Vom Wallis über das Berner Oberland bis ins Glarnerland sorgten intensive Schneefälle für eine rasche Zunahme der Schneehöhe. In den windgeschützten Alpentälern schneite es ganztags bis in die Niederungen, lediglich im Unterwallis fiel vorübergehend Regen.
Bild 3: Radarbild, Bodendruckverteilung und signifikantes Wetter, 6 UTC. Sämtliche Beobacher im Mittelland melden Schneefall (violette Sterne), Basel meldet Regen (grüne Punkte)
gross.png, 507 KBBild 4: Radarbild, Bodendruckverteilung und signifikantes Wetter, 12 UTC. In Bern und Zürich fällt Regen, im zentralen Mittelland Schnee.
gross.png, 522 KBBild 5: Radarbild, Bodendruckverteilung und signifikantes Wetter, 15 UTC. Auch im zentralen Mittelland ist der Schnee (vorübergehend) in Regen übergegangen.
gross.png, 496 KBAm Abend wurden in den leicht erhöhten Lagen des Jura 20-40 cm Neuschnee gemessen, in den tiefen Lagen blieben im Schnitt etwa 5 cm Schnee liegen. Der Juranordfuss, die Region Bern und Luzern sowie das Gebiet zwischen Zürich und Winterthur blieben weitgehend schneefrei, allerdings gab es auf kurzen Distanzen grosse Unterschiede. Am ergiebigsten waren die Schneefälle am nördlichen Alpenkamm vom Dent du Midi über das Wildstrubel- und Jungfraugebiet und das Glarnerland bis zum Alpstein. In dieser Region fielen bis am Samstagmorgen (22. März 2008) verbreitet 40 bis 80 cm Neuschnee (siehe Bild 6). Vereinzelt wurde sogar 1 Meter Neuschnee gemessen, so zum Beispiel bei der Claridenhütte, 2453 m in den Glarner Alpen (nicht auf der Karte dargestellt).
Bild 6: 24h-Neuschneehöhe von den Stationen des SLF und MeteoSchweiz, Samstag 22. März 2008, Morgenmessung
Bildquelle: SLFgross.jpg, 105 KBBemerkenswert ist dabei, dass ein Grossteil des Neuschnees innert 12 Stunden gefallen ist. So fielen an der Station Blatten im Lötschental auf 1535 m vom Freitagmorgen bis Freitagabend (7-19 Uhr) 80 cm Neuschnee. Die 24-stündige Neuschneesumme (gemessen am Samstagmorgen, 22. März) betrug 89 cm. Dies ist ein ausgesprochen seltenes Ereignis, in den letzten 34 Jahren wurde an dieser Station ein ähnliches Ereignis erst einmal beobachtet, und zwar am 29. Januar 1982 (s. Tabelle).
Die Stationsreihe besitzt allerdings eine kleine Inhomogenität: Seit 1974 erfolgte die Messung bei Ried im Lötschental, bevor im Februar 1999 eine Lawine das Messfeld zerstörte. Nach einer kurzen Unterbrechung erfolgt die Schneemessung seit dem Jahre 2001 in Blatten, 1535 m.
Maximale 24-stündige Neuschneehöhen an der Klimastation Ried im Lötschental, 1500 m (1. Januar 1974 bis 19. Februar 1999)
| 1. | 85 cm | 29. Januar 1982 |
| 2. | 75 cm | 23. April 1976 |
| 3. | 70 cm | 29. November 1996 |
| 4. | 68 cm | 6. Februar 1984 |
| 5. | 60 cm | 8. Februar 1999 |
| 6. | 60 cm | 25. Februar 1986 |
Nach der Stationsverlegung nach Blatten, 1535 m wurden bis am 21. März 2008 keine so grossen Neuschneemengen gemessen.
Interessante Wetterphänomene
Neben dem Starkschneefall konnten zusätzlich einige sehr interessante lokale oder regionale Wetterphänomene beobachtet werden:
a.) Westföhneffekte:
Im Bereich des Vierwaldstättersees sorgte die abschirmende Wirkung des Pilatusmassivs für einen weitgehend trockenen Vormittag und Temperaturen bis 8 Grad. Auf dem Radarbild (6-stündige-Niederschlagssumme in Bild 7) ist schön das „Niederschlagsloch“ im Raum Luzern erkennbar. Ein ähnliches Phänomen ist im Grossraum Thun zu erkennen, aufgrund des grossen Abstands zum Radar ist der Effekt allerdings "verschmiert" wiedergegeben.
Bild 7: 6-stündige Niederschlagssummen anhand von Radardaten von Freitag 6 UTC bis 12 UTC.
gross.png, 84 KBDie Radarmessung wird durch die Niederschlagsmessung an der Wetterstation Luzern bestätigt, erste Niederschläge wurden erst nach 14 Uhr gemessen. Im Übrigen wurde an der Station Luzern zu dieser Zeit auch ein relatives Druckminimum von 985.6 hPa gemessen (QFF). Letztmals tiefer war der Luftdruck an dieser Station am 31. Oktober 2003; während einer ausgeprägten Föhnlage wurden damals 982 hPa gemessen.
b.) Südföhn (Dimmerföhn):
Mit dem ausgeprägten Druckfall auf der Alpennordseite im Vorfeld des Tiefs („Ansaugeffekt“) konnte sich in einigen Alpentälern kurzzeitig eine Föhnströmung durchsetzen. So zum Beispiel im Urner Reusstal, am Walensee und im südlichen Rheintal. Die Föhnströmung wirkte aber nur in den unteren Luftschichten, darüber wehten westliche oder sogar westnordwestliche Höhenwinde und am Alpennordhang staute sich die Feuchte. Dies ergab eine ungewöhnliche Wettersituation: So wurden an der Station Altdorf Föhnböen von 80 km/h gemessen, gleichzeitig fiel Regen bei knapp 5 Grad. Dieses eher seltene Wetterereignis wird als Dimmerföhn bezeichnet. Wenige Kilometer östlich war es an der Station Glarus windstill bei starkem Schneefall… . Eine Momentaufnahme der Windsituation ist im Bild 8 dargestellt.
Bild 8: Windsituation Freitag, 21. März 2008, 13.20 UTC. Windrichtung, Mittelwind und Böenspitzen in km/h.
gross.jpg, 337 KBKräftige Schneefälle am Jurasüdfuss













