15. Oktober 2005 / Michael Kasper
Ein kräftiges Hoch liegt seit nunmehr über einer Woche über Mitteleuropa und Skandinavien. An seiner Westflanke wird warme Luft nach Island gesteuert, im Gegenzug fliesst östlich des Hochs kalte Luft vom Nordmeer nach Finnland und Russland nach Süden. So wurden am Samstag, 15. Oktober 2005 in Island relativ milde 12 Grad gemessen, währenddem im nördlichen Finnland erste Schneeschauer auftraten. Der Alpenraum hingegen liegt mitten im Hoch, und es herrscht eine typische Inversionslage mit Nebel im Mittelland und sehr trockener und milder Luft in den Bergen, was im Radiosondenaufstieg von Payerne gut zu erkennen ist:
Bild 1: Radiosondenaufstieg Payerne, 15. Oktober 2005, 14 Uhr. Je grösser der Abstand zwischen Taupunkt (weisse Kurve) und Temperatur (rote Kurve) ist, umso trockener ist die Schichtung.
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Markante Singularität:
Diese anhaltende Schönwetterlage wird bei uns auch als Altweibersommer bezeichnet, welcher fast regelmässig zwischen Mitte September und Mitte Oktober vorkommt. Eine Untersuchung von MeteoSchweiz zeigt vom 11. bis 17 Oktober eine der markantesten Singularitäten des ganzen Jahres. Man erkennt eine extreme Häufung von mildem Herbstwetter mit viel Sonne und sehr wenigen Regentagen.
Im Mittelland hingegen bildet sich aufgrund der länger werdenden Nächte verbreitet Nebel, welcher sich jeweils erst am Mittag oder Nachmittag auflockert. Auf dem Satellitenbild vom 15. Oktober 2005, mittags ist das Nebelmeer im Mittelland sowie in Teilen der Zentralschweiz mit einer Obergrenze von 900-1000 Metern über Meer wunderbar zu erkennen:
Bild 2: Satellitenbild vom 15. Oktober 2005, 12 Uhr Lokalzeit. HRV-Kanal
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Aufgrund der im Hoch absinkenden und sich dabei erwärmenden Luftmasse (Subsidenz) sind in mittleren Lagen der Alpentäler sowie in den Bergen recht hohe Temperaturen gemessen worden: So stieg das Quecksilber im bündnerischen Disentis auf 1200 Meter auf +20.1 Grad, während im nebligen Mittelland örtlich kaum mehr als 12 Grad gemessen wurden.
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Auf dem Jungfraujoch auf 3580 Meter wurden bereits am 14. des Monats +6.4 Grad gemessen, was für einen Oktobertag der vierthöchste Wert seit Messbeginn 1933 bedeutet. Die höchste Oktobertemperatur wurde am 9.10.1995 mit 7.1 Grad registriert.
Bild 3: Herbststimmung bei Klosters/GR, 14. Oktober 2005; Foto: Michael Kasper
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Goldener Herbst
Die ausgesprochen trockenen Luftmassen sorgen für hervorragende Sichtverhältnisse in den Bergen. Zusammen mit der Verfärbung der Wälder kann man auch von einem goldenen Oktober sprechen, wie das nebenstehene Foto von einem Laubwald zeigt.