MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

29. Mai 2007 / Daniel Gerstgrasser, Adrian Stolz

 

Wintereinbruch an Pfingsten 2007

 

Nach einem extrem warmen und trockenen April zeigte sich auch der Mai meist von der sommerlichen Seite, dies zumindest bis am Pfingstsonntag (27. Mai 2007). Bis dahin summierten sich die positiven Temperaturabweichungen bereits wieder auf 3 bis stellenweise 4 Grad und lediglich an drei Tagen wurden unterdurchschnittliche Temperaturen verzeichnet (s. Bild 1). Die sommerliche Konvektion war bereits sehr ausgeprägt, vor allem im Zeitraum vom 20. bis zum 24. Mai gingen teils heftige Gewitter nieder.

 

Klimaverlauf Zürich 2007

Bild 1: Verlauf der Temperatur (Tagesmittel, rot: positive Abweichung, blau: negative Abweichung), Sonnenscheindauer (Tagessumme in Stunden) und des Niederschlags (Tagessumme in mm) an der Station Zürich/MeteoSchweiz im Vergleich mit dem langjährigen Mittel (1961-1990).

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Wetterentwicklung über Pfingsten

Am Donnerstag vor dem Pfingstwochenende herrschte über der Schweiz eine flache Druckverteilung (s. Bild 2). Der Alpenraum war von drei Tiefdruckgebieten umgeben. Nördlich von uns lag ein markantes Tiefdrucksystem mit Kern über Island, südwestlich sowie südöstlich der Alpen lagen zwei kleinere Tiefdruckgebiete.

 

In der Folge stiess das Tief über Island weiter nach Süden vor und bildete einen Tiefdrucktrog mit polarer Kaltluft, der sich am Samstag mit dem südwestlich der Schweiz liegenden Tiefdruckgebiet vereinigte und am Pfingstsonntag unser Land erreichte.
An der Ostflanke des Trogs stellten sich südwestliche Höhenwinde ein. Diese Strömung war verantwortlich für den Föhn in den Alpentälern am Samstag (s. Bild 3). Am Sonntag zog eine erste schwache Kaltfront über die Schweiz hinweg und brachte etwas Niederschlag.
Mit der Verlagerung des Troges weiter nach Osten erreichte uns in der Nacht auf Montag eine zweite, deutlich aktivere Kaltfront. Diese führte zu einer markanten Abkühlung und brachte auch beträchtliche Mengen an Niederschlag. Durch die süd- bis südwestlichen Winde lag der Niederschlagsschwerpunkt auf der Alpensüdseite und in den nördlich angrenzenden Alpenregionen.

 

Bodendruck mit Fronten 24.5.07

Bild 2: Bodendruckverteilung mit Fronten 24.5.07

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Bodendruck mit Fronten 26.5.07

Bild 3: Bodendruckverteilung mit Fronten 26.5.07

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Bodendruck mit Fronten 28.5.07

Bild 4: Bodendruckverteilung mit Fronten 28.5.07

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Im Laufe des Montags bildete sich über dem Golf von Genua ein kleines Bodentief (s. Bild 4) und verlagerte sich ostwärts. Deshalb drehte der Wind in den bodennahen Schichten auf Nord. Dies hatte zur Folge, dass Kaltluft an die Alpen geführt und dort gestaut wurde. Dadurch lag der Schwerpunkt der Niederschläge diesmal am zentralen und östlichen Alpennordhang.
Mit den südöstlichen Höhenwinden und dem Nordwind in den bodennahen Schichten entstand eine sogenannte Gegenstromlage. Das hatte zur Folge, dass in der Höhe warme und feuchte Luft auf eine kalte Luftmasse aufgleiten konnte. Dieser Prozess führte, zusätzlich zum Stau, zu einer Intensivierung der Niederschläge.

 

Niederschlagsmengen

Die grössten Niederschlagsmengen wurden südlich des Alpenhauptkamms gemessen, von Samstagmorgen bis Montagmorgen wurden beispielsweise in Locarno-Monti fast 130 mm Regen gemessen. In den alpenkammnahen Regionen vom Oberwallis über das Grimselgebiet bis zum Gotthard und Rheinwald lagen die Summen bei 70 bis 110 mm. In weiten Teilen des Berner Oberlandes und auch im Emmental lagen die Summen bei etwa 80 mm (s. Bild 5). Dementsprechend fielen in diesen Regionen oberhalb von etwa 2200 Metern 50 bis 90 cm Neuschnee (Quelle: Lawinenbulletin SLF). Am wenigsten Niederschlag wurde in der Region Basel, im Sarganserland sowie in Teilen Graubündens gemessen (s. Tabelle 1).
Niederschlagsmengen 26.-28.5.07

Bild 5: Niederschlagssummen aller Stationen von MeteoSchweiz vom 26.-28.5.2007.

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Ausgewählte Schneehöhen

StationStationshöheSchneehöhe
Grimselhospiz197064
Grindelwald (Grindel)195045
Andermatt144242
Evolène182534
nördliches Urseren161034
Säntis250227
obere Leventina180022
Arosa184016
Braunwald13105

Tabelle 1: Neuschneehöhen von 29.5.07 um 8 Uhr

Quelle: SLF und MeteoSchweiz Stationen

 

Schneefall in Meiringen und Interlaken

Die Schneefallgrenze lag allgemein zwischen 1000 und 1300 Metern, im Berner Oberland sank sie im Laufe des Pfingstmontags vorübergehend zum Teil bis in die Niederungen ab, so zum Beispiel am Brienzersee. Ursache dafür war die sogenannte Niederschlagsabkühlung, welche sich bei hohen Niederschlagsintensitäten bemerkbar macht. Dabei entziehen die schmelzenden Schneeflocken auf dem Weg Richtung Erdboden der Umgebungsluft Wärme - bei wenig Wind kühlen sich die unteren Luftschichten dabei sukzessive ab und die Schneefallgrenze kann allmählich bis in tiefe Lagen sinken (s. Bild 6). Die Niederschlagsabkühlung ist an und für sich ein bekanntes Phänomen und wirkt vor allem in den Alpentälern aufgrund des geringeren Luftvolumens sehr effizient. Allerdings sind die genauen Auswirkungen dieses Prozesses recht schwierig zu prognostizieren.

 

Temperatur- Wind- und Niederschlagsverlauf in Interlaken

Bild 6: Zeitlicher Verlauf (in UTC) der Parameter Niederschlag (10-Minuten Summe in mm), Lufttemperatur in Grad und Böenspitzen in km/h der Wetterstation Interlaken (580 m) von Sonntag, 27. Mai 2007, 16 Uhr bis Montag, 28. Mai 2007, 16 Uhr. Die Niederschläge setzten am Sonntagabend ein, in der Nacht auf den Pfingstmontag erreichte mit böig auffrischendem Westwind ein erster Schub mit Kaltluft die Station. In der Folge verstärkten sich die Niederschläge und der Wind im Tal kam zum erliegen. Ab diesem Zeitpunkt konnte die Niederschlagsabkühlung wirken, die Temperaturen gingen auf etwa 1 Grad zurück und es setzte vorübergehend Schneeregen bzw. Schneefall ein. Mit der nachlassenden Niederschlagsintensität erfolgte im Tagesverlauf wieder eine Erwärmung.

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An der Klimastation in Meiringen (595 m) blieb der Schnee sogar liegen, bei der Abendbeobachtung um 20 Uhr lagen noch 4 cm Schnee auf dem Messfeld. Vor Jahresfrist wurde ebenfalls aus Meiringen Schneefall gemeldet, nähere Informationen zu diesem Ereignis und zur Häufigkeit von Schneefällen bis in tiefe Lagen zu dieser Jahreszeit finden Sie hier.

 

Temperatursturz

Mittagstemperatur Pfingstsonntag

Mittagstemperatur Pfingstmontag

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