Schneefallgrenze 200 Meter über Meer
Bild 1: Ludiano (Bleniotal), 470 Meter über Meer, Samstag, 12. Januar 2008. Foto: F. Scanavino
gross.jpg, 133 KBGemäss den IMIS-Stationen (Messtationen des Eidg. Schnee- und Lawineninstitutes, SLF) ist in den Süd-Alpen oberhalb von 2000 Metern die Schneedecke um 60 und 80 cm gewachsen. Den grössten Neuschneezuwachs gab es während der Hauptniederschlagsphase praktisch innert 24 Stunden von Freitagnachmittag bis Samstagnachmittag.
So meldeten beispielweise die Stationen von Bedretto/ Casinello auf 2100 Metern Höhe: 83 cm; Nara 2070 Metern: 64cm; Piz Pian Grad auf 2380 Metern: 65 cm; Airolo / Vallascia auf 2270 Metern: 76 cm Neuschnee in diesem Zeitabschnitt.
Bei den Messungen am Samstag- und Sonntagmorgen um 7 Uhr meldeten die Beobachter der MeteoSchweiz und des SLF folgende Neuschneesummen und Schneehöhen (Die Messung erfolgt jeweils am Morgen um etwa 7 Uhr Lokalzeit):
| Ort: | 12. Januar 2008 | 13. Januar 2008 | 2-Tages-Summe |
| Bosco Gurin (1490m) | 32 cm | 51 cm | 83 cm |
| Nante (1410m) | 40 cm | 44 cm | 84 cm |
| S. Bernardino (1640m) | 40 cm | 51 cm | 91 cm |
| Campo Blenio (1190m) | 39 cm | 32 cm | 71 cm |
| Maloja (1800m) | 32 cm | 26 cm | 58 cm |
| Airolo (1140m) | 32 cm | 30 cm* | 62 cm |
| Grono (382m) | 12 cm | 6 cm | 18 cm |
| Magadino (203 m) | 3 cm | 5 cm | 8 cm |
* Schätzwert
Weitere Beobachter in den oberen Tälern haben ebenfalls von 10 bis 30 cm gefallenem Nassschnee berichtet.
Klimatologisch betrachtet nicht aussergewöhnlich, aber auch nicht häufig
Im Vergleich zu den langjährigen Beobachtungen sind die jeweils am Morgen gemessenen Mengen im Einzelfall nicht aussergewöhnlich. Man spricht von einer Wiederholperiode von einem bis 2 Jahren. Betrachtet man allerdings das Gesamtereignis, sei es in der Dauer, in der Intensität oder in der Ausdehnung, so ist es wesentlich seltener. Ein Blick die EVA-Datenbank zeigt, dass Niederschlags- oder Schneefallereignisse in diesem Ausmass nur alle 7 bis 10 Jahre zu erwarten sind.
Wesentlich höhere 24-stündige Neuschneemengen wurden beispielsweise am 22. März 1956 mit 98 cm in Airolo gemessen, sowie auch in Bosco Gurin am 13. März 1992 mit 105 cm oder in San Bernardino am 11. Januar 1978 mit 91 cm.
Wie erwähnt hat die Störungszone auf der Alpensüdseite nicht nur ungewohnte Neuschneemengen gebracht, sondern auch für den Januar unübliche Niederschlags- oder Regenmengen in den tieferen Lagen.
Von Freitag 15 Uhr bis Samstag 15 Uhr sind folgende Niederschlagsmengen totalisiert worden ( im Klammern der prozentuale Vergleich zum gesamten üblichen Januarniederschlag gemäss der Klimaperiode 1961 bis 1990):
- Locarno-Monti: 83.6 mm ( 115%)
- Piotta 60.0 mm (79%)
- Stabio 59.3 mm (74%)
- San Bernardino: 60.3 mm (63%)
Bild 2: Satellitenbild vom 12. Januar 2008, 12 Uhr UTC überlagert mit Windpfeilen und Temperatur auf 500 hPA (ca. 5500 m). Quelle Satellitenbild: EUMETSAT
gross.png, 978 KBAm Freitagnachmittag haben im Vorfeld die zunächst noch schwachen Niederschläge begonnen. Auf den Abend und in die Nacht hinein haben sie sich dann verstärkt und die grösste Intensität am Samstagmittag erreicht. Die Schneefallgrenze hat je nach Niederschlagsintensität stark geschwankt.
Im Südtessin bei Lugano wurde unterhalb von 500 Metern nur Regen beobachtet. Nördlich des Monte Ceneri schneite es bis in tiefere Lagen und erst am Samstagnachmittag - als die Niederschläge nachliessen - stieg auch die Schneefallgrenze.
MeteoSchweiz hat die potentielle Gefahr der Wetterlage schon einige Tage im Voraus erkannt und am Donnerstagmorgen eine entsprechende Unwetterwarnung an die kantonalen Behörden ausgegeben. So konnten frühzeitig Massnahmen eingeleitet werden, und der Verkehr kam bei den schwierigen Strassenverhältnissen nicht gänzlich zum Stillstand.


