MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

19. September 2011 / Michael Kasper

 

Wintereinbruch nach sehr milder erster Septemberhälfte

 

Update vom 20.9. um 01 Uhr

In Sils-Maria im Oberengadin wurde seit Messbeginn im September nur einmal mehr Neuschnee gemessen. Sta. Maria im Münstertal hatte ebenfalls erst einmal mehr Neuschnee. Die gemessenen 39 cm in Arosa sowie die 27 cm in Davos reihen sich für den September an 4. Stelle ein.

 

Auflistung der grössten September-Neuschneemengen seit Messbeginn

Ort

Höhe

Messreihe

Sils-Maria

1798 m

seit 1864

Arosa

1840 m

seit 1890

Sta. Maria

1390 m

seit 1931

Davos

1594 m

seit 1931

 
Rang 1

40 cm

30.9.1973

44 cm

21.9.1979

4 cm

30.9.1957

34 cm

21.9.1979

 
Rang 2

35 cm

18.9.2011 und

21.9.1979

42 cm

11.9.1899

 

3 cm

18.9.2011 und

30.9.1973

30 cm

26.9.1974

 

 
Rang 3  

40 cm

19.9.1897

 

29 cm

13.9.1996

 
Rang 4

28 cm

19.9.1916

 

39 cm

18.9.2011

 

2 cm

10.9.1976 und

28.9.1952

27 cm

18.9.2011

 

 

 

Update vom Montag, 19.9. um 13 Uhr

 

Aussergewöhnliche Septemberschneefälle und Rekordniederschlag

Mit der Kaltfront vom Sonntag trafen die erwarteten starken Schneefälle in den Bergen ein. Am stärksten schneite es in der Nacht auf Montag in Teilen Graubündens. Dabei sank die Schneefallgrenze kurzzeitig auf etwa 800 Meter. Die Folge waren diverse Streckenunterbrüche auf Strassen und Schienen wegen umgestürzten Bäumen.

 

Aussergewöhnlich grosse Neuschneemengen fielen im Oberengadin sowie in Nord- und Mittelbünden. In St. Moritz lagen heute morgen 45 cm, in Arosa waren es 39 cm und in Davos 27 cm.

 

Auch die innert 24 Stunden gefallenen Niederschlagsmengen sind für den September einmalig. In Davos waren es 73.0 Liter pro Quadratmeter, so viel wie noch nie seit 1901 im September. In Sta. Maria im Münstertal fielen 100.7 Liter pro Quadratmeter, die Höchste je gemessene Tagessumme seit 1901.

 

Schaut man in die Vergangenheit, so findet man zwei ähnliche Extremereignisse:

 

  • 21.9.1979
  •   5.9.1984

 

Nachfolgend eine Auflistung der gemessenen Neuschneehöhen (Beobachter vom SLF und MeteoSchweiz) am Montagmorgen um ca. 8 Uhr, im Vergleich mit den vergangenen ähnlichen Fälle:

 

Ort

Höhe

Neuschneehöhen im Vergleich

Ort Höhe 18.9.2011 21.9.1979 5.9.1984
St. Moritz 1890 m 45 cm ---- ----
Weissfluhjoch 2540 m 41 cm 42 cm 39 cm
Innerglas 1820 m 40 cm ---- ----
Arosa 1818 m 39 cm 44 cm 36 cm
Sils-Maria 1798 m 35 cm 35 cm   7 cm
Buffalora 1970 m 34 cm 25 cm   9 cm
Motta Naluns 2150 m 32 cm ---- ----
Samedan 1750 m 29 cm ---- ----
Davos 1560 m 27 cm 34 cm 25 cm
Splügen 1457 m 19 cm ---- ----
Innerferrera 1460 m 18 cm ---- ----
Sedrun 1420 m   5 cm 5 cm 24 cm
Sta. Maria 1390 m   3 cm 0 cm 0 cm
Chur   556 m   0 cm 6 cm 4 cm

 

Niederschlagssummenkarte.gif, 40 KB

 

19.9.2011: 27 cm Neuschnee in Davos, Foto: Gaudenz Flury

19.9.2011: 27 cm Neuschnee in Davos, Foto: Gaudenz Flury

gross.jpg, 286 KB

Update vom Sonntag, 18.9., 15 Uhr

 

Davos: Die Temperatur sinkt innert kurzer Zeit um 3 Grad auf den Gefrierpunkt, der Regen geht in Schnee über. Grund ist die hohe Niederschlagsintensität von bis zu 2 Liter pro Quadratmeter in 10 Minuten (Niederschlagsabkühlung).

Davos: Die Temperatur sinkt innert kurzer Zeit um 3 Grad auf den Gefrierpunkt, der Regen geht in Schnee über. Grund ist die hohe Niederschlagsintensität von bis zu 2 Liter pro Quadratmeter in 10 Minuten (Niederschlagsabkühlung).

gross.png, 58 KB
Temperaturverläufe von Bergstationen

Sonntag, 14 Uhr: gut 10 Grad kälter als vor 24 Stunden. Die Temperaturverläufe vom Pilatus, Säntis und Napf zeigen dies deutlich auf.

gross.png, 16 KB

Bericht vom Samstag, 17.9.2011

 

Am Sonntag, 18. September, erfasst eine kräftige Kaltfront den Alpenraum und beendet eine längeranhaltende Wetterperiode mit warmem Spätsommerwetter. In den Bergen erfolgt ein markanter Wintereinbruch. Die Schneefallgrenze sinkt auf etwa 1500 m, insbesondere in den östlichen Alpentälern mit intensiven Niederschlägen lokal auch tiefer. Winterliche Strassenverhältnisse sind auf den Alpenpässen zu erwarten.

 

Aussergewöhnlich milde erste Septemberhälfte

Die erste Septemberhälfte war geprägt von warmem Spätsommerwetter. Trotz mehreren Störungsdurchgängen wurde in allen Höhenlagen ein markanter Wärmeüberschuss von 3 bis 4 Grad registriert. Beispielsweise in Zürich war die Tagesmitteltemperatur an keinem Tag unterdurchschnittlich.

 

Abweichung der Tagesmitteltemperatur von der Norm für Bern (blau), Zürich (rot) und Chur (grün).

Abweichung der Tagesmitteltemperatur von der Norm für Bern (blau), Zürich (rot) und Chur (grün).

gross.png, 30 KB

Wetterumschlag mit Wintereinbruch in den Bergen

Diese Wärmeperiode wird jetzt abrupt unterbrochen, denn eine Kaltfront erfasst den Alpenraum und bringt am Sonntag einen markanten Temperatursturz. Insbesondere in den Bergen ist der Wetterumschlag nicht nur fühlbar, sondern auch sichtbar. Die Nullgradgrenze fällt innerhalb von weniger als 24 Stunden von 3500 m auf 2000 m ab. Dementsprechend sackt die Schneefallgrenze bis am Sonntagabend auf etwa 1500 m. Mit den erwarteten intensiven Niederschlägen dürfte diese vor allem in den östlichen Alpentälern kurzzeitig sogar tiefer sinken (Niederschlagsabkühlung) und mancherorts für eine weisse Überraschung sorgen.

 

Unsicherheit bei den zu erwartenden Niederschlagsmengen

Wieviel Neuschnee fällt bis auf welche Höhe?
Diese Frage ist momentan schwierig zu beantworten, denn die Schneefallgrenze hängt stark mit der Intensität der Niederschläge zusammen, und diese wird von den Wettermodellen momentan sehr unterschiedlich modelliert.
Das von MeteoSchweiz entwickelte hochaufgelöste Modell Cosmo7 berechnet am östlichen Alpennordhang sowie in Nord- und Mittelbünden 40 bis 80 Liter pro Quadratmeter. Nur halb soviel Niederschlag simuliert ein anderes wichtiges Vorhersagemodell, das ECMWF.
Auf 1500 bis 2000 Meter ist von wenigen Zentimetern bis zu einem halben Meter somit alles möglich. Ebenfalls offen bleibt, ob die Schneefallgrenze so extrem tief fällt wie es während ähnlichen Wettersituationen im 1979 oder 1984 der Fall war (siehe weiter unten).

 

Hier gelangen sie zur Gefahrenseite mit den aktuellen Wetterwarnungen

 

Update vom 18.9. 10 Uhr: Vergleich der Niederschlagsprognose, Cosmo7 und ECMWF

Update vom 18.9. 10 Uhr: Vergleich der Niederschlagsprognose, Cosmo7 und ECMWF

gross.png, 305 KB

Ähnliche Wetterfälle in früheren Jahren

Septemberschnee auf 1500 m ist nichts Aussergewöhnliches. Sucht man allerdings Ereignisse mit einer Schneedecke unterhalb von 1000 Meter, dann findet man nur ganz wenige Fälle. Die Messstation Chur registrierte im September erst zweimal eine messbare Neuschneemenge, in Elm war es seit 1959 sechsmal der Fall.

 

Wie geht es ab Montag weiter?

Hinter der Kaltfront vom Sonntag drehen die Winde in allen Höhen auf Nordwest. Feuchte Polarluft staut sich am Alpennordhang und bringt oberhalb 1800 m weitere, jedoch deutlich weniger intensive Schneefälle.
Ab Dienstag stellt sich dann wieder ruhiges hochdruckbestimmtes Frühherbstwetter ein.

 

Alp Surlej, 19.9. 08.00 Uhr

Ein knapper halber Meter Schnee oberhalb Silvaplana

Älpli, 19.9. 07.36 Uhr

Blick vom Älpli oberhalb Malans ins grüne Churer Rheintal

Feldis, 19.9. 07.30 Uhr

Nassschnee lastet auf den Bäumen in Feldis.

Arosa, 19.9. 7.31 Uhr

Hochwinterliches Erwachen in Arosa.

Gütsch, 18.9. 14.40 Uhr

Im Urserental auf dem Gütsch ob Andermatt setzt der Schnee langsam an.

Flüelapass, 18.9. 10.40 Uhr

Flüelapass, 18.9., 10.40 Uhr

FrançaisItalianoEnglish Über uns Shop
       
Allgemeine Lage Detailprognose Aktuelles Wetter Ozonschicht Gesundheit Vegetationsentwicklung Modellvorhersagen Spezialprognosen Wetterereignisse Wetterrückblick Tagesaktualität
Klima Schweiz Klima heute Klima morgen Klima international Messsysteme Klima Berichte
Produkte A-Z Aviatik Bau- & Landwirtschaft Strassen Outdoor Beratung Datenportal Energie Tourismus Versicherungen Öffentliche Verwaltungen Schulen & Universitäten Telefon, Fax, SMS Homepage
Forschung & Entwicklung Publikationen Veranstaltungen Konsortien Aktuelle Projekte Abgeschlossene Projekte
Gefahren Wochenvorhersage Unwetterbulletin Zusatzinformationen Kantone