MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

17. Dezember 2008 / Felix Schacher, Jacques Ambühl

 

Nach Föhnsturm ergiebiger Schneefall

 

Ausgangswetterlage und Entwicklung
Der Mittwoch, 17.12.2008 brachte einen typischen und bekannten Wetterablauf: Nach dem Föhnsturm vom Wochenende wurde die Alpennordseite mit beachtlichem Schneefall eingedeckt. Die genaue Wettentwicklung ist von der Zugbahn des steuernden Tiefs abhängig. Der Tiefdruckwirbel, der am Wochenende den extremen Föhnsturm in den Alpen verursacht hat, verlagerte in der Folge seinen Schwerpunkt ins westliche Mittelmeer und weiter in Richtung Balkan. Über den Alpen wechselten die Druckgegensätze von Süd auf Nord. Der Luftdruck auf der Alpennordseite wurde höher als jener auf der Alpensüdseite.

 

 
Wetterkarte

Wetterkarte vom 16.12.2008.

Wetterkarte_16.12.08.jpg, 185 KB

Damit drehten die Winde in den unteren Schichten von Süd auf Ost und später auf Nordost. In der bodennahen Luftschicht war die Strömung allerdings sehr schwach, sodass die auf der Alpennordseite liegende kalte Luft nicht ausgetauscht wurde. In der Höhe blieben die südlichen, respektive südöstlichen Winde erhalten. Diese führten nach wie vor relativ milde und feuchte Mittelmeerluft in unsere Breiten. Ein grosser Teil der mitgeführten Feuchtigkeit wurde auf der Alpensüdseite abgelagert. Dies widerspiegelt sich in den dort liegenden grossen Schneemengen.


 

Die statistische Auswertung des SLF ( Schweizerisches Lawinenforschungsinstut Davos) zeigt, dass am 15. Dez. am Südalpenkamm teilweise mehr als das 4-fache der sonst in dieser Jahreszeit üblichen Schneemenge liegt. Im 1470 Meter hoch gelegenen Simplon Dorf wurde beispielsweise am Mittwoch früh eine Schneehöhe von 223 cm gemessen. Dies ist weit mehr als die bis anhin im Dezember gemessene Maximalschneehöhe von 173 cm (26.12.1973). Die Maximalschneehöhe wurde mit 250 cm am 10.3.1972 registriert.

 

Schneehöhen

Vergleich der Schneehöhen. Quelle: SLF.

www.slf.ch

Wetterablauf am Mittwoch, 17.12.2008
In den frühen Morgenstunden des Mittwochs kam der eigentliche Aufgleitprozess in Gang. Die Feuchtestaffeln aus Süden wurden über die Alpen nach Norden geführt, wo sie über die hier liegende Kaltluft aufgeschoben wurden. Auf den Radarbildern konnte beobachtet werden, wie sich ein erstes Niederschlagsband vom Alpenkamm löste und im zentralen Mittelland die ersten Schneefälle brachte. Kurz vor Tagesanbruch intensivierten sich die Niederschläge in der östlichen Voralpenregion und in der Folge auch im östlichen Mittelland. In der bodennahen Luftschicht kam etwas Westwind auf, in Höhenlagen ab 4000 Metern blieb die Ostströmung erhalten. Es kam zur Ausbildung einer kleinräumigen Frontalzone, die sich am Vormittag vom Bodenseeraum über die Grossregion Zürich-Schaffhausen, den Aargau, Basel und Solothurn bis ins Berner Seeland verlagerte. Praktisch überall hinterliess sie eine 10 bis 15 cm, lokal auch 20 cm dicke teilweise durchnässte Schneeschicht. Eher trockener war der Schnee den Voralpen entlang vom Alpstein über die Zentralschweiz bis ins Berner Oberland.

 

Modellvorhersagen
Die Entwicklung war zum Teil schon mittelfristig, das heisst 2 bis 3 Tage im Voraus sichtbar. Allerdings waren die angegebenen Niederschlagsmengen von Rechenlauf zu Rechenlauf unterschiedlich. Ebenso schwankten die vorhergesagten Temperaturen, was die Aussage über Schneefallgrenze, Schneemenge und betroffene Region stark erschwerte. 
 

 

 
Radarbild

Radarbild vom 17.12.2008

Radarbild.png, 318 KB
Modellvorhersage

Modellvorhersage COSMO-7 für den 17.12.2008: Feuchte und Strömung auf 700 hPa.

Modellvorhersage.png, 54 KB
Warnung
Am Dienstag wiesen die globalen Modelle, z. B. des EZMW, und auch die regionalen Modelle, z.B. COSMO-7, darauf hin, dass ein Wetterereignis stattfinden würde, bei dem die festgelegten Warnlimiten übertroffen werden. So gaben die Dienstmeteorologen der MeteoSchweiz am Dienstagmittag eine METEO-Warnung aus, welche die Führungsstäbe der Kantone in der Zentral- und Ostschweiz über den zu erwartenden starken Schneefall informierte: Am Mittwoch ist in den Flachland- und Alpenrandregionen vom Oberaargau über die Zentralschweiz und die Ostschweiz bis hin zu Bodensee 10 bis 20cm Neuschnee zu erwarten.

Die Warnung wurde am Dienstagabend wiederholt. Am Mittwoch früh gab MeteoSchweiz zudem für die betroffenen Regionen eine Strassenzustands-Gefahreninformation an die Strassenunterhaltsdienste aus. Die Ausgabe der Strassenwarnung erfolgt in der Regel erst dann, wenn der Zeitpunkt des Ereignisses einigermassen klar erkennbar ist, damit die Werkhöfe nicht unnötig ausrücken. Da unsere Radarstationen um 3 Uhr in der Zentralschweiz und im zentralen Mittelland Starkschneefall registrierten, wurde zuerst für diese Regionen eine Strassenwarnung ausgegeben. Erst nach etwa 04.30 Uhr war klar, dass auch im östlichen Mittelland grossflächig mit starkem Schneefall zu rechnen war. Die Warnung für das östliche Mittelland erfolgte damit um 04.49 Uhr.

 

Rückmeldungen
Viele positive Rückmeldungen zeigen, dass die Empfänger der Wettergefahreninformationen diese als nützlich beurteilen. Die Einsatzleitstelle der Kantonspolizei Bern beurteilte die Warnung als perfekt. Heinz Koch, Leiter Flightoperations bei Unique erklärte: "Dank der frühzeitigen Warnung konnten die Räumungsequipen auf dem Flughafen rechtzeitig aufgeboten werden".


Gemäss den Strassenunterhaltsdiensten im Kanton Zürich wurden sie am Vorabend per SMS informiert und in der Folge wurde die Lage telefonisch mit dem Einsatzleiter diskutiert und beurteilt. Die Zusammenarbeit ist eingespielt und funktioniert gut.

 

 
Die frisch verschneite Zürcher Bahnhofstrasse am Morgen des 17. Dezembers 2008

Die frisch verschneite Zürcher Bahnhofstrasse am Morgen des 17. Dezembers 2008

gross.jpg, 1.1 MB
FrançaisItalianoEnglish Über uns Shop
       
Allgemeine Lage Detailprognose Aktuelles Wetter Ozonschicht Gesundheit Vegetationsentwicklung Modellvorhersagen Spezialprognosen Wetterereignisse Wetterrückblick Tagesaktualität
Klima Schweiz Klima heute Klima morgen Klima international Messsysteme Klima Berichte
Produkte A-Z Aviatik Bau- & Landwirtschaft Strassen Outdoor Beratung Datenportal Energie Tourismus Versicherungen Öffentliche Verwaltungen Schulen & Universitäten Telefon, Fax, SMS Homepage
Forschung & Entwicklung Publikationen Veranstaltungen Konsortien Aktuelle Projekte Abgeschlossene Projekte
Gefahren Wochenvorhersage Unwetterbulletin Zusatzinformationen Kantone