28. März 2006 / Roland Mühlebach, Michael Kasper
Aussergewöhnlich kalte Märzmitte
Der Winter 2005/2006 (Dezember-Februar) war der Kälteste seit 1985. Der Grund waren die häufigen nördlichen bis östlichen Winde, welche kalte und trockene Kontinentalluft nach Mitteleuropa führten. Die Phasen mit milden und feuchten Westwinden waren selten und dauerten jeweils höchstens ein paar wenige Tage an.
Auch der März begann deutlich zu kalt. Nach den
Rekordschneefällen Anfang März, kletterte die Quecksilbersäule am 12. März in Zürich nur auf -1.3 Grad. Mit Ausnahme der ersten Märzdekade wurden sonst seit dem 12.3.1996 nie mehr so tiefe März-Maxima gemessen. Auch die Tagesmitteltemperatur von -4.5° C wurde seit 1996 (-4.7°C) nicht mehr unterboten.
In der ersten Märzdekade sind allerdings solch tiefe Werte nichts Aussergewöhnliches.
Karte Maximumtemperaturen 12.3.2006, 285 KB
Rekordwärme in Vaduz am 27.3.06
In der Folge begann sich die Grosswetterlage komplett umzustellen. Zwischen einem Tief über dem Nordatlantik und einem Hoch über Südeuropa wurden aus Südwesten sehr milde Luftmassen subtropischen Ursprungs zum Alpenraum geführt.
In Vaduz wurde gar die Höchste Märztemperatur seit Messbeginn 1979 gemessen.
Karte Maximumtemperaturen 27.3.2006, 289 KB
Später Frühlingsbeginn
Dass der Frühling mit Höchsttemperaturen um 20 Grad oder darüber in diesem Jahr sehr spät Einzug gehalten hat, belegen die nachfolgenden Temperaturverläufe von ausgewählten Messstationen, jeweils bezogen auf den Monat März der vergangenen drei Jahre:
Temperaturmaximumverlauf März 2006
Temperaturmaximumverlauf März 2005
Temperaturmaximumverlauf März 2004
Temperaturmaximumverlauf März 2003
Trotz der frühlingshaften Temperaturen konnte sich die Schnee- und Eisschicht auf dem Pfäffikersee noch lange halten. Ein für Ende März doch seltener Anblick:
Auch in den Bergen wurden hohe Temperaturen gemessen. Die Nullgradgrenze stieg vorübergehend bis etwa 3300 Meter an. Die milden Temperaturen und Regenfälle verursachten beindruckende Nassschneelawinen wie dieses Foto zeigt:
Nassschneelawine im Schlappintal bei Klosters, 26.3.06, Foto: M. Kasper
gross.jpg, 515 KB
Kaltfront beendet den ersten Frühlingsangriff
Eine aktive Kaltfront sorgte in der Nacht auf den 28.3.06 für das vorläufige Ende der Frühlingstemperaturen. Mit dem Frontdurchgang traten in der Region Zürich lokale Böenspitzen von etwa 80 km/h auf. Auf der nachfolgenden Verlaufsgrafik ist auch der dazugehörende Druckanstieg sowie der Temperaturrückgang gut zu erkennen.
In der Folge sind grössere Regenmengen vor allem im Mittelland und in den westlichen Landesteilen gefallen. Der Temperatursturz sorgt zumindest in den Bergen für einen neuerlichen Wintereinbruch.
Verlauf von Wind, Luftdruck und Temperatur