MeteoSchweiz

Aktuelles zum Wettergeschehen

15. Dezember 2008 / Ludwig Z'graggen, Daniel Gerstgrasser

 

Heftiger Föhnsturm, vor allem im Berner Oberland

 

Wetterlage

Am Sonntag, 14. Dezember 2008, verlagerte sich ein kräftiges Tief vom Ärmelkanal über Frankreich ins westliche Mittelmeer. Am Mittag lag sein Zentrum mit einem Kerndruck von 992 Hektopascal über Südfrankreich (siehe Bild 1). Dementsprechend fiel der Druck nördlich der Alpen stark. Besonders ausgeprägt war der Druckfall in den westlichen Landesteilen. Gleichzeitig herrschte in der Höhe auf der Vorderseite des Tiefdrucktroges über Westeuropa im Alpenraum oberhalb von 3000 Metern eine Südströmung, welche sich bis am Mittag noch verstärkte (siehe Bild 2).

 

Bodenwetterkarte mit Fronten, Sonntag 14.12.08, 12z

Bild 1: Bodenwetterkarte mit Fronten, Sonntag, 14. Dezember 2008, 12 UTC.

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Temperaturverteilung und mittlere Windgeschwindigkeit auf 3000 m für Sonntag, 14. Dezember 2008, 12 UTC

Bild 2: Temperaturverteilung (Farben) und mittlere Windgeschwindigkeit (Windfiedern) auf 3000 m für Sonntag, 14. Dezember 2008, 12 UTC (COSMO7 Modell)

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Verlauf der Föhnlage

Damit entstand ein eigentlicher Südsturm, welcher beachtliche Windgeschwindigkeiten aufwies. Da der Druck besonders in Lagen um 1500 Meter gegen Westen hin deutlich tiefer war als im Osten, ergab sich ein markantes Druckgefälle von der Alpensüdseite zum westlichen Alpennordhang. Dies führte in der Jungfrauregion zum berüchtigten Guggiföhn, welcher auch im vorliegenden Fall für hohe Windgeschwindigkeiten sorgte. Vom Messnetz der Jungfraubahnen wurde auf der Kleinen Scheidegg (2061 m) eine maximale Böenspitze von 197 km/h registriert (siehe Bild 3).

 

Verlauf Böenspitzen auf der Kleinen Scheidegg

Bild 3: Verlauf Böenspitzen auf der Kleinen Scheidegg (2061 m) am Sonntag, 14. Dezember 2008. Erstaunlich ist die lange Dauer (ca. 6h) der Phase mit Böenspitzen von über 150 km/h (Quelle: Messnetz Jungfraubahnen)

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Noch extremer waren die Böenspitzen allerdings auf dem Lauberhorn (2315 m). Hier wurde an der privaten Station von Meteomedia eine Böenspitze von 252 km/h aufgezeichnet. Es ist dies die höchste je gemessene Windgeschwindigkeit bei einer Föhnlage. Etwa 150 Höhenmeter tiefer wurden bei der Station des SLF am Russisprung (2166 m) noch 199 km/h gemessen. Der Spitzenwert von 252 km/h erklärt sich hauptsächlich durch die Gipfellage. Gipfellagen haben fast immer höhere Windgeschwindigkeiten, da sie Hindernisse in der Strömung darstellen, und es deshalb zum Phänomen der Stromliniendrängung kommt. Die Windgeschwindigkeit kann sich so im Extremfall um den Faktor zwei verstärken. Anderseits ist die Lage direkt unterhalb des Jungfraujochs entscheidend: Bei Föhn ist es in der Regel so, dass potentiell kältere Luft aus Süden über den Alpenkamm gebracht wird, welche auf der Nordseite in höheren Lagen "boraartig" wie ein Wasserfall in die Tiefe stürzt. Durch den abrupten Abfall nördlich des Jungfraujochs wird dann die absteigende Luft sehr stark beschleunigt.

 

Da die Station auf dem Lauberhorn erst einige Jahre in Betrieb ist, und die Südströmung in der Höhe sowie das Druckgefälle zwischen der Süd- und Nordseite der Alpen nicht extrem war, ist es denkbar, dass an der Station Lauberhorn noch höhere Föhnböen registriert werden können.
In der übrigen Schweiz war das Föhnereignis nicht ausserordentlich. So wurde beispielsweise auf dem Gütsch ob Andermatt 137 km/h gemessen, der durchschnittliche Jahreshöchstwert liegt bei ca. 175 km/h. Maximal wurden bei Föhn an dieser Station schon 226 km/h gemessen, dies am 16./17. Dezember 1983. Auch der Titlis wies mit 139 km/h keine extrem hohen Werte auf, zeigte der Windmesser dort doch schon Böenspitzen von fast 200 km/h, gemessen am 6. November 1997.

 

Auch für die Alpentäler lässt sich das Gleiche sagen: Ein hoher Wert wies diesmal einzig Altdorf mit 133 km/h auf, sonst blieben die Werte durchwegs im Bereich von 100 km/h oder knapp darunter, was für Föhn nicht aussergewöhnlich ist. Grund dafür war die für Föhn nur mässige Druckdifferenz zwischen Alpensüd- und Alpennordseite von etwa 11 Hektopascal. Bei starken Föhnstürmen liegt diese Druckdifferenz bei über 15 Hektopascal. Beim extremen Föhnsturm vom 8. November 1982 erreichte sie sogar 28 Hektopascal.

 

Die unten stehende Tabelle gibt Auskunft über die höchsten Föhnböen an den Stationen von MetoSchweiz seit 1981. Bei den Stationen Titlis, Piz Martegnas, Brienz, Meiringen und Evionnaz und sind Daten seit 1996 verfügbar.

 

Historische Böenspitzen bei Föhn

Station: Böenspitze 14.12.2008 absolute Böenspitze: Datum absolute Böenspitze:
Gütsch, 2287 m 137 km/h 226 km/h 17. Dezember 1983
Titlis, 3040 m 139 km/h 196 km/h 6. November 1996
Säntis, 2502 m 105 km/h 207 km/h 4. April 1987
Piz Martegnas, 2670 m 111 km/h 182 km/h 31. Oktober 2003
       
Altdorf, 438 m 133 km/h 158 km/h 13. Dezember 1981
Glarus, 517 m 90 km/h 141 km/h 10. Oktober 1987
Vaduz, 457 m 80 km/h 149 km/h 6. Januar 1994
Engelberg, 1036 m 113 km/h 158 km/h 8. November 1983
Giswil, 475 m 106 km/h 148 km/h 8. November 1983
Adelboden, 1320 m 80 km/h 133 km/h 17. Dezember 1983
Brienz, 578 m 104 km/h 132 km/h 27. Mai 2008
Meiringen, 595 m 111 km/h 139 km/h 17. Dezember 1997
Evionnaz, 480 m 90 km/h 126 km/h 17. Dezember 1997
Elm, 965 m 78 km/h 124 km/h 16. Januar 2008

 

 

Böenspitzen von 150 km/h sind bei Föhnstürmen des Weiteren schon in Schwyz, Guttannen und in Mürren im Berner Oberland verzeichnet worden, auch am Flugplatz Alpnach zeigte der Windmesser bei Föhn schon 140 km/h an. Der Föhn ist also ein sehr starker Wind, er erreicht in Extremfällen in den Alpentälern Böenspitzen von 130 bis 160 km/h, in Gipfellagen sind es cirka 200 km/h. In ganz exponierten Kammlagen sind sogar mehr als 250 km/h möglich. Dies sind ausserordentliche Werte und lassen sich mit den stärksten Weststürmen wie Vivian und Lothar durchaus vergleichen. Es ist denn auch kein Zufall, dass neben dem Westwind der Föhn schwere Wald- und Gebäudeschäden anrichten kann, während dies bei den übrigen Winden in der Schweiz eher nicht der Fall ist.

 

Die schwersten Föhnstürme

 

  • 5. Januar 1919:

Der Föhn war so heftig, dass er sogar Häuser zerstörte. Lokal drehte er Waldbäume um ihre Achse und riss sie auf diese Weise auf. Auf dem Zürichsee entstanden "Wasserhosen". Schwere Waldschäden am ganzen Alpennordhang.

 

  • 8. November 1962:

Schwerer Föhnsturm im Berner Oberland, besonders das Lauterbrunnental extrem betroffen. Auch damals wurden Holzchalets völlig zerstört, im Übrigen immense Waldzerstörung von 2 Mio. m³, dies wurde bisher nur von Lothar und Vivian übertroffen, welche allerdings die grössere flächenmässige Ausbreitung hatten.

 

  • 7. November 1982:

Sogenannter Föhnsturm des Jahrhunderts. Der Föhn richtete insgesamt Schäden von etwa 30 Mio. Fr. an. Wiederum massive Gebäude- und Waldschäden. Auch Seeufer und Schiffe schwer in Mitleidenschaft gezogen. Auch Österreich wurde vom Föhn hart betroffen. Dieser Föhnsturm war übrigens gekoppelt an ein Orkantief, welches über Frankreich ein eigentlicher Südsturm auslöste, welcher in den Waldungen schwerste Verwüstungen auslöste.

 

  • 16. November 2002:

Während in der Schweiz durch übergreifende Südstauniederschläge in Graubünden eine Unwetterkatastrophe ausgelöst wurde, tobte in Oesterreich und deutschen Alpengebiet der Föhn. Auf dem österreichen Aineck soll eine mittlere Geschwindigkeit von 180 km/h über 10 Minuten geherrscht haben. Dies ist eine Geschwindigkeit, welche bisher in der Schweiz noch nie gemessen wurde. Der höchste Zehnminutenwert liegt bei ca. 155 km/h und wurde auf dem Jungfraujoch verzeichnet (ebenfalls bei Föhn).

 

Schneefahnen

Schneefahnen an der Schächentaler Windgälle

Föhnstimmung

Abendliche Föhnstimmung

Böenspitzen

Böenspitzen vom 14. Dezember 2008

Höchsttemperaturen

Maximumtemperaturen vom 14. Dezember 2008

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