MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

28. Juli 2008 / Daniel Gerstgrasser

 

Tagesgangwetter Ende Juli 2008

 

In den vergangen Tagen wurde in den verschiedenen Wetterberichten immer wieder das Wort "Tagesgangwetter" verwendet. Dieser Begriff charakterisiert die sogenannte Flachdrucklage, eine typische sommerliche Wetterlage mit viel Sonne, relativ hoher Temperatur und Luftfeuchte, aber auch mit einer hohen Gewitterbereitschaft (s. dazu auch Broschüre "Typische Wetterlagen im Alpenraum").

 

Auf der Bodenwetterkarte sind bei einer flachen Druckverteilung nur wenige Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) und kaum ausgeprägte Fronten zu finden (s. Bild 1). Der Luftdruck beträgt über Dänemark 1020 Hektopascal, zwischen Deutschland und Nordafrika schwankt er um 1015 Hektopascal. Aufgrund der grossen Abstände zwischen den verschiedenen Isobaren sind die Winde nur schwach, dies gilt allerdings nur solange sich keine Gewitter entwickeln. Die Atmosphäre ist mehr oder weniger instabil geschichtet, das Feuchteangebot sowie die Druck- und Temperaturverhältnisse in den oberen Luftschichten bestimmen dabei den Grad der Labilität. Im Bild 2 ist beispielsweise erkennbar, dass über Nord- und Ostdeutschland trockenere Luftmassen liegen als im Alpenraum. In einer Zone von Südwestdeutschland über die Alpen bis nach Italien sind bereits erste Gewitterherde erkennbar.

 

Bodenwetterkarte mit Fronten

Bild 1: Bodenwetterkarte mit Fronten vom 28. Juli 2008, 12 UTC.

Quelle: Deutscher Wetterdienstgross.gif, 113 KB
Satellitenbild, Kombination mit HRV-Kanal

Bild 2: Satellitenbild MSG-9, Kombination mit HRV-Kanal. 28. Juli 2008, 12 UTC. Quelle: Eumetsat

gross.png, 936 KB

Typischer Tagesablauf

Am Vormittag ist es oft nur gering bewölkt oder gar wolkenlos. Manchmal sind zunächst noch Wolkenreste der Gewitter vom Vortag vorhanden. Während der Dämmerungsphase in den frühen Morgenstunden sind zudem oftmals typische Gewittervorboten am Himmel zu sehen (s. Bild 3). Diese türmchen- oder auch flockenförmigen Wolken weisen auf eine Instabilität in den mittleren Luftschichten hin, sie verschwinden aber im Laufe des Vormittags meist wieder.

 

Altocumus castellanus über dem Toggenburg/SG

Bild 3: "Altocumulus castellanus" oder türmchenförmige Haufenwolke in den mittleren Schichten über dem Toggenburg/SG.

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Cumulus humilis über dem Toggenburg/SG

Bild 4: Verschieden grosse Quellwolken ("Cumulus humilis" und "mediocris") über dem Toggenburg/SG.

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Mit der höher steigenden Sonne und der Tageserwärmung entstehen Quellwolken, diese durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien. Zunächst sind die Quellungen flach, im Laufe des Tages wachsen sie unterschiedlich schnell in die Höhe (s. Bild 4) . Das "Alter" der Wolken nimmt von links nach rechts zu, jede Quellung markiert einen mehr oder weniger gut ausgeprägten thermischen Aufwind.

 

Cumulus congestus über dem Säntis

Bild 5: "Cumulus Congestus" oder mächtige Haufenwolke, die höher als breit ist, über dem Säntis.

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Die Quellwolken schiessen im Laufe des Nachmittags weiter in die Höhe, und ihr Aussehen erinnert allmählich an einen Blumenkohl. Solange die Wolkenränder noch scharf sind, hat die Niederschlagsproduktion in der Wolke noch nicht eingesetzt. Sie besteht im Moment praktisch noch ausschliesslich aus kleinen, unterkühlten Wassertröpfchen (s. Bild 5).

 

Bild 6: "Cumulonimbus capillatus" oder Gewitterwolke mit Eisschirm, typischerweise in Ambossform.

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Sobald der Oberrand der Wolke auszufransen beginnt, setzt die sogenannte Eisphase oder das Reifestadium ein. An den Eispartikeln kann weiteres Flüssigwasser anfrieren, die Korngrösse wächst. Damit hat die Niederschlagsproduktion begonnen, und aus der einfachen Haufenwolke ist eine Gewitterwolke mit Niederschlag geworden (s. Bild 6). Das Spektrum des dabei auftretenden Niederschlags reicht dabei von schwachen Regenschauern über intensiven Starkregen bis zum Hagelschlag. Aufgrund der oftmals schwachen Höhenwinde bei Flachdrucklagen können die Gewitterzellen längere Zeit an Ort und Stelle verharren. Eine solche Zelle brachte zum Beispiel am frühen Abend des 28. Juli 2008 in Volketswil/ZH innert 45 Minuten 44 Liter Regen pro Quadratmeter. 

 

Gewittriger Schauer über dem Walensee

Bild 7: Gewittriger Schauer über dem Walensee

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Mit dem ausfallenden Niederschlag bildet sich unter der Gewitterwolke eine kräftige Abwindzone. Sobald dieser Abwind auf die Erdoberfläche trifft (im Bild 7 erkennbar an der „aufgerauhten“ Wasseroberfläche), breitet sich dieser radial nach allen Seiten hin aus. Dadurch können Sturmböen ausgelöst werden.

 

Cumulonimbus mammatus

Bild 8: "Cumulonimbus mammatus" oder Beutelcumulus

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Mit dem Ende der Niederschläge ist oft ein rechtes Wolkenchaos am Himmel zu sehen. Manchmal hängen spezielle, beutelförmige Wolken am Himmel. (s. Bild 8).

 

Am Abend und der Nacht lösen sich in der Regel die meisten Wolken wieder auf, einzig die ehemaligen Eisschirme der Gewittertürme ("Cirrus spissatus" oder dichte Schleierwolken) können mit den Höhenwinden noch mehrere hundert Kilometer stromabwärts wandern.

 

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