MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

22. November 2008 / Eugen Müller, Adrian Stolz

 

Ausgeprägte Nordlage sorgt für Wintereinbruch (ergänzt am 24. November 2008)

 

Wetterlage

Zu Wochenbeginn (17./18. November) entstand über Skandinavien ein Tiefdrucksystem, das rasch an Umfang gewann und die Rolle eines steuernden Zentraltiefs übernahm. Weitere Zyklonen, die von Island kommend ostwärts zogen, wurden in die Zirkulation des Tiefdrucksystems über Skandinavien einbezogen und trugen zu dessen Intensivierung bei. Gleichzeitig wurde an der Westflanke eines kräftigen Hochs über dem Atlantik Warmluft nach Norden zur Südspitze Grönlands geführt. Damit konnte sich die Frontalzone weiter verschärfen und den daran gekoppelten Jetstream verstärken. Zwischen dem erwähnten Hochdruckgebiet über dem Atlantik und dem Tiefdrucksystem über Skandinavien entstand eine starke Nordströmung, die nach Süden vorstiess und am Freitagabend auch die Alpen erreichte. Mit der Nordströmung floss frische Polarluft arktischen Ursprungs auf direktem Weg von Grönland über das Nordmeer nach Mitteleuropa. Aufgrund der hohen Strömungsgeschwindigkeit wurde die Luftmasse auf ihrem Weg über das Meer nur geringfügig erwärmt und konnte nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen.

 

Allgemeine Wetterlage

Wetterlage am Freitagnachmittag um 15 Uhr UTC. Schwarz: Isobaren Rot: Gebiete mit starkem Druckfall (vor der Front) Blau: Gebiete mit starkem Druckanstieg (hinter der Front)

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Temperaturverteilung auf 500 hPa

Temperaturverteilung auf 500 hPa (ca. 5300 Meter über Meer). Gut zu erkennen ist der starke Temperaturgradient über der Schweiz.

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Starker Wind

Die markante Kaltfront, die diesen Kaltluftausbruch anführte, erreichte am Freitagnachmittag (21.11.2008) die Alpennordseite. Im Vorfeld dieser Kaltfront frischte der Westwind stark auf. Die höchsten Böenspitzen wurden dabei vielerorts mit dem Durchgang der Kaltfront erreicht. Im Flachland wurden Windspitzen von 60 bis 80 km/h gemessen, an erhöhten Lagen bis 90 km/h. Mit dem Eindringen der Kaltluft in die Alpentäler und dem damit verbundenen starken Druckanstieg traten dort sogar Böenspitzen von 100 bis 120 km/h auf. Die stärksten Winde wurden allerdings auf den Bergen beobachtet, wo Böenspitzen von 130 bis 150 km/h gemessen wurden, auf dem Gornergrat sogar 183 km/h.

 

Druckverlauf, Windböen

Oben: Druckverlauf an den drei Messstationen Basel, Zürich und Chur. Gut zu erkennen ist der zeitliche Unterschied des Frontdurchgangs. Unten: Zeitlicher Verlauf der Böenspitzen. Auffällig sind die mit dem Druckanstieg verbundenen, kurz nach dem Frontdurchgang einsetzenden Böenspitzen in Chur.

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Jetstream genau über den Alpen

In der Nacht auf Samstag (22.11.2008) überquerte der Jetstream die Alpen südwärts. Dabei wurde im Mitternachtsaufstieg der Radiosonde von Payerne im Kernbereich des Jetstream eine beachtliche Windgeschwindigkeit von 320 km/h festgestellt! Dies ging einher mit der Ankunft der Höhenkaltluft, die am frühen Samstagmorgen sogar einzelne Gewitter auslöste.

 

Temperatursondierung Payerne

Temperatursondierung über Payerne am Freitag 12 Uhr UTC (grün) und am Samstag um 0 Uhr UTC (schwarz). Auffällig ist der markante Temperaturrückgang in den unteren 6 km der Troposphäre. Am rechten Rand der Grafik sind die Windgeschwindigkeiten dargestellt. Gut zu erkennen ist der sehr starke Jetstream in der Mitternachtssondierung.

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In den Bergen grössere Schneemengen

Mit dem Einfliessen der Kaltluft sank auch die Schneefallgrenze. Am Freitag befand sie sich tagsüber noch zwischen 1000 und 1500 m. Nach Durchgang der Kaltfront begann die Schneefallgrenze kontinuierlich zu sinken, bis sie in der Nacht auf Samstag auch die tiefsten Lagen erreichte.

Die Niederschläge waren aufgrund der Stauwirkung am Alpennordhang am ergiebigsten. Im Flachland hingegen liess der Niederschlag hinter der Kaltfront rasch nach, es folgten aber noch einige Staffeln mit Schauern bis in die Nacht auf Sonntag. Die Niederschlagsverteilung war dabei sehr unterschiedlich. Während es vielerorts praktisch aper blieb, wurden einige Gebiete, insbesondere in der Nordostschweiz sowie vom Juranordfuss gegen das Reusstal wiederholt mit Schneeschauern bedient (siehe Radar Niederschlagsakkumulationskarte). Bedeutend ergiebiger waren die Schneefälle hingegen entlang des Alpennordrands und insbesondere in den Alpen. Dort fielen bis am Sonntagmorgen 40 bis 80 cm Neuschnee, lokal auch mehr. Allerdings traten mit den starken bis stürmischen Nordwinden zum Teil bedeutende Schneeverfrachtungen auf.

 

3-Tages Neuschneesummen_MeteoSchweiz_SLF Sonntag, 23.11.08

3 Tagesneuschneesummen (SLF und MeteoSchweiz Beobachtermessungen), Sonntag, 23.11.08, 07 Uhr

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24-Std. Radar Niederschlagsakkumulation 22.11.08, 03 UTC bis 23.11.08, 03 UTC

24-Std. Radar Niederschlagsakkumulation 22. bis 23.11.08, 03 UTC

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Vom 23. auf den 24. auch im Flachland verbreitet Schneefall

Am Sonntag, 23.11. sorgte Zwischenhocheinfluss vor allem in den Bergen für einen herrlichen, aber kalten Wintertag. Durch die zuvor gefallenen grossen Neuschneemengen herrschten bereits aussergewöhnlich gute Wintersportbedingungen.
Im Laufe des Nachmittags setzte von Westen her jedoch schon bald eine neue Wetterverschlechterung ein. Verantwortlich dafür war ein neues Tief, welches rasch von den Britischen Inseln nach Südosten vorstiess. Das dazugehörige Frontensystem mit etwas weniger kalter Meeresluft erreichte uns in den Abendstunden, damit setzten Schneefälle bis in die Niederungen ein. Mit den starken West- bis Südwestwinden fielen die grössten Niederschlagsmengen im Mittelland, Jura sowie im Wallis. Da sich in der Grundschicht die kalte Luft recht lange halten konnte (Schneefallgrenze stieg von Westen her nur langsam auf 400-500 m an), wurden am Montagmorgen selbst in den tiefsten Regionen des Mittellandes verbreitet 2-10 cm Neuschnee gemessen, lokal auch mehr. Im windgeschützten Zentralwallis mass der Beobachter in Sion gar 29 cm Neuschnee. Zum letzten Mal fiel dort im Januar 2005 mehr Neuschnee an einem Tag.

 

Neu- und Gesamtschneehöhe am Montag, 24. Nov.

Neu- und Gesamtschneehöhe am Montag, 24. Nov.

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Kurzer, aber heftiger Föhnstoss

Mit dem oben erwähnten Vorstoss des Tiefs, setzte auf der Alpennordseite starker Druckfall ein. Innerhalb von 12 Stunden fiel der Luftdruck um 20 hPa, was doch recht selten vorkommt. Die Folge war ein kurzer, aber heftiger Föhnstoss, welcher bis zum Bodensee durchbrach. In Altdorf wurden Böenspitzen von 110 km/h erreicht. Im Zusammenhang mit dem zuvor gefallenen Pulverschnee, konnte sogar in den Alpentälern vereinzelt Schneetreiben beobachtet werden. Weiter ist bemerkenswert, dass sich nur 12 Stunden nach einer Nordstausituation sich Südföhn durchsetzen konnte.

 

Windverlauf in Altdorf vom 23.-24. November

Windverlauf in Altdorf vom 23.-24. November

Schnee Impressionen aus Graubünden

 

Bahnhof Filisur

Bahnhof Filisur, Samstag, 22. November 2008, Foto: Urs Sutter

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Bahnhof Reichenau-Tamins

Räumequipe beim Bahnhof Reichenau-Tamins, Samstag, 22. November 2008, Foto: Urs Sutter

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Bahnhof Thusis

Bahnhof Thusis, Samstag, 22. November 2008, Foto: Urs Sutter

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Bahnhof Bergün

Bahnhof Bergün, Samstag, 22. November 2008, Foto: Urs Sutter

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Klosters Dorf

Klosters Dorf, Sonntag, 23. November 2008, Neuschneehöhe 25 cm, Gesamtschneehöhe 53 cm, Foto: Michael Kasper

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Davos-Laret

Davos-Laret, 23. November 2008, Foto: Michael Kasper

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Clavadeleralp bei Davos

Clavadeleralp bei Davos, 23. November 2008, Foto: Michael Kasper

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Landwassertal

Landwassertal, 23. November 2008, Foto: Michael Kasper

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Region Davos

SLF Station Davos Dorf, 23. November 2008, Neuschneehöhe 27 cm, Gesamtschneehöhe 65 cm, Foto: Michael Kasper

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Thusis

Thusis, Samstag, 22. November 2008, Foto: Urs Sutter

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