MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

01. Februar 2010 / Stephan Bader, Daniel Gerstgrasser

 

Ausgeprägter Flachlandwinter

 

Die Schweiz erlebte den kältesten Januar seit 23 Jahren. Im Vergleich zur Norm 1961-90 war der Monat über die ganze Schweiz gemittelt 1.7 Grad zu kalt. Die Temperaturen von Tag zu Tag erreichten zwar keine extrem tiefen Werte, blieben aber während eines grossen Teils des Monats unterdurchschnittlich. Letztmals deutlich kälter war der Januar 1987 mit einer Abweichung von -3.0 Grad, gemittelt über die ganze Schweiz.

Monatsflash Januar 2010

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Zudem zeigte der kälteste Januar seit 1987 verschiedene interessante Details, auf die hier noch etwas näher eingegangen werden soll. Weiter interessiert natürlich die Frage, ob der Hochwinter weiterhin Bestand haben wird. Eine Einschätzung dazu finden Sie am Schluss des Beitrags.

 

Bodenwetterkarte mit Fronten vom 16. Januar 2010, 12 UTC

Bild 1: Bodenwetterkarte mit Fronten vom 16. Januar 2010, 12 UTC. Die vom atlantischen Tief gesteuerten Fronten erreichen den Alpenraum in abgeschwächter Form. Weitere Erklärungen im Text.

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Wetterlage

Der Januar 2010 zeichnete sich (wie teilweise bereits der Dezember) durch eine sich immer wieder regenerierende blockierte Wetterlage aus. Die Bodenwetterkarte vom 16. Januar 2010 im Bild 1 soll dies veranschaulichen: Das kräftige Kaltlufthoch mit Zentrum über Russland blockiert die Westströmung und lenkt diese nach Nordosten sowie nach Südosten um. Die vom Atlantik heranziehenden Frontensysteme werden dabei abgeschwächt und in weiterer Folge aufgelöst.

 

Die Schweiz lag dabei häufig in der Übergangszone zwischen der milden Atlantikluft und der kontinentalen Kaltluft. Dies ist mit ein Grund für die zwar meist schwachen aber wiederholten Schneefälle bis in tiefe Lagen. Zudem wurde im Mischungsbereich der erwähnten Luftmassen mehrmals und oft auf kurzer Distanz Niederschlag in den verschiedensten Aggregatszuständen beobachtet (gefrierender Regen, gefrierender Nieselregen, Schnee, Schneeregen, Eiskörner). Die milde Luftmasse konnte sich dabei jeweils nur kurz durchsetzen.

 

Bodenwetterkarte mit Fronten vom 28. Januar 2010, 12 UTC

Bild 2: Bodenwetterkarte mit Fronten vom 28. Januar 2010, 12 UTC. Im Vergleich zum 16. Januar erfolgte eine grossräumige Umstellung - das Hoch und das Tief haben den Platz getauscht.

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Zum Monatsende erfolgte eine markante Umstellung der Wetterlage. Das Russlandhoch wurde durch ein Tief ersetzt, und auf dem Atlantik hat sich eine ausgeprägte Hochdruckzelle gebildet (Bild 2). Damit gelangten aus Nordwesten feuchte und zunehmend arktische Luftmassen zur Schweiz. Wiederholte und in den Staulagen teils auch ergiebige Schneefälle waren die Folge.

 

3-tägige Neuschneesummen der Stationen des SLF und von MeteoSchweiz

Bild 3: 3-tägige Neuschneesummen der Stationen des SLF und von MeteoSchweiz vom Morgen des 29. bis am Morgen des 31. Januar 2010.

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Kräftige Schneefälle zum Monatsende

Vor allem ab dem 27. Januar 2010 zogen immer wieder Staffeln mit Schneeschauern durch, diese stauten sich an den Voralpen. Auffallend waren dabei die grossen Unterschiede der Schneehöhen auf kurzer Distanz. Staueffekte an den Hügelzügen des Mittellandes und an den Voralpen sowie der zeitweise konvektive Niederschlagscharakter waren dafür verantwortlich. Die Karten mit den 3-tägigen Neuschneesummen sowie die mit Hilfe der Radarstationen gemessenen Niederschläge zeigen die Staueffekte sehr anschaulich (Bilder 3 und 4). Aufgrund der eher schwachen Höhenwinde lag das Niederschlagsmaxium an der ersten Voralpenkette. Gegen die inneralpinen Regionen hin nehmen die Neuschneemengen markant ab. Anhand der Beobachterdaten lag das Niederschlagsmaximum in der Zentralschweiz von der Rigi über Stoos/Fronalpstock bis nach Unteriberg. Hier muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Punktmessungen nicht alle lokalen/regionalen Maxima erfassen.

 

3-tägige Niederschlagssumme anhand der Radardaten

Bild 4: 3-tägige Niederschlagssumme anhand der Radardaten, für den selben Zeitraum wie in Bild 3.

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Anzahl Tage mit messbarem Neuschnee im Januar an der Messstationen Zürich und Basel (1931-2010) sowie Einsiedeln (1908-2010)

Bild 5: Anzahl Tage mit messbarem Neuschnee im Januar an der Messstationen Zürich und Basel (1931-2010) sowie Einsiedeln (1908-2010).

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Die Radarbilder müssen vor allem im Winterhalbjahr vorsichtig interpretiert werden. Dafür gibt es unter anderem folgende Gründe:

 

  • Die drei Radaranlagen La Dôle, Albis und Monte Lema erfassen aufgrund von Abschattungseffekten der Berge die inneralpinen Regionen nur schlecht (vor allem Wallis und Graubünden). 
  • Bei sehr tiefen Temperaturen stammt der Grossteil der Niederschläge aus den untersten Luftschichten. Damit werden die Niederschläge in grösserer Entfernung vom Radar nur noch unzureichend erfasst, da der Radarstrahl oberhalb des Niederschlags durchgeht.
  • Die Bestimmung der Niederschlagsmenge anhand des reflektierten Radarsignals ist komplex und vor allem bei Schneefall mit gewissen Fehlern behaftet

 

Aufgrund der flächendeckenden Niederschlagerfassung sind die Daten trotz der erwähnten Einschränkungen sehr wertvoll und hilfreich. Die Region mit den grössten Neuschneemengen befindet sich in den zentralen und östlichen Voralpen. Zudem sind weitere Luv- und Lee-Effekte erkennbar, so beispielsweise im Schwarzwald/D und an den südlichen Ausläufern der Vogesen/F.

 

 

 

 

 

 

Rekord bei den Neuschneetagen

Vor allem in den östlichen Teilen des Flachlands schneite es ungewöhnlich häufig, wobei jedoch die Mengen eher gering blieben. Bereits in der ersten Monatshälfte wurde an der Messstation Zürich praktisch jeden zweiten Tag Neuschnee registriert. Ab dem 24. Januar bis zum Monatsende gehörte hier Neuschnee zur Tagesordnung.

 

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Die Anzahl Tage mit messbarem Neuschnee summierte sich im Januar 2010 an der Messstation Zürich schliesslich auf 16. Noch nie wurden in Zürich im Januar mehr Tage mit Neuschnee registriert. Die Schneemessreihe von Zürich reicht zurück bis ins Jahr 1931.

In Basel lag im Januar 2010 an 11 Tagen eine Neuschneedecke. Dies ist der zweithöchste Wert seit Messbeginn. Nur im Januar 1945 gab es hier an 12 Tagen messbaren Neuschnee. Die Schneemessreihe von Basel reicht ebenfalls zurück bis ins Jahr 1931.

In Einsiedeln schliesslich wurden in diesem Januar 17 Tage mit Neuschnee registriert. Die 111jährige Messreihe zeigt nur fünf Jahre mit mehr Neuschneetagen im Januar. Das Maximum erreichte der Januar 1986 mit 22 Neuschneetagen.

 

Wahrscheinlichkeitsprognose des Temperaturverlaufs auf etwa 1500 Metern in der freien Atmosphäre über Zürich

Bild 6: Wahrscheinlichkeitsprognose (Ensembleprognose) des Temperaturverlaufs in einer Höhe von etwa 1500 Metern in der freien Atmosphäre über Zürich. Bis am Donnerstag (4.2.) steigt die Temperatur schubweise bis auf etwa +4 Grad an, auf Freitag (5.2.) erreichen uns mit einer Störung kältere Luftmassen. Bis dahin verläuft die Temperaturkurve in einem schmalen Band, das bedeutet eine hohe Vorhersagegüte. Ab Sonntag (7.2.) weisen die verschiedenen Modellrechnungen eine grosse Spannbreite auf. Dies ist ein Hinweis für eine sehr unsichere Wetterentwicklung.

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Wie geht das (Winter-)wetter weiter?

Am Morgen des 1. Februar wurde vorerst der Tiefpunkt der Temperaturen erreicht. Im Mittelland lagen die Werte am Morgen vor allem gegen Westen hin bei -10 bis -15°C. In La Brévine, dem Sibirien der Schweiz, wurde mit -35.6°C der bisher tiefste Wert des laufenden Winters erreicht. Temperaturen von unter -35°C wurden an dieser Station letztmals im Dezember 2005 und im Februar 2003 aufgezeichnet.

 

In den kommenden Tagen werden diese Werte nicht mehr erreicht, im Gegenteil: In der zweiten Tageshälfte des Montags und in der Nacht auf den Dienstag (2. Februar 2010) bringt eine Niederschlagsstaffel zwar auch dem Flachland noch einmal 2-10 cm Neuschnee, bereits in der Nacht auf den Mittwoch (3. Februar 2010) sorgt böig auffrischender Südwestwind für die Zufuhr von markant milderen Luftmassen atlantischen Ursprungs. Der im Mittelland liegende Kaltluftsee wird allmählich ausgeräumt. Die Milderung geht an den Folgetagen weiter, im Mittelland dürfte die Schneedecke rasch verschwinden.

 

Nach den neusten Modellrechnungen ist die Entwicklung bis am Freitag (5. Februar 2010) ziemlich sicher. In der Folge sind sich die verschiedenen Modellberechnungen aber uneinig. Im Moment ist unklar, ob sich erneut Kaltluft durchsetzt oder ob die mildere Wetterphase noch länger andauert (s. Bild 6). 

 

Stand: Montag, 1. Februar 2009, mittags

 

Winterbilder

Die Bilder stammen vom Samstag, 30. Januar 2010 und wurden auf der Albiskette/ZH zwischen Buechenegg und Balderen (700-800 m) sowie bei Hombrechtikon/ZH gemacht. Auf der Albiskette lagen etwa 30 bis 40 cm Schnee, der starke Westwind hat für grössere Schneeverwehungen gesorgt. (Fotos D. Gerstgrasser, S. Bader)

 

     
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