Aufstellungsbedingungen wäre 1934 statt 31.3 °C ca. 28-28.5 °C gemessen worden. Damit lag der diesjährige Höchstwert von 25.4 °C immer noch fast 3 °C unter dem „korrigierten“ Rekord. In Basel, wo früher ebenfalls in einer Wild’schen Hütte gemessen wurde, sieht es ähnlich aus. Das absolute Maximum liegt hier bei 30.5 °C, ebenfalls aus dem Jahr 1934. Mit heutigen Aufstellungsbedingungen ergäbe dies ca. 28.8-29.3 °C. Der Höchstwert in Basel im diesjährigen April betrug 27.3 °C, also ca. 1.5 °C tiefer als der absolute „korrigierte“ Rekord. Auch in Genf wurden mit 25.9 °C im April 2007 keine neuen Rekordwerte verzeichnet. Der bisherige Höchstwert von 27.6 °C datiert vom April 1904. Ebenfalls sehr deutlich waren die Verhältnisse in Lugano, wo die Temperaturen in früheren Jahren ebenfalls in einer Wild’schen Hütte gemessen wurden. Hier wurde 1949 31.4 °C gemessen. Am heutigen Standort und unter aktuellen Messbedingungen würde der Höchstwert ca. 28.5-29.0 °C betragen. Das Maximum im April 2007 von 25.8 °C lag damit ungefähr 3 °C tiefer als der bisherige „korrigierte“ Rekord.

 

Lang andauernde Trockenheit

Während gut drei Wochen traten um die Monatsmitte schweizweit keine oder höchstens unbedeutende Niederschläge auf. Eine derart lange Periode ohne Niederschläge ist ausgesprochen selten und für die meisten Gebiete der Alpennordseite rekordverdächtig. An vielen Stationen fielen auch zuvor nur wenige mm Niederschlag. Im Tessin und in Teilen des Wallis fiel sogar seit Anfang März kein flächendeckender Niederschlag mehr. Damit ging der April 2007 als einer der drei trockensten seit 1864 in die Jahrbücher ein. Trockener war auf der Alpennordseite sicher der April 1893, in der Westschweiz 1938, im Wallis 1865 und 1883 sowie auf der Alpensüdseite der April 1955, als gar kein Niederschlag registriert wurde! Die Auswirkungen der andauernden Trockenheit zeigten sich in Form von Waldbränden und in der Bewässerung von  Landwirtschaftskulturen. Ende des Monats traten gebietsweise Schauer oder Gewitter auf. Dadurch wurde die Trockenheit regional etwas entschärft.

 

Niederschlagsmessreihe Zürich seit 1864

Grafik: Niederschlagssummen für den Monat April, Messstation Zürich, seit 1864. Angegeben sind die fünf trockensten April.

Monatssummen der Niederschläge ausgewählter Stationen

 

Messstation Monatssumme
April 2007
Verhältnis zur Norm 1961-1990 Bisheriger Rekord
Basel 2.0 mm 3% 0.0 mm (1893)
Davos 20.3 mm 34% 13.3 mm (1946)
Engelberg 30.0 mm 25% 2.2 mm (1865)
Genf 23.1 mm 35 % 0.4 mm (1938)
Lugano 8.6 mm 6% 0.0 mm (1955)
Säntis 11.6 mm 5% 15.3 mm (1893)
Segl-Maria 1.2 mm 2% 0.6 mm (1983)
Sion 1.4 mm 4% 0.0 mm (1883)
Zürich 6.4 mm 7% 0.0 mm (1893)
       

 

Aussergewöhnliche Trockenperioden ausgewählter Stationen

 

Messstation Tage ohne Niederschlag April 2007 Bisheriger Rekord
Basel 23 Tage 45 Tage (März/April 1893)
Davos 22 Tage 21 Tage (März/April 1971)
Engelberg 24 Tage 13 Tage (April 1993)
Genf 22 Tage 35 Tage (März/April 1893)
Lugano 20 Tage 42 Tage (März/April 1893)
Säntis 13 Tage 25 Tage (März/April 1892)
Segl-Maria 22 Tage 40 Tage (März/April 1870)
Sion * 27 Tage 49 Tage (März/April 1885)
Zürich 22 Tage 45 Tage (März/April 1893)

Stationen mit * Periode

dauert noch an

   
     Stand 02.05.2007

 

Hinweis: Alle Stationen weisen seit mind. 1901 Daten auf. Um auch Perioden grösser 1 Monat zu erfassen, wurde die Suche auf den Zeitraum Ende März/Anfang Mai ausgedehnt.

 

Die Vegetation entwickelt sich im Rekordtempo

Als Folge der ungewöhnlich warmen Witterung im April hat sich die Vegetation rasant entwickelt. Allgemein beträgt der Vorsprung gegenüber dem langjährigen Mittelwert (die meisten Zeitreihen reichen bis in die Fünfzigerjahre zurück) zwei bis drei Wochen. Auch im Vergleich mit dem Vorjahr ist die Vegetationsentwicklung dieses Jahr rund zwei Wochen früher. In verschiedenen Regionen der Schweiz sind viele phänologische Phasen wie Blühtermine oder die Blattentfaltung seit Beobachtungsbeginn noch nie so früh eingetreten. So zum Beispiel die Blattentfaltung der Rosskastanien, die Blüte des Löwenzahns oder der Nadelaustrieb der Lärchen. Auch Obstbäume (Kirschen, Birnen oder Äpfel) blühen dieses Jahr bis zu drei Wochen früher als in „normalen“ Jahren. Besonders bemerkenswert ist die Blattentfaltung der Rotbuche. Die Buchenwälder sind bis in Höhenlagen von rund 1000 m/M bereits grün. Teilweise beträgt die Abweichung von Mittelwert bis zu drei Wochen. Da die zeitlichen Schwankungen bei der Blattentfaltung der Buchen von Jahr zu Jahr nur klein sind, erstaunt dieses Resultat umso mehr. Entsprechend konnten bei zahlreichen Beobachtungsstationen neue Rekordwerte registriert werden. In höheren Lagen wurden die alten Rekorde bis zu einer Woche übertroffen.

 Obschon erst wenige Meldungen zur Blüte der Rosskastanien und der Margeriten vorhanden sind, zeichnen sich auch hier Rekordwerte ab. Der Vorsprung gegenüber dem langjährigen Mittel beträgt ebenfalls etwa drei Wochen und die alten Rekorde wurden um bis zu zehn Tage übertroffen. Da wir von nur 40 Beobachtungsstationen von insgesamt 160 Stationen Sofortmeldungen erhalten, kann erwartet werden, dass auch bei den übrigen 120 Beobachtungsstationen viele ausserordentliche Ereignisse eingetreten sind. Diese Meldungen erhalten wir aber erst am Ende der Vegetationsperiode.

 Es muss aber beachtet werden, dass aufgrund von extremen Einzeljahren noch keine Rückschlüsse auf einen allgemeinen Trend gemacht werden dürfen. Doch Auswertungen von zahlreichen phänologischen Zeitreihen beweisen, dass der phänologische Frühling in den letzten etwa 50 Jahren einen deutlichen Trend zu immer früheren Eintrittsterminen bei der Blüte und Blattentfaltung verschiedener Pflanzen von 15 bis 20 Tagen aufweist. Da die phänologischen Frühlingsphasen sehr stark von den Temperaturen beeinflusst werden, zeigt dieser Trend sehr schön den Einfluss der aktuellen Klimaerwärmung auf die Vegetationsentwicklung.

 

Weitere Informationen zum Fachgebiet Phänologie

 

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