10. März 2010 / Olivier Duding (Meteo Genf), Übersetzung: Eugen Müller
Nach einer fast frühlingshaften Periode kam im Laufe der letzten Woche wieder der Winter zurück. Ein Hochdruckgebiet, das sich über den Britischen Inseln aufgebaut hat, führte mit einer Nordostströmung kalte, kontinentale Polarluft mit Ursprung Russland zum Alpenraum. Die Bise, die bereits seit dem 3. März wehte, verstärkte sich dabei beachtlich und blies in der Westschweiz vom 7. bis 9. März 2010 am stärksten.
Zuerst Schneefall in der Deutschschweiz, dann kalt
Am 6. März zog ein Tief von der Nordsee zur Schweiz. Dabei schneite es bis in die Niederungen, hauptsächlich in der Deutschschweiz (10 cm in Zürich und St. Gallen). Gegen Westen hin fiel deutlich weniger Schnee (2 cm in Bern und Delémont, 1 cm in Biel, 0 cm in Flachland der Westschweiz).
Nach dem Durchgang des Tiefs verstärkte sich in der Kaltluft das Hoch über den Britischen Inseln. Am 7. März blieben die Höchsttemperaturen meist unter dem Gefrierpunkt, also ein Eistag. In Neuenburg beispielsweise stieg das Thermometer nur auf -0,2 Grad. Dort ist ein Eistag im März im langjährigen Durchschnitt nur alle 2 Jahre zu erwarten. Den letzten Eistag registrierte man in Neuenburg letztmals am 13. März 2006. Im Flachland der Deutschschweiz sind Eistage im März im Durchschnitt einmal jedes Jahr zu erwarten.
Starke bis stürmische Bise vom 7. bis 9. März 2010
Die Kaltluft kontinentalen Ursprungs dehnte sich in der Folge bis ins westliche Mittelmeer aus, wo sich dann am 7. März ein Tiefdruckwirbel entwickelte. Zwischen diesem Tief über dem Mittelmeer, wo der Luftdruck weiterhin grossräumig fiel, und dem bestehenden Hochdruckgebiet über den Britischen Inseln entstand vor allem im Bereich der westlichen Alpen ein grosser Druckgradient. Dies hatte eine markante Verstärkung der Bisenströmung zur Folge. So fegte am 7. März eine starke bis stürmische Bise durch das Mittelland (88 km/h in Neuenburg, 77 km/h in Cressier/NE und Mathod bei Yverdon). Auch in der Deutschschweiz war die Bise beachtlich mit 71 km/h in Schaffhausen und 66 km/h in Kloten, und so traten an windexponierten Lagen zusammen mit dem am Vortag frisch gefallenen Schnee zum Teil sogar Schneeverwehungen auf. Da am 7. März die Bisenströmung auf 1500 Meter vornehmlich nach Ost-Nordost ausgerichtet war, wehte sie im Genferseegebiet etwas weniger stark. Nachstehend eine Karte der Böenspitzen vom Sonntag 7. März:
Am Montag 8. März waren sowohl die Höhenströmung als auch die Bodenströmung nach Nordosten ausgerichtet. Damit verstärkte sich die Bise auch im Genferseegebiet. Die Böenspitzen überschritten am westlichen Genfersee 90 km/h.
Bild 2: Zeitlicher Verlauf der Böenspitzen vom 7. bis 9. März 2010 in Neuenburg, Genf-Cointrin und Bière. Auffallend die starke Zunahme der Bise am 8. März in Bière und besonders in Genf.
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In Genf (Böenspitzen von 90 km/h) wurde eine solch starke Bise seit dem 23. November 2005 nicht mehr gemessen. Auch sonst wurden Böenspitzen bei Bise von 90 km/h oder darüber seit der Einführung des automatischen Messnetzes 1981 nur selten registriert.
Starke Bise und negative Temperaturen
Am 8. März lagen die Temperaturen im Flachland tagsüber zwischen +2 und +3 Grad. In der darauffolgenden Nacht sanken sie auf Werte zwischen -5 und -6 Grad. Am 9. März erreichten die Höchsttemperaturen nur noch Werte um -1 Grad. Die Bise blies weiterhin stark, und an den Ufern des Genfer- und Neuenburgersees setzte durch vereisende Gischt Eis an. Diese Situation erinnerte an die stürmische und vereisende Bise am Genfersee vom 26. Januar 2005, als auch an den beiden nachfolgenden Tagen die Temperaturen nicht über den Gefrierpunkt stiegen.
Kälteperiode im März
Markante Kälteeinbrüche im März konnten auch in der Vergangenheit immer wieder beobachtet werden. Zum Teil wurden sie von Schneefällen bis ins Flachland hinunter begleitet. Beispielsweise am 4. März 2006 als in St. Gallen 60 cm Neuschnee fielen, in Zürich 54 cm, in Basel 49 cm, in Biel 30 cm und im Neuenburg 18 cm.
Auch die erste Märzhälfte im 2005 war mit Tiefsttemperaturen um -10 Grad eisig kalt. In Delémont wurde zum Beispiel am 1. März eine Tiefsttemperatur von -22 Grad gemessen.
Noch weiter zurück in der Vergangenheit liegt die Kälteperiode vom März 1971. Der gesamte Monat war 3 bis 4 Grad zu kalt im Vergleich zum langjährigen Mittel. In Genf, Lausanne oder in La Chaux-de-Fonds war der Februar 1971 sogar weniger kalt als dann der darauffolgende März. Dies obwohl normalerweise zwischen den beiden Monaten eine starke Erwärmung zu verzeichnen ist.