Wetterlage
Bild 2: Temperaturverteilung (Farben) und mittlere Windgeschwindigkeit (Windfiedern) auf 3000 m für Sonntag, 14. Dezember 2008, 12 UTC (COSMO7 Modell)
gross.jpg, 151 KBVerlauf der Föhnlage
Bild 3: Verlauf Böenspitzen auf der Kleinen Scheidegg (2061 m) am Sonntag, 14. Dezember 2008. Erstaunlich ist die lange Dauer (ca. 6h) der Phase mit Böenspitzen von über 150 km/h (Quelle: Messnetz Jungfraubahnen)
gross.png, 15 KBNoch extremer waren die Böenspitzen allerdings auf dem Lauberhorn (2315 m). Hier wurde an der privaten Station von Meteomedia eine Böenspitze von 252 km/h aufgezeichnet. Es ist dies die höchste je gemessene Windgeschwindigkeit bei einer Föhnlage. Etwa 150 Höhenmeter tiefer wurden bei der Station des SLF am Russisprung (2166 m) noch 199 km/h gemessen. Der Spitzenwert von 252 km/h erklärt sich hauptsächlich durch die Gipfellage. Gipfellagen haben fast immer höhere Windgeschwindigkeiten, da sie Hindernisse in der Strömung darstellen, und es deshalb zum Phänomen der Stromliniendrängung kommt. Die Windgeschwindigkeit kann sich so im Extremfall um den Faktor zwei verstärken. Anderseits ist die Lage direkt unterhalb des Jungfraujochs entscheidend: Bei Föhn ist es in der Regel so, dass potentiell kältere Luft aus Süden über den Alpenkamm gebracht wird, welche auf der Nordseite in höheren Lagen "boraartig" wie ein Wasserfall in die Tiefe stürzt. Durch den abrupten Abfall nördlich des Jungfraujochs wird dann die absteigende Luft sehr stark beschleunigt.
Da die Station auf dem Lauberhorn erst einige Jahre in Betrieb ist, und die Südströmung in der Höhe sowie das Druckgefälle zwischen der Süd- und Nordseite der Alpen nicht extrem war, ist es denkbar, dass an der Station Lauberhorn noch höhere Föhnböen registriert werden können.
In der übrigen Schweiz war das Föhnereignis nicht ausserordentlich. So wurde beispielsweise auf dem Gütsch ob Andermatt 137 km/h gemessen, der durchschnittliche Jahreshöchstwert liegt bei ca. 175 km/h. Maximal wurden bei Föhn an dieser Station schon 226 km/h gemessen, dies am 16./17. Dezember 1983. Auch der Titlis wies mit 139 km/h keine extrem hohen Werte auf, zeigte der Windmesser dort doch schon Böenspitzen von fast 200 km/h, gemessen am 6. November 1997.
Auch für die Alpentäler lässt sich das Gleiche sagen: Ein hoher Wert wies diesmal einzig Altdorf mit 133 km/h auf, sonst blieben die Werte durchwegs im Bereich von 100 km/h oder knapp darunter, was für Föhn nicht aussergewöhnlich ist. Grund dafür war die für Föhn nur mässige Druckdifferenz zwischen Alpensüd- und Alpennordseite von etwa 11 Hektopascal. Bei starken Föhnstürmen liegt diese Druckdifferenz bei über 15 Hektopascal. Beim extremen Föhnsturm vom 8. November 1982 erreichte sie sogar 28 Hektopascal.
Die unten stehende Tabelle gibt Auskunft über die höchsten Föhnböen an den Stationen von MetoSchweiz seit 1981. Bei den Stationen Titlis, Piz Martegnas, Brienz, Meiringen und Evionnaz und sind Daten seit 1996 verfügbar.
Historische Böenspitzen bei Föhn
| Station: | Böenspitze 14.12.2008 | absolute Böenspitze: | Datum absolute Böenspitze: |
| Gütsch, 2287 m | 137 km/h | 226 km/h | 17. Dezember 1983 |
| Titlis, 3040 m | 139 km/h | 196 km/h | 6. November 1996 |
| Säntis, 2502 m | 105 km/h | 207 km/h | 4. April 1987 |
| Piz Martegnas, 2670 m | 111 km/h | 182 km/h | 31. Oktober 2003 |
| Altdorf, 438 m | 133 km/h | 158 km/h | 13. Dezember 1981 |
| Glarus, 517 m | 90 km/h | 141 km/h | 10. Oktober 1987 |
| Vaduz, 457 m | 80 km/h | 149 km/h | 6. Januar 1994 |
| Engelberg, 1036 m | 113 km/h | 158 km/h | 8. November 1983 |
| Giswil, 475 m | 106 km/h | 148 km/h | 8. November 1983 |
| Adelboden, 1320 m | 80 km/h | 133 km/h | 17. Dezember 1983 |
| Brienz, 578 m | 104 km/h | 132 km/h | 27. Mai 2008 |
| Meiringen, 595 m | 111 km/h | 139 km/h | 17. Dezember 1997 |
| Evionnaz, 480 m | 90 km/h | 126 km/h | 17. Dezember 1997 |
| Elm, 965 m | 78 km/h | 124 km/h | 16. Januar 2008 |
Die schwersten Föhnstürme
- 5. Januar 1919:
Der Föhn war so heftig, dass er sogar Häuser zerstörte. Lokal drehte er Waldbäume um ihre Achse und riss sie auf diese Weise auf. Auf dem Zürichsee entstanden "Wasserhosen". Schwere Waldschäden am ganzen Alpennordhang.
- 8. November 1962:
Schwerer Föhnsturm im Berner Oberland, besonders das Lauterbrunnental extrem betroffen. Auch damals wurden Holzchalets völlig zerstört, im Übrigen immense Waldzerstörung von 2 Mio. m³, dies wurde bisher nur von Lothar und Vivian übertroffen, welche allerdings die grössere flächenmässige Ausbreitung hatten.
- 7. November 1982:
Sogenannter Föhnsturm des Jahrhunderts. Der Föhn richtete insgesamt Schäden von etwa 30 Mio. Fr. an. Wiederum massive Gebäude- und Waldschäden. Auch Seeufer und Schiffe schwer in Mitleidenschaft gezogen. Auch Österreich wurde vom Föhn hart betroffen. Dieser Föhnsturm war übrigens gekoppelt an ein Orkantief, welches über Frankreich ein eigentlicher Südsturm auslöste, welcher in den Waldungen schwerste Verwüstungen auslöste.
- 16. November 2002:
Während in der Schweiz durch übergreifende Südstauniederschläge in Graubünden eine Unwetterkatastrophe ausgelöst wurde, tobte in Oesterreich und deutschen Alpengebiet der Föhn. Auf dem österreichen Aineck soll eine mittlere Geschwindigkeit von 180 km/h über 10 Minuten geherrscht haben. Dies ist eine Geschwindigkeit, welche bisher in der Schweiz noch nie gemessen wurde. Der höchste Zehnminutenwert liegt bei ca. 155 km/h und wurde auf dem Jungfraujoch verzeichnet (ebenfalls bei Föhn).







