Die Schweiz erlebte den kältesten Januar seit 23 Jahren. Im Vergleich zur Norm 1961-90 war der Monat über die ganze Schweiz gemittelt 1.7 Grad zu kalt. Die Temperaturen von Tag zu Tag erreichten zwar keine extrem tiefen Werte, blieben aber während eines grossen Teils des Monats unterdurchschnittlich. Letztmals deutlich kälter war der Januar 1987 mit einer Abweichung von -3.0 Grad, gemittelt über die ganze Schweiz.
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Bild 1: Bodenwetterkarte mit Fronten vom 16. Januar 2010, 12 UTC. Die vom atlantischen Tief gesteuerten Fronten erreichen den Alpenraum in abgeschwächter Form. Weitere Erklärungen im Text.
gross.png, 322 KBWetterlage
Der Januar 2010 zeichnete sich (wie teilweise bereits der Dezember) durch eine sich immer wieder regenerierende blockierte Wetterlage aus. Die Bodenwetterkarte vom 16. Januar 2010 im Bild 1 soll dies veranschaulichen: Das kräftige Kaltlufthoch mit Zentrum über Russland blockiert die Westströmung und lenkt diese nach Nordosten sowie nach Südosten um. Die vom Atlantik heranziehenden Frontensysteme werden dabei abgeschwächt und in weiterer Folge aufgelöst.
Die Schweiz lag dabei häufig in der Übergangszone zwischen der milden Atlantikluft und der kontinentalen Kaltluft. Dies ist mit ein Grund für die zwar meist schwachen aber wiederholten Schneefälle bis in tiefe Lagen. Zudem wurde im Mischungsbereich der erwähnten Luftmassen mehrmals und oft auf kurzer Distanz Niederschlag in den verschiedensten Aggregatszuständen beobachtet (gefrierender Regen, gefrierender Nieselregen, Schnee, Schneeregen, Eiskörner). Die milde Luftmasse konnte sich dabei jeweils nur kurz durchsetzen.
Bild 2: Bodenwetterkarte mit Fronten vom 28. Januar 2010, 12 UTC. Im Vergleich zum 16. Januar erfolgte eine grossräumige Umstellung - das Hoch und das Tief haben den Platz getauscht.
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Bild 3: 3-tägige Neuschneesummen der Stationen des SLF und von MeteoSchweiz vom Morgen des 29. bis am Morgen des 31. Januar 2010.
http://www.slf.chgross.gif, 90 KBKräftige Schneefälle zum Monatsende
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Bild 4: 3-tägige Niederschlagssumme anhand der Radardaten, für den selben Zeitraum wie in Bild 3. gross.png, 54 KBBild 5: Anzahl Tage mit messbarem Neuschnee im Januar an der Messstationen Zürich und Basel (1931-2010) sowie Einsiedeln (1908-2010). gross.gif, 87 KB |
Die Radarbilder müssen vor allem im Winterhalbjahr vorsichtig interpretiert werden. Dafür gibt es unter anderem folgende Gründe:
Aufgrund der flächendeckenden Niederschlagerfassung sind die Daten trotz der erwähnten Einschränkungen sehr wertvoll und hilfreich. Die Region mit den grössten Neuschneemengen befindet sich in den zentralen und östlichen Voralpen. Zudem sind weitere Luv- und Lee-Effekte erkennbar, so beispielsweise im Schwarzwald/D und an den südlichen Ausläufern der Vogesen/F.
Rekord bei den NeuschneetagenVor allem in den östlichen Teilen des Flachlands schneite es ungewöhnlich häufig, wobei jedoch die Mengen eher gering blieben. Bereits in der ersten Monatshälfte wurde an der Messstation Zürich praktisch jeden zweiten Tag Neuschnee registriert. Ab dem 24. Januar bis zum Monatsende gehörte hier Neuschnee zur Tagesordnung.
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Die Anzahl Tage mit messbarem Neuschnee summierte sich im Januar 2010 an der Messstation Zürich schliesslich auf 16. Noch nie wurden in Zürich im Januar mehr Tage mit Neuschnee registriert. Die Schneemessreihe von Zürich reicht zurück bis ins Jahr 1931. In Basel lag im Januar 2010 an 11 Tagen eine Neuschneedecke. Dies ist der zweithöchste Wert seit Messbeginn. Nur im Januar 1945 gab es hier an 12 Tagen messbaren Neuschnee. Die Schneemessreihe von Basel reicht ebenfalls zurück bis ins Jahr 1931. In Einsiedeln schliesslich wurden in diesem Januar 17 Tage mit Neuschnee registriert. Die 111jährige Messreihe zeigt nur fünf Jahre mit mehr Neuschneetagen im Januar. Das Maximum erreichte der Januar 1986 mit 22 Neuschneetagen.
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Bild 6: Wahrscheinlichkeitsprognose (Ensembleprognose) des Temperaturverlaufs in einer Höhe von etwa 1500 Metern in der freien Atmosphäre über Zürich. Bis am Donnerstag (4.2.) steigt die Temperatur schubweise bis auf etwa +4 Grad an, auf Freitag (5.2.) erreichen uns mit einer Störung kältere Luftmassen. Bis dahin verläuft die Temperaturkurve in einem schmalen Band, das bedeutet eine hohe Vorhersagegüte. Ab Sonntag (7.2.) weisen die verschiedenen Modellrechnungen eine grosse Spannbreite auf. Dies ist ein Hinweis für eine sehr unsichere Wetterentwicklung.
gross.png, 46 KBWie geht das (Winter-)wetter weiter?
Am Morgen des 1. Februar wurde vorerst der Tiefpunkt der Temperaturen erreicht. Im Mittelland lagen die Werte am Morgen vor allem gegen Westen hin bei -10 bis -15°C. In La Brévine, dem Sibirien der Schweiz, wurde mit -35.6°C der bisher tiefste Wert des laufenden Winters erreicht. Temperaturen von unter -35°C wurden an dieser Station letztmals im Dezember 2005 und im Februar 2003 aufgezeichnet.
In den kommenden Tagen werden diese Werte nicht mehr erreicht, im Gegenteil: In der zweiten Tageshälfte des Montags und in der Nacht auf den Dienstag (2. Februar 2010) bringt eine Niederschlagsstaffel zwar auch dem Flachland noch einmal 2-10 cm Neuschnee, bereits in der Nacht auf den Mittwoch (3. Februar 2010) sorgt böig auffrischender Südwestwind für die Zufuhr von markant milderen Luftmassen atlantischen Ursprungs. Der im Mittelland liegende Kaltluftsee wird allmählich ausgeräumt. Die Milderung geht an den Folgetagen weiter, im Mittelland dürfte die Schneedecke rasch verschwinden.
Nach den neusten Modellrechnungen ist die Entwicklung bis am Freitag (5. Februar 2010) ziemlich sicher. In der Folge sind sich die verschiedenen Modellberechnungen aber uneinig. Im Moment ist unklar, ob sich erneut Kaltluft durchsetzt oder ob die mildere Wetterphase noch länger andauert (s. Bild 6).
Stand: Montag, 1. Februar 2009, mittags
Winterbilder
Die Bilder stammen vom Samstag, 30. Januar 2010 und wurden auf der Albiskette/ZH zwischen Buechenegg und Balderen (700-800 m) sowie bei Hombrechtikon/ZH gemacht. Auf der Albiskette lagen etwa 30 bis 40 cm Schnee, der starke Westwind hat für grössere Schneeverwehungen gesorgt. (Fotos D. Gerstgrasser, S. Bader)













