MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

06. Oktober 2008 / Daniel Gerstgrasser, Bernd Konantz

 

Erster markanter Kaltluftvorstoss des Herbstes - eine Chronologie

 

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Am Mittwoch lag ein umfangreiches Tiefdruckgebiet mit seinem Kern über Skandinavien. An seiner Südflanke wurde mit auffrischenden Südwestwinden recht milde, aber vorerst nur mässig feuchte Luft zum Alpenraum gesteuert.

 

Satellitenbild (HRV-Kanal) und Bodendruckverteilung, Mittwoch, 1. Oktober 2008, 12 UTC

Bild 1: Satellitenbild (HRV-Kanal) und Bodendruckverteilung, Mittwoch, 1. Oktober 2008, 12 UTC

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Der auffrischende Südwest- bis Westwind brachte auf der Alpennordseite Spitzenböen zwischen 50 und 60 km/h, auf den höher gelegenen Stationen waren es 80 bis 115 km/h. Mit Westföhneffekten stieg das Thermometer an den Stationen am nördlichen Alpenrand bis knapp 19 Grad an. Die starken Winde führten zu einer guten Durchmischung der Grundschicht und dadurch zu einer annähernd trockenadiabatischen Schichtung. Das bedeutet, dass die Temperatur pro 100 Meter Höhenzunahme um ein Grad sinkt.

 

Schwacher Druckfall auf der Alpennordseite sorgte für eine zusätzliche Entlastung. Somit bot sich ein freundlicher Wettercharakter mit 2 bis 4 Stunden Sonnenschein. Dank der schützenden Orographie war es im Wallis, im Bündnerland und im Tessin mit bis 6 Stunden Sonne noch freundlicher.

Wind_Temperaturmaxima_011008.jpg, 160 KB

 

Donnerstag, 2. Oktober 2008

In der Nacht auf Donnerstag erfasste die von Island nach Süden vorstossende Kaltluft das nordwestliche Europa. Auf Bild 2 ist die Kaltluft schön an der flockigen Bewölkung erkennbar. Auf 1500 Metern werden um Mitternacht über Südengland bereits 0 Grad gemessen, in der Westschweiz sind es noch +6 Grad (Bild 3).

 

Satellitenbild (HRV-Kanal) und Bodendruckverteilung, Donnerstag, 2. Oktober 2008, 12 UTC

Bild 2: Satellitenbild (HRV-Kanal) und Bodendruckverteilung, Donnerstag, 2. Oktober 2008, 12 UTC

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Temperaturverteilung auf 1500 Metern

Bild 3: Temperaturverteilung auf 1500 Metern, anhand der Radiosondendaten vom 2. Oktober 2008, 00 UTC

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In der Schweiz setzte sich am Donnerstag das windige Westwindwetter fort. Die Spitzenböen lagen im Flachland zwischen 40 und 60, in erhöhten Lagen zwischen 70 und 110 km/h und waren somit etwas geringer als noch am Vortag. Gleichzeitig zog eine erste schwache Kaltfront durch. Bei der Front handelte es sich um eine seichte Kaltluft, die Bewölkung reichte etwa bis 3500 Meter hinauf. Die Störung brachte im Flachland kaum Niederschlag und ist im Bild 2 nur durch etwas kompaktere Bewölkung erkennbar, die von Südfrankreich über die Schweiz bis nach Südbayern reicht. Mit der einsickernden kälteren Luft sank die Schneefallgrenze langsam ab und lag zum späten Abend etwa auf 1500 Meter.

 

Freitag, 3. Oktober 2008

Im Laufe des Freitags hat dann hochreichende Kaltluft den Alpenraum erreicht. Gleichzeitig lag südlich des Alpenhauptkamms in den unteren Schichten noch sehr milde Luft. Mit der eintreffenden Höhenkaltluft wurde die Atmosphäre labilisiert, dadurch bildeten sich auf der Alpensüdseite bereits in der Nacht auf den Freitag einige Gewitterzellen und auch Graupelschauer. Im Bild 4 und 5 ist schön zu sehen, wie West- und Mitteleuropa von der Höhenkaltluft eingenommen wird (aufgelockerte, konvektive Bewölkung).

 

Satellitenbild (HRV-Kanal) und Bodendruckverteilung, Freitag, 3. Oktober 2008, 12 UTC

Bild 4: Satellitenbild (HRV-Kanal) und Bodendruckverteilung, Freitag, 3. Oktober 2008, 12 UTC

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Temperaturverteilung auf 1500 Metern, anhand der Radiosondendaten vom 3. Oktober 2008, 00 UTC

Bild 5: Temperaturverteilung auf 1500 Metern, anhand der Radiosondendaten vom 3. Oktober 2008, 00 UTC

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Im Laufe des Tages sind dann auch auf der Alpennordseite einige, teils kräftige Graupelschauer durchgezogen. Mit der einsickernden Höhenkaltluft gingen die Temperaturen in 3000 Metern Höhe auf -12, und in 4000 Metern Höhe auf -18 Grad zurück. Die Schneefallgrenze sank im Laufe des Tages am Jura bereits gegen 1000 Meter, in den übrigen Gebieten lag sie noch 200 bis 300 Meter höher. Vor allem in den Bündner Bergen fielen innert 12 Stunden (Freitagmorgen bis Freitagabend) immerhin bis zu 15 cm Neuschnee. Diese teils recht kräftigen Schneefälle sorgten vor allem auf den Passstrassen für einige Probleme.

 

Samstag, 4. Oktober 2008

In der Nacht auf den Samstag ist dann die Schneefallgrenze lokal bis auf 800 Meter gesunken, im Schnitt lag sie auf etwa 1000 Metern. Am Morgen war beispielsweise auch die Region Château-d-Oex leicht angezuckert, an der Klimastation wurde am Samstagmorgen 1 cm Neuschnee gemessen (s. Bild 6). In Lagen oberhalb von etwa 1500 wurden am Alpennordhang und in den Bündner Bergen am Morgen Gesamtschneehöhen von 5 bis 20 cm gemessen. Mit der Winddrehung auf Nordwest wurden die Luftmassen südlich des Alpenhauptkamms noch während der Nacht abgetrocknet, in der trockenen Luft erreichte die Fernsicht maximale Werte (s. Bild 7).

 

Château-d'Oex am Samstagvormittag

Bild 6: Kamerastandort Château-d'Oex, 980 m, Samstagvormittag, 10.30h

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Kamerastandort Montagnola, 480 m, oberhalb von Lugano 980 m, Samstagvormittag, 10.30h

Bild 7: Kamerastandort Montagnola, 480 m, oberhalb von Lugano, Samstagvormittag, 10.30h

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Aufgrund der noch relativ warmen Böden ist der Schnee unterhalb von etwa 1200 Metern im Laufe des Samstags wieder abgeschmolzen. Auf der Alpensüdseite sorgte der Nordwind am Samstag für weitgehend wolkenlose Verhältnisse, im Norden verlief die Wetterbesserung deutlich langsamer. Vor allem in den zentralen und östlichen Alpen gab es zunächst noch einige Schauer. In der eingeflossenen Kaltluft baute sich jedoch von den Pyrenäen her ein kräftiges Zwischenhoch auf (s. Bild 8), sodass sich in der Nacht auf den Sonntag die Bewölkung rasch auflöste.

 

Satellitenbild (HRV-Kanal) und Bodendruckverteilung, Samstag, 4. Oktober 2008, 12 UTC

Bild 8: Satellitenbild (HRV-Kanal) und Bodendruckverteilung, Samstag, 4. Oktober 2008, 12 UTC

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Sonntag, 5. Oktober 2008

Die fehlende nächtliche Bewölkung hatte eine starke Abstrahlung zur Folge, dies wiederum führte zu tiefen Morgentemperaturen. Die auf zwei Meter Höhe gemessenen Tiefstwerte lagen im Flachland im Schnitt bei +1 Grad, vom Neuenburger- über den Bielersee bis in den Raum Grenchen wurden stellenweise sogar negative Werte registriert. In Bodennähe trat recht verbreitet schwacher bis mässiger Frost auf, an der Station Bern wurden in 5 cm Höhe beispielsweise -4.2 Grad gemessen. Einzig der Aare entlang von Olten bis in den Unteraargau und an der Station Schaffhausen wurde die 0-Grad-Marke wegen Nebelbildung nicht unterschritten. In der ersten Oktoberdekade stammen die letzten ähnlich ausgeprägten Bodenfröste übrigens aus den Jahren 2002 und 2000. Hier die Tiefstwerte von 2 m und 5 cm über Boden:

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In der klaren Polarluft zeigten sich die frisch verschneiten Alpen am Sonntagmorgen in winterlichem Glanz (s. Bild 9, 11, 12, 13). Ein Vorgeschmack auf einen hoffentlich schneereichen Winter. Auch aus der Satellitenperspektive sind die schneebedeckten Regionen des Alpenbogens schön zu sehen (s. Bild 10).

 

Kamerastandort Flüela/GR, 2176 m, Blickrichtung West, Sonntagvormittag, 9.30h

Bild 9: Kamerastandort Flüela/GR, 2176 m, Blickrichtung West, Sonntagvormittag, 9.30h

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Satellitenbild (HRV-Kanal), Sonntagvormittag

Bild 10: Satellitenbild (HRV-Kanal), Sonntagvormittag

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Kamerastandort Murtel/GR (Mittelstation Corvatschbahn), 2700 m, Sonntagvormittag, 9.30h

Bild 11: Kamerastandort Murtel/GR (Mittelstation Corvatschbahn), 2700 m, Sonntagvormittag, 9.30h

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Kamerastandort Gütsch ob Andermatt/UR, 2280 m, Sonntagvormittag, 9.30h

Bild 12: Kamerastandort Gütsch ob Andermatt/UR, 2280 m, Sonntagvormittag, 9.30h

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Kamerastandort Grimsel/BE, 2112 m, Sonntagvormittag, 9.30h

Bild 13: Kamerastandort Grimsel/BE, 2112 m, Sonntagvormittag, 9.30h. Am Grimselhospiz, knapp 200 Höhenmeter unterhalb des Kamerastandorts, wurden am Morgen 20 cm Gesamtschneehöhe gemessen.

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