28. November 2005 / Heinz Maurer, Daniel Gerstgrasser
Am Dienstag, 22. November 2005 erfolgte über dem Nordmeer zwischen Grönland und Spitzbergen ein arktischer Kaltluftausbruch, welcher sich in der Folge in Richtung Nordwesteuropa ausweitete. Am 24. November erreichte das zu diesem Kaltluftausbruch gehörende Frontensytem die französische Kanalküste (s. Bild 1).
Bild 2: Bodendruckkarte mit Fronten; Analyse vom Donnerstag, 24. November 2005, 12 Uhr UTC
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In der Nacht vom Donnerstag, 24. November auf den Freitag, 25. November erreichte das Frontensystem schliesslich die Schweiz - aus Nordwesten setzte auf der Alpennordseite verbreitet Schneefall ein. Dieser breitete sich im Laufe des Freitags auch auf Graubünden und die Alpensüdseite aus, sodass die gesamte Schweiz mit einer - zumindest dünnen - Schneedecke bedeckt wurde. In der Nordwestschweiz fielen etwa 2 cm Neuschnee, im Mittelland waren es zwischen 3 und 8 cm, lokal wurden sogar 13 cm Neuschnee von den Pegeln abgelesen.
Bild 2: Bodendruckkarte mit Fronten; Analyse vom Freitag, 25. November 2005, 12 Uhr UTC
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Auf der Rückseite der Front gelangte ab den Mittagsstunden hochreichende Kaltluft zur Schweiz (s. Bild 2). Trotz instabiler Schichtung der Atmosphäre bildeten sich in der Kaltluft auf Grund der fehlenden Feuchte kaum Schneeschauer.
In der Folge: Kalte Novembernächte
Am letzten Novemberwochenende wurden in klaren Nächten und über der frischen Schneedecke verbreitet sehr tiefe Minimumtemperaturen gemessen. In den Niederungen der ganzen Schweiz wurden verbreitet Werte von -5 bis -10 Grad gemessen. Am kältesten war dabei die Nacht auf Sonntag, den 27. November 2005. An einzelnen Stationen wurden sogar die tiefsten Novemberwerte seit Messbeginn registriert, und zwar in Interlaken, in Visp, in Payerne und in Changins.
Bild 3: Minimumtemperaturen der automatischen Stationen von MeteoSchweiz in der Nacht auf Sonntag, den 27. November 2005
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Die tiefste Temperatur wurde mit -16.1 Grad in Visp gemessen. Das ist seit Messbeginn im Jahre 1961 der niedrigste Novemberwert für diese Station. Der bisherige Rekordwert wurde vor 20 Jahren registriert: Damals wurden am 28. November 1985 -15.1 Grad gemessen. An den anderen drei erwähnten Stationen wurden die bisherigen Tiefsttemperaturen im November nur knapp unterboten. In Luzern muss man mindestens 36 Jahre zurückblättern bis noch etwas tiefere Werte gefunden werden als in der kalten Nacht auf den 27. November 2005. Im Bild 3 sind die Tiefstwerte aller automatischen Stationen der MeteoSchweiz eingetragen.
Bild 4: Lokale Konvektion in den Morgenstunden: "Steaming fog" über dem Pfäffikersee, Sonntag, 27. November 2005, 8.50 Uhr. (Bildquelle: www.retti.ch)
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"Rauchende Seen" in der Kälte
In den Morgenstunden konnte man über den verschiedenen Seen ein schönes Phänomen beobachten: "Steaming Fog". Dieser tritt jeweils in den Herbst- oder frühen Wintermonaten auf, wenn sehr kalte Luftmassen über die noch relativ warme Wasseroberfläche streichen. Auf Grund der grossen thermischen Unterschiede (Wasseroberfläche etwa +7 Grad, Lufttemperaturen um -10 Grad) bildet sich eine kleinräumige Konvektion.