MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

13. Januar 2008 / Marco Gaia, MeteoLocarno (Übersetzung MeteoZürich)

 

Starkschneefall auf der Alpensüdseite

 

Schneefallgrenze 200 Meter über Meer

Am 11./ 12. Januar 2008, vom Freitagnachmittag bis Samstagnachmittag sind im Tessin starke Schneefälle aufgetreten. Insbesondere wurden für die Jahreszeit auf der Alpensüdseite ungewohnt hohe 24-stündige Niederschlagsmengen registriert. Die Schneefallgrenze lag generell zwischen 500 und 700 Metern über Meer. Bedingt durch die Orographie einzelner Talabschnitte und die darin wirkende Niederschlagsabkühlung sank die Schneefallgrenze bei intensiveren Niederschlägen tiefer und kam somit zeitweise bis auf 200 Meter über Meer zu liegen.

 

Schnee im Bleniotal

Bild 1: Ludiano (Bleniotal), 470 Meter über Meer, Samstag, 12. Januar 2008. Foto: F. Scanavino

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Gemäss den IMIS-Stationen (Messtationen des Eidg. Schnee- und Lawineninstitutes, SLF) ist in den Süd-Alpen oberhalb von 2000 Metern die Schneedecke um 60 und 80 cm gewachsen. Den grössten Neuschneezuwachs gab es während der Hauptniederschlagsphase praktisch innert 24 Stunden von Freitagnachmittag bis Samstagnachmittag.


So meldeten beispielweise die Stationen von Bedretto/ Casinello auf 2100 Metern Höhe: 83 cm; Nara 2070 Metern: 64cm; Piz Pian Grad auf 2380 Metern: 65 cm; Airolo / Vallascia auf 2270 Metern: 76 cm Neuschnee in diesem Zeitabschnitt.

Bei den Messungen am Samstag- und Sonntagmorgen um 7 Uhr meldeten die Beobachter der MeteoSchweiz und des SLF folgende Neuschneesummen und Schneehöhen (Die Messung erfolgt jeweils am Morgen um etwa 7 Uhr Lokalzeit):

 

Ort: 12. Januar 2008 13. Januar 2008  2-Tages-Summe 
 Bosco Gurin (1490m)  32 cm  51 cm  83 cm
 Nante (1410m)  40 cm  44 cm  84 cm
 S. Bernardino (1640m)  40 cm  51 cm  91 cm
 Campo Blenio (1190m)  39 cm  32 cm  71 cm
 Maloja (1800m)  32 cm  26 cm  58 cm
 Airolo (1140m)  32 cm  30 cm*  62 cm
 Grono (382m)  12 cm  6 cm  18 cm
 Magadino (203 m)  3 cm  5 cm  8 cm

* Schätzwert

 

Weitere Beobachter in den oberen Tälern haben ebenfalls von 10 bis 30 cm gefallenem Nassschnee berichtet.

 

 

 

Klimatologisch betrachtet nicht aussergewöhnlich, aber auch nicht häufig

Im Vergleich zu den langjährigen Beobachtungen sind die jeweils am Morgen gemessenen Mengen im Einzelfall nicht aussergewöhnlich. Man spricht von einer Wiederholperiode von einem bis 2 Jahren. Betrachtet man allerdings das Gesamtereignis, sei es in der Dauer, in der Intensität oder in der Ausdehnung, so ist es wesentlich seltener. Ein Blick die EVA-Datenbank zeigt, dass Niederschlags- oder Schneefallereignisse in diesem Ausmass nur alle 7 bis 10 Jahre zu erwarten sind.

 

Wesentlich höhere 24-stündige Neuschneemengen wurden beispielsweise am 22. März 1956 mit 98 cm in Airolo gemessen, sowie auch in Bosco Gurin am 13. März 1992 mit 105 cm oder in San Bernardino am 11. Januar 1978 mit 91 cm.

Wie erwähnt hat die Störungszone auf der Alpensüdseite nicht nur ungewohnte Neuschneemengen gebracht, sondern auch für den Januar unübliche Niederschlags- oder Regenmengen in den tieferen Lagen.
Von Freitag 15 Uhr bis Samstag 15 Uhr sind folgende Niederschlagsmengen totalisiert worden ( im Klammern der prozentuale Vergleich zum gesamten üblichen Januarniederschlag gemäss der Klimaperiode 1961 bis 1990):


 

  • Locarno-Monti: 83.6 mm ( 115%)
  • Piotta 60.0 mm (79%)
  • Stabio 59.3 mm (74%)
  • San Bernardino: 60.3 mm (63%)

 

Satellitenbild, Samstag, 12. Januar 2008, 12 UTC

Bild 2: Satellitenbild vom 12. Januar 2008, 12 Uhr UTC überlagert mit Windpfeilen und Temperatur auf 500 hPA (ca. 5500 m). Quelle Satellitenbild: EUMETSAT

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Die intensiven und ergiebigen Schneefälle, respektive Niederschlagsmengen, sind durch eine atlantische Störungszone verursacht worden, die am Freitag und Samstag den Alpenraum überquert hat. Ihre Ostwärtsverlagerung ist allerdings durch die Bildung eines Teiltiefs über Oberitalien stark verlangsamt worden. So ist sie am Samstag praktisch stationär über der Region liegen geblieben und erst am Sonntag nach Südosten abgedrängt worden.

Am Freitagnachmittag haben im Vorfeld die zunächst noch schwachen Niederschläge begonnen. Auf den Abend und in die Nacht hinein haben sie sich dann verstärkt und die grösste Intensität am Samstagmittag erreicht. Die Schneefallgrenze hat je nach Niederschlagsintensität stark geschwankt.

Im Südtessin bei Lugano wurde unterhalb von 500 Metern nur Regen beobachtet. Nördlich des Monte Ceneri schneite es bis in tiefere Lagen und erst am Samstagnachmittag - als die Niederschläge nachliessen - stieg auch die Schneefallgrenze.

MeteoSchweiz hat die potentielle Gefahr der Wetterlage schon einige Tage im Voraus erkannt und am Donnerstagmorgen eine entsprechende Unwetterwarnung an die kantonalen Behörden ausgegeben. So konnten frühzeitig Massnahmen eingeleitet werden, und der Verkehr kam bei den schwierigen Strassenverhältnissen nicht gänzlich zum Stillstand.

 

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