Am Dienstag 12. Juli entstand über Mittelfrankreich ein Tiefdruckgebiet, das auf seiner Vorderseite für südwestliche Höhenwinde über dem Alpenraum sorgte. Die von Spanien her zugeführte Luftmasse war sehr warm und gewitterträchtig. Besonders in der Nacht zum Mittwoch entluden sich schwere Gewitter. Am Mittwoch 13. Juli erfasste dann die zum Tief gehörende Kaltfront unser Land und brachte verbreitet starken Regen, besonders auf der Alpensüdseite.
Am Dienstag heiss und dann heftige Gewitter
Am Dienstag 12. Juli 2011 stieg die Temperatur in der heissen Luftmasse auf 29 bis 35 Grad. Am heissesten wurde es im Wallis und im Churer Rheintal. Gegen Abend entstanden dann im westlichen Jura erste Gewitter, welche in der Folge dem Jura entlang ostwärts zogen und sich verstärkten. Auch an den westlichen Voralpen entstanden heftige Gewitter, die bis ins Bündnerland zogen. Nach einer ruhigen Phase am Abend bildeten sich gegen Mitternacht erneut unwetterartige Gewitter.
Auffällig waren die zahlreichen Blitze. In Grenchen schlugen insgesamt 48 Blitze im Nahbereich von 3 km ein, das ist vergleichbar mit einer exponierten Bergstation. Auch Delémont und Wynau wurden von zahlreichen Blitzen heimgesucht. In den Juragebieten der Kantone Solothurn und Baselland sowie im Bereich des Thurgauer Seerückens wurde an diesen beiden Tagen generell etwa dieselbe Anzahl Blitze registriert wie letztes Jahr insgesamt.
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Abb. 4: Radarbild vom 13. Juli 2011 um 00:40 Uhr. Gut zu erkennen ist das Gewitter im Raum Solothurn und Baselbiet. gross.png, 88 KB |
Abb. 5: Hagelkörner des Gewitters bei Oltingen BL. Durchmesser 6 cm. Quelle: Gregory Käser. gross.jpg, 27 KB |
Besonders am Dienstag Nachmittag und in der Nacht zum Mittwoch waren die Gewitter auch von Hagel begleitet. Am stärksten betroffen waren die nördlichsten Landesteile, etwa vom Berner Jura bis zum Untersee. Dabei fielen bis zu 6 cm grosse Hagelkörner und richteten grosse Schäden an. Bemerkenswert ist, dass auch noch eine Gewitterzelle mitten in der Nacht Hagel brachte, dies in Teilen der Kantone Aargau und Zürich. Hagel fällt typischerweise zwischen dem frühen Nachmittag und den Abendstunden. In der ersten Tageshälfte ist ein Hagelschlag um ein Vielfaches weniger wahrscheinlich als in der zweiten.
Am Mittwoch mit Kaltfront Starkregen und erneut GewitterNach den präfrontalen Gewittern erfasste am Mittwoch eine aktive Kaltfront unser Land. Besonders auf der Alpensüdseite sorgte diese für kräftigen Regen. Bereits am Morgen entstanden im Nordtessin Gewitter, die für ein Anschwellen der Flüsse sorgten. Am Nachmittag intensivierten sich die Niederschläge und griffen allmählich auch ins Mittel- und Südtessin über. Die Messstationen verzeichneten Tagessummen von 50 bis 100 mm (Liter pro Quadratmeter). Diese gewittrigen Regenfälle waren zeitweise sehr intensiv. An der Station Locarno-Monti fielen 42 mm in einer Stunde oder 17 mm innerhalb 10 Minuten. Diese Werte sind zwar beachtlich, kommen hier jedoch alle paar Jahre mal vor (siehe Abb. 6) . Die gemessenen 42.2 mm innerhalb einer Stunde sind demnach ein 5-jähriges Ereignis.
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Abb. 6: Wiederkehrperiode der stündlichen Starkniederschläge an der Station Locarno-Monti. gross.png, 7 KB |
Mit den Niederschlägen dieser zwei Tage wurde das Defizit der ersten Jahreshälfte in diversen Regionen bereits etwas abgetragen. Im Tessin ist der durchschnittliche Juliniederschlag bereits jetzt mehrheitlich überschritten worden. In der Deutschschweiz ist dies erst lokal der Fall, z.B. im Raum Zürich-Schaffhausen, ausserdem auch im Zentralwallis.
Zusammenfassung des Ereignisses











