Die Abrufzahlen der MeteoSchweiz Homepage beweisen es: das Osterwetter ist jeweils von grossem Interesse. Dementsprechend möchten wir im aktuellen Bericht einerseits die "Klimatologie" der Ostertage sowie die aktuelle Mittelfristprognose für den Zeitraum von Karfreitag (22. April) bis Ostermontag (25. April) etwas näher erläutern.
Ein drittes Thema ist die seit Jahresbeginn anhaltende Trockenheit in der Schweiz, welche allmählich rekordverdächtige Ausmasse erreicht. Verständlicherweise sind deshalb die Erwartungen an das diesjährige Osterwetter sehr unterschiedlich.
Das Osterwetter im langjährigen Mittel
Da die Ostertage zu den beweglichen Feiertagen gehören, ist es schwierig eine Klimatologie zusammenzustellen. Der Ostertermin ist abhängig vom Frühlingsvollmond und kann um mehr als einen Monat schwanken. Der frühest mögliche Termin für den Ostersonntag ist der 22. März, der spätest mögliche der 25. April. Somit ist Ostern in diesem Jahr ausgesprochen spät.
Eine Auswertung der Ostertage (jeweils Karfreitag bis Ostermontag) der letzten 31 Jahre zeigt folgendes Bild:
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Osterwetter 1980-2010 |
Norden: | Süden: | ||
| überwiegend schön: | 9 Fälle | 29% | 17 Fälle | 55% |
| überwiegend veränderlich: | 12 Fälle | 39% | 10 Fälle | 32% |
| regnerisch und kühl: | 10 Fälle | 32% | 4 Fälle | 13% |
Vielfach herrscht im Norden veränderliches Wetter, auch Kaltlufteinbrüche mit Schnee bis in tiefe Lagen sind möglich. Dies war beispielsweise im Jahr 2008 der Fall. Durchwegs sonnige Ostertage wie im Jahr 2009 sind eher selten. Die Alpensüdseite hingegen profitiert an Ostern des Öftern von stabilen Wetterverhältnissen: in mehr als 50% der Jahre ist es an allen 4 Tagen überwiegend sonnig. Ausgesprochen verregnete Ostertage sind hier sehr selten.
Prognose für Ostern 2011
Die aktuelle Hochdruckwetterlage bleibt bis auf Weiteres erhalten, der Luftdruck sinkt jedoch kontinuierlich. Ab Donnerstag (21.4.) dreht die Strömung über den Alpen allmählich auf Süd, damit kommt über den Alpen spätestens am Karfreitag eine leichte Föhnströmung auf (s. Bild 1).
Bild 1: Prognose der Temperatur in 2m-Höhe (farbige Flächen), der Bodendruckverteilung (schwarze Linien) und des Winds auf 3000 m (schwarze Pfeile) für Samstag, 23. April 2011 um 14h MESZ.
gross.png, 351 KBIm Norden verläuft der Karfreitag und der Samstag meist sonnig, vor allem gegen Westen hin sowie in der Nähe des Alpenhauptkamms bilden sich aber grössere Quellwolken. Gegen Abend sind in den Bergen ausserhalb der Föhnregionen lokale Regenschauer nicht ganz ausgeschlossen. Die Temperaturen erreichen Höchstwerte von 22 bis 24 Grad.
Die oben erwähnte schwache Föhnströmung sorgt auf der Alpensüdseite für eine Anfeuchtung. Diese macht sich in Form von tiefer, hochnebelartiger Bewölkung bemerkbar. Die Feuchtigkeit wandelt sich jeweils im Tagesverlauf in ausgedehnte Quellwolken um. Dabei besteht vorübergehend auch eine Tendenz zu Regenschauern und insbesondere am Samstag ist nur wenig Sonne zu erwarten. Die Temperaturen steigen auf 17 bis maximal 20 Grad.
Bild 2: Prognose der Temperatur in 2m-Höhe (farbige Flächen), der Bodendruckverteilung (schwarze Linien) und des Winds auf 3000 m (schwarze Pfeile) für den Ostermontag, 25. April 2011 um 14h MESZ
gross.png, 339 KBAm Ostersonntag und -montag lässt die schwache Föhnströmung über den Alpen nach. Damit entwickelt sich auch im Norden allmählich etwas mehr Quellbewölkung und das Schauer- und Gewitterrisiko nimmt besonders in den Bergen noch etwas zu. Insgesamt gehen wir aber nach wie vor von recht sonnigen Wetterverhältnissen aus. Die Temperaturen gehen ab Sonntag wahrscheinlich leicht zurück (s. Bild 2). Mit der sich abschwächenden Stausituation stellt sich auf der Alpensüdseite teilweise sonniges Wetter ein. Allerdings bleibt weiterhin ein leichtes Schauerrisiko erhalten.
Stand der meteorologischen Information: Montag, 18. April 2011, 14 Uhr. Die neuesten Informationen finden Sie in der 5x täglich aufdatierten Detailprognose.
Grosse Trockenheit seit Jahresbeginn
Die oft hochdruckbestimmte Witterung seit Jahresbeginn führte zu einer ausgeprägten Trockenheit. Bis in die erste Aprilhälfte brachte das Jahr 2011 in den meisten Regionen der Schweiz zum Teil deutlich weniger als die Hälfte des üblichen Niederschlages in den ersten vier Monaten. So fielen zum Beispiel im Wallis und im Engadin nur gerade 15-30% der normalen Niederschläge. Aber auch in der Westschweiz sowie im Mittelland der Deutschschweiz war es bislang mit 30-45% der Norm sehr trocken. Etwas besser, wenn auch immer noch viel zu trocken, sieht es am Alpennordhang und im Tessin aus. Hier fielen zwischen 40 und 60% der durchschnittlichen Niederschläge.
Ein Blick in die Niederschlagsaufzeichnungen seit Beginn der systematischen Messungen 1864 zeigt, dass das Jahr 2011 bislang bis auf wenige Ausnahmen zu den 10 trockensten Jahren gehört. Im Oberengadin, an der Station Segl-Maria, war es bis Mitte April gar der trockenste Jahresbeginn.
Niederschlagsummen 1. Jan. bis 16. April von Messreihen mit Messbeginn vor 1900:
| Station | Trockenste Periode | Jahr 2011 |
| Basel | 62.7 mm (1921) | 131.6 mm (> Rang 10) |
| Bern | 67.7 mm (1882) | 97.9 (Rang 5) |
| Zürich | 69.0 mm (1882) | 106.7 mm (Rang 4) |
| Lugano | 46.8 mm (1896) | 177.3 mm (> Rang 10) |
| Genf | 63.8 mm (1953) | 89.8 mm (Rang 8) |
| Davos | 80.2 mm (1996) | 94.3 mm (Rang 5) |
| Sion | 15.1 mm (1883) | 47.2 mm (Rang 6) |
| Chur | 64.0 mm (1976) | 73.0 mm (Rang 7) |
| Säntis | 228.9 mm (1885) | 339.1 mm (Rang 10) |
| Engelberg | 161.9 mm (2010) | 182.8 mm (Rang 3) |
| Segl-Maria | 31.4 mm (2011, Rang 1) |


