Die Genauigkeit und Qualität von Wettervorhersagen nimmt stark mit dem Vorhersagezeitraum ab. So weiss jeder aus eigener Erfahrung, dass der Wetterbericht für den nächsten Tag wesentlich zuverlässiger ist als etwa eine 5-Tagesprognose. Dies liegt am chaotischen Charakter der Atmosphäre: Da sich kleinste und nicht vorhersagbare Störungen rasch ausbreiten können, sind Wettervorhersagen auf maximal 10 Tage beschränkt. Wie soll es dann aber möglich sein, Aussagen für die übernächste Woche treffen? Oder gar noch weiter in die Zukunft, wie etwa bei unseren saisonalen Prognosen?
Die Antwort liegt darin, dass man bei Langfristprognosen nicht mehr versucht, einzelne konkrete Wetterereignisse vorherzusagen, sondern sich auf Wochenmittel beschränkt. Durch diesen "Trick" lässt sich der Vorhersagezeitraum deutlich erhöhen, denn durch die Mittelung wird die Chaos-Anfälligkeit der Vorhersage reduziert. Gleichzeitig gewinnen eine ganze Reihe anderer Faktoren an Bedeutung, wie beispielsweise Bodenfeuchte und Schneebedeckung, vor allem aber der Zustand der Ozeane. Wenn man also in der Lage ist, solche Faktoren korrekt mit einzubeziehen, dann kann man auch Aussagen zum längerfristigen Wettertrend machen.
Die Langfristprognosen an der MeteoSchweiz basieren deshalb auf einem gekoppelten Ozean-Atmosphäre-Land-Modell. Damit wird die Entwicklung der Ozeane und der Atmosphäre mit Hilfe komplexer Gleichungen berechnet. In diese Rechnungen fliessen zum Startzeitpunkt alle weltweit verfügbaren Messungen ein. Dazu werden Satelliten, Bojen, Flugzeuge, aber auch Bodenstationen verwendet. Um die Unsicherheit der Vorhersage abzuschätzen, wird ein ganzer Schwarm solcher Modell-Simulationen durchgeführt. Dadurch lässt sich die Bandbreite und die Wahrscheinlichkeit möglicher Klimazustände quantifizieren. Die Vorhersagen werden schliesslich mit vergangenen Messungen kalibriert.
Wenngleich in den letzten Jahren deutliche Fortschritte in der Langfristprognostik erzielt worden sind, so ist die Güte solcher Vorhersagen in der Praxis nach wie vor limitiert. Die Modelle können die Realität nicht in ihrer ganzen Komplexität wiedergeben. Sie beruhen auf einer Reihe von Vereinfachungen. Ausserdem sind nicht alle Regionen der Erde in gleichem Masse durch die erwähnten Randbedingungen beeinflusst. Es kann also immer wieder vorkommen, dass unvorhersagbare, chaotische Wetterentwicklungen den vorhergesagten Trend überlagern.
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